Wirtschaft
Auch Topbanker müssen zurückstecken
Von Simon Schmid. Aktualisiert am 09.02.2012 16 Kommentare
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Ein Aufschrei ging durch die Öffentlichkeit, als man vor zwei Jahren von Brady Dougans Lohnbonus erfuhr: 2009, im Jahr nach der Finanzkrise, heimste der Credit-Suisse-Chef über 70 Millionen Franken als Bonus ein – ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die den Exzessen des Bankensektors kritisch gegenüberstanden. Insgesamt knapp sieben Milliarden Franken bezahlte Credit Suisse (CSGN 18.95 -0.68%) seinen Mitarbeitern damals als Bonus aus.
Nur zwei Jahre später sieht die Sache bei Credit Suisse bereits ziemlich anders aus. Die Bank schreibt im Geschäftsjahr 2011 nur einen mageren Gewinn. Im letzten Quartal entstand gar ein Verlust von 640 Millionen Franken. Dies werden auch die Angestellten zu spüren bekommen: Im Vergleich zum Vorjahr schmilzt die variable Vergütung für Mitarbeiter von fünf auf drei Milliarden Franken zusammen – ein Minus von über 40 Prozent. 2011 ist somit das zweite Jahr in Folge, in welchem die Bank ihren Bonuspool verringert.
«In 15 Jahren nicht gesehen»
Wie die Bank mitteilt, sinkt die Bonussumme der Geschäftsleitung überdurchschnittlich um 57 Prozent. Die Führungskräfte erhalten ihre Boni zudem nicht in bar, sondern werden mit Wertpapieren abgegolten. Für diese besteht eine Mindesthaltezeit – im Fall von Aktien beträgt sie drei bis vier Jahre. Boni mit aufgeschobener Auszahlung gibt es bei der Credit Suisse nur für Einkommen ab 250'000 Franken im Jahr, wie Credit-Suisse-Sprecher Marc Dosch sagt. Wer einen geringeren Lohn hat, bekommt seinen Bonus in bar.
Mit dem Zusammenstreichen der Boni ist die Credit Suisse indes nicht allein: Auch die UBS hat ihren Bonuspool dieses Jahr um 2,5 Milliarden Franken oder umgerechnet rund 40 Prozent reduziert. Die beiden Schweizer Grossbanken übertreffen damit sogar die Konkurrenz aus dem Ausland. Fürs vergangene Geschäftsjahr richtet die Deutsche Bank rund 17 Prozent weniger Boni aus, auch J.P. Morgan lässt den Bonustopf schrumpfen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg Zitiert dazu den Londoner Headhunter Jason Kennedy mit den Worten: «So etwas habe ich in den letzten 15 Jahren nicht gesehen.»
Laut Konzernchef Brady Dougan ist der Bonusrückgang 2011 im Investmentbanking besonders hoch. Dass die Bank deswegen Mitarbeiter an Konkurrenten verliert, scheint aber unwahrscheinlich: Laut Headhunter Kennedy sind Investmentbanker gegenwärtig «taub gegenüber Lohnkürzungen», weil sie zu ihrem aktuellen Job wenig Alternativen hätten.
Neun Jahre warten auf den Bonus
Auf besonderes Medieninteresse stösst ein Bonusprogramm, das die Credit Suisse auf dieses Jahr hin eingeführt hat. Es trägt den Namen PAF 2 – Partner Asset Facility, was auch schon als «partnerschaftliche Anlagemöglichkeit» übersetzt wurde. Konkret beinhaltet das Programm, dass Topmanager Teile ihres Bonus in Anteilen an einem Anlagekonstrukt erhalten. Dieses Konstrukt funktioniert im Wesentlichen wie eine Obligation: Nach einer Wartezeit von neun Jahren erhalten die Mitarbeiter ihren zugeteilten Nominalbetrag samt Zinsen ausgezahlt. Insgesamt ist PAF 2 500 Millionen Franken schwer, rund ein Sechstel der gesamten Bonusmasse 2011.
Die Krux am neuen Programm ist, dass die Bank damit Risiken an Bankmitarbeiter auslagern kann: Wer Anteile an PAF 2 hält, springt für die Bank in die Bresche, wenn es in bestimmten Handelsbereichen zu Zahlungsausfällen an die Bank kommt. Läuft das Geschäft bei Credit Suisse schlecht, so verringert sich damit auch der Wert des Bonus, den Angestellte unter PAF 2 erhalten. Die Teilnahme an diesem Bonusprogramm beruht auf dem Rang: Anteilsscheine an PAF 2 werden an Directors oder Managing Directors ausgeteilt, betroffen sind damit rund 6000 Leute.
Musterknabe in Sachen Basel III
Mit dem Bonusprogramm sucht Credit Suisse die Konzernrisiken weiter zu verringern, wie Credit-Suisse-Sprecher Marc Dosch gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erklärt. Wenn Anlagerisiken der Bank durch Kadermitarbeiter mit gedeckt werden, so schrumpfen die risikogewichteten Aktiven in der Bilanz. So erleichtert sich für die Bank die Aufgabe, die im Rahmen von Basel III geforderten Eigenmittelregeln zu erfüllen. Im Vergleich zur Konkurrenz brüstet sich Credit Suisse bereits heute mit vorbildlichen Fortschritten in diesem Bereich.
Mit PAF 2 schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, sagte Brady Dougan heute gegenüber den Medien: Durch das Programm würden sich die Interessen von Mitarbeitern an diejenigen der Aktionäre angleichen; gleichzeitig werde Risiko aus der Bilanz genommen. Bei PAF 2 haftet Credit Suisse selbst nur für Kreditrisiken von 500 Millionen Franken – es ist derselbe Betrag, den auch die Banker maximal verlieren können.
In der Öffentlichkeit dürfte Credit Suisse mit PAF 2 eine bessere Figur abgeben. Unvergessen sind die Zeiten, als Topleute im Konzern im Rahmen des Vorgängerprogramms PAF 1 Millionen einstrichen. PAF 1 bestand aus toxischen Immobilienpapieren, die sich in den Jahren nach der Finanzkrise jedoch als lukrative Anlage herausgestellt hatten. Mit dem neuen Programm kann es nicht mehr zu solchen Wertsteigerungen kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2012, 19:33 Uhr
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16 Kommentare
Top Banker bezogen Einkommen vergleichbar mit dem eines Unternehmers, der persönliches Risiko auf sich nimmt. Wenn Banker wirklich unternehmerisch entlöhnt sein wollen, sollten sie sich auch in schlechten Zeiten wie Unternehmer benehmen und die Boni der letzten Jahre zurück in die CS führen. Aber eben, es sind in Wirklichkeit nur einfache Angestellte, mit der Lizenz für legalen Diebstahl. Antworten
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