1173 Wetziker gegen Dignitas

Die Petition der Kirchgemeinden gegen den Einzug von Dignitas in Wetzikon war erfolgreich – insgesamt 1173 Unterschriften kamen zusammen.

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Vertreter der Wetziker Kirchgemeinden versammelten sich gestern vor dem Stadthaus, um dem Gemeindepräsidenten Urs Fischer (FDP) die 1173 Unterschriften der Petition zu übergeben. Die Aktion startete, nachdem bekannt wurde, dass Ludwig A. Minelli die Tätigkeiten seiner Sterbehilfeorganisation Dignitas in einer Liegenschaft an der Talstrasse in Wetzikon weiterführen will. «Es ist für uns ein spezieller Moment», sagte Daniel Schaltegger von der reformierten Kirchgemeinde. «In den letzten zwei Wochen waren wir sehr aktiv und haben unseren Auftrag mit Erfolg erfüllt.» Die Unterschriften seien vor allem an den Gottesdiensten gesammelt worden. Die Leute hätten sehr wohlwollend reagiert und erwarteten, dass sich die Kirchen gegen den Einzug von Dignitas einsetzen. Neben den Unterschriften wurde dem Gemeindepräsidenten auch ein kleiner Baum überreicht. «Dieser Baum steht als Symbol für das Leben. Ein Leben muss geschützt und gewahrt werden», führte Schaltegger aus. Der Baum solle an die Lebensqualität erinnern. Die zwei Hauptargumente der Kirchgemeinden sind, dass Dignitas einerseits ein Geschäft aus dem Sterben mache. Andererseits sei der Standort in einem Wohngebiet mit einer Schule und einem Kindergarten völlig unverantwortlich. «Sterben ist ein Teil vom Leben, aber Töten nicht», sagte Schaltegger.

Gemeinderat den Rücken stärken

Mit dieser Unterschriftensammlung möchten die Kirchgemeinden, zu denen auch die freien Kirchen gehören, dem Gemeinderat den Rücken stärken. «Wir sind froh, dass der Gemeinderat auf unserer Seite ist und von Minelli ein Baugesuch angefordert hat», bedankte sich Schaltegger bei Gemeindepräsident Urs Fischer. Schliesslich sei auch der Gemeinderat für das Wohl der Stadt Wetzikon verantwortlich. Fischer bedankte sich für die Mühe und versicherte, alles Mögliche zu unternehmen, um den Einzug von Dignitas zu verhindern. «Solche Aktionen berühren mich immer wieder. Sie zeigen, dass die Bevölkerung in Wetzikon interessiert und aktiv ist.» Fischer betonte jedoch, dass sich der Gemeinderat ans Gesetz halten müsse. Leider gebe es keinen Platz für Ethisches oder Persönliches. Laut Fischer ist der Spielraum sehr klein. «Dignitas hat einen Rechtsanspruch.» Gemäss Bau- und Zonenordnung sei das Baugesuch von Dignitas rechtlich zulässig. Dignitas-Präsident Minelli habe geschickt gehandelt. «Die Bauzone läuft im Gesetz unter einer Wohnzone mit Gewerbeerleichterung – und Dignitas zählt als Gewerbe», sagte Fischer. «Wir klären nun ab, ob wir Dignitas wegen ideeller Immissionen eine Bewilligung verweigern können.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2008, 20:30 Uhr

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