18 Monate unbedingt für Tresordiebstahl bestätigt

Der Tresordiebstahl aus der «Burg» in Meilen Ende 2006 brachte dem Einbrecher nur Mühsal und etwas Marzipan. Verurteilt wurde er trotzdem.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es muss ein gröberer Frust gewesen sein, als die Diebe ihre Beute auf einem Feldweg in Oetwil an der Limmat aufwuchteten: Im 400 Kilogramm schweren Tresor, den sie in der Nacht auf den 28. Dezember 2006 aus dem Restaurant Burg in Meilen geschleift hatten, befanden sich nur einige Stangen altes Marzipan. Erwischt und angeklagt wurden sie trotzdem. Unklar blieb nur, wer die treibende Kraft hinter dem Einbruch gewesen war: der Kroate, der deswegen gestern Dienstag vor dem Zürcher Obergericht stand, oder sein Komplize? Der hatte die Mittäterschaft zwar zugegeben, aber ausgesagt, es sei die Idee des Kroaten gewesen. Dieser jedoch hat gegenüber Polizei, Staatsanwaltschaft und Richtern stets alles abgestritten. Er habe mit dem Einbruch überhaupt nichts zu tun.

Das Bezirksgericht Meilen hatte ihn vor einem Jahr trotzdem zu 13 Monaten Gefängnis unbedingt verurteilt – fünf Monate weniger, als der Staatsanwalt beantragt hatte. Das Obergericht hat das Meilemer Urteil gestern vollauf bestätigt, obwohl die Verteidigung wegen Verfahrensfehlern erneut einen Freispruch verlangte. Für die Berufungsverhandlung in Zürich war der Kroate extra aus seinem Heimatland angereist, wo er seit seiner Entlassung aus der Haft im März 2008 wieder lebt. 264 Tage hatte er hier bereits abgesessen. Die Anreise extra für einen Prozess ist in solchen Fällen eher ungewöhnlich. Gut möglich, dass ihm der Rest der Strafe nun erlassen wird. Bis 2014 wurde der Täter zusätzlich mit einer Einreisesperre bestraft.

Für die Richter war die Beweislage eindeutig. Ermittlungen und Telefonüberwachungen in einem anderen Fall hatten die Polizei auf die Spur des Kroaten geführt. Er schob die Schuld auf seinen Mittäter und dessen Frau, die er 2001 in einer kroatischen Bar beim Zürcher Lochergut kennengelernt hatte. Die beiden seien wiederholt an ihn herangetreten mit Vorschlägen, wo es etwas zu holen gebe, doch er habe sich nie darauf eingelassen.

Mehrfach vorbestraft

Auf einem Sackrolli, einem Geissfuss und einem Pickel, welche die Polizei im Zusammenhang mit dem Meilemer Diebstahl entdeckt hatte, waren aber DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden. Ebenso auf Werkzeug in einer Pneugarage in Magden AG, wo bei einem Einbruch 5381 Franken Bargeld und ein paar Handschuhe abhanden gekommen waren. Der Angeklagte redete sich damit heraus, dass er diese Gegenstände im Opel des Bekannten von den Sitzen geräumt habe, als sie zum Kaffeetrinken gefahren seien. Nicht abstreiten konnte er seine Vorstrafen: fünf in Deutschland aus den Neunzigerjahren und drei in der Schweiz.

Dem Wirtepaar des Meilemer Restaurants Burg war das Erlebnis im Dezember 2008 so kurios erschienen, dass es eine kurze Pressemitteilung verfasste: Unbekannte Täter hätten den Tresor im Restaurant abmontiert und «in mühevoller Arbeit die steile Treppe hinunter gehievt». Beim ersten Versuch hatten die Täter festgestellt, dass der Tresor nicht in ihr Auto passen würde. Eine Nacht später fuhren sie dann mit einem Lieferwagen vor.

Der Kassenschrank hatte allerdings schon lange nicht mehr als sicherer Hort von Bargeld gedient, sondern nur noch acht Lübecker Marzipanstangen enthalten. Die Wirtin, die Marzipan über alles liebt, hatte sie dort versorgt, um sie vor dem Zugriff anderer Süssigkeitenfreunde zu schützen. Mit der Zeit vergass sie aber den Zahlencode und schliesslich sogar den ganzen Safe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2008, 23:49 Uhr

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Werbung

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...