Abfallsünder sollen bald gefilmt werden

An öffentlichen Sammelstellen im Bezirk türmt sich oft illegal entsorgter Müll. Meilen und Männedorf prüfen nun die Installation von Videokameras, um Abfallsünder fernzuhalten.

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In vielen Gemeinden an der Goldküste deponieren die Leute ihren Abfall illegal vor den Sammelstellen. Die Gemeinde Zumikon will deswegen im nächsten Jahr eine unbediente Abfallsammelstelle aufheben und dafür eine bediente länger geöffnet lassen, wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete. Zumikon ist kein Einzelfall.

Es gibt nichts, was der Herrliberger Rentner Mario-Athos Lura auf seiner täglichen Tour zu den Abfallsammelstellen im Dorf nicht schon wegräumen musste. So etwa einen Rasenmäher samt Restbenzin, der wohl partout nicht durch die Einwurf-Öffnung des Alucontainers zu bekommen war. Doch auch Velos, Küchengeräte, Nähmaschinen, Fernseher und sogar eine Hollywoodschaukel, die Abfallsünder liegen liessen, musste Lura entsorgen.

Im Auftrag der Gemeinde befreit der pensionierte Maschineningenieur seit drei Jahren die Herrliberger Sammelstellen von illegal deponiertem Unrat. Angestellte der Gemeinde kontrollieren diese zwar an drei Tagen pro Woche, doch das reicht nicht. Lura ist an 365 Tagen im Jahr unterwegs und stösst jeden Morgen auf neuen Abfall bei den Containern. Vor allem nachts und an Wochenenden würden auch grosse Gegenstände abgeladen. Oft seien sich die Leute keiner Schuld bewusst. Als Lura etwa eine Abfallsünderin stellte, die sackweise leere Pet-Flaschen liegen liess, sagte diese bloss: Sie habe das schon immer so gemacht - und brauste davon.

In Herrliberg setzt man schon seit etwa 10 Jahren auf Senioren, die bei der Entsorgung helfen. «Der illegal deponierte Abfall ist ein Thema», sagt Gemeindeschreiber Pius Rüdisüli. Man habe bereits die Installation von Videokameras geprüft, sei aber davon abgekommen. «Die Leute wollen nicht überall überwacht werden.»

Meilen setzt auf Überwachung

In Meilen tönt es anders: An der Sammelstelle an der Bünishoferstrasse beim Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen türme sich regelmässig liegengelassener Abfall. «Die Installation einer Überwachungskamera ist geplant», sagt Heinrich Dimmler, der auf der Gemeinde für Abfallfragen verantwortlich ist. «Die Sammelstelle ist ein Meilemer Sorgenkind.» Denn am Bahnhof entledigen sich viele auswärtige Leute ihres Mülls. Ein Schild soll aber auf die Kamera hinweisen: «Sonst wirkt das ja wie bei Big Brother.» Schliessen will er die Stelle nicht, nachdem vor einiger Zeit bereits die Sammelstelle an der Dollikerstrasse wegen Littering aufgehoben werden musste.

Die Gemeinde Meilen kämpfte noch bis vor drei Jahren gegen Abfallberge hinter den grossen Altglasmulden: bis zu 16 Tonnen illegal entsorgter Müll musste sie alljährlich von den Sammelstellen abtransportieren lassen. Dann rüstete man an sechs Orten auf neue, im Boden eingelassene Behälter um. Seither habe sich die Menge des deponierten Unrats halbiert, sagt Dimmler. «Die neuen Sammelstellen sind gut einsehbar und wirken aufgeräumt. Das hemmt die Leute, ihren Müll stehen zu lassen.»

Über den Einsatz von Videokameras an den Sammelstellen denkt man auch in Männedorf nach. Hinderlich sei einzig der hohe Preis solcher Anlagen, sagt Gemeindeschreiber Johannes Friess. In Männedorf habe man weniger Probleme mit Littering, dafür aber auffällig viele Lärmklagen festgestellt: Denn auch über Nacht und an Sonntagen werfen die Leute Flaschen und Dosen mit Getöse in die Container. Die darauf alarmierte Polizei traf immer erst ein, als die Täter bereits verschwunden waren. Deshalb blieb ein Kontrolleur vor einiger Zeit die ganze Nacht bei einer Sammelstelle sitzen, um die nächtlichen Entsorger zur Rede zu stellen.

Männedorf hat ein Sorgenkind

Das Sorgenkind der Sammelstellen in Männedorf befindet sich an der Dammstrasse: «Die Container sind zentral gelegen, in der Nähe von Coop und Seestrasse. Deshalb sind sie auch schnell voll», sagt Gesundheitssekretär Rolf Baumann.

In Erlenbach hat der Strassendienst an der Altglassammelstelle beim Bahnhof viel zu tun mit illegal entsorgtem Abfall. «Das ist zeitaufwändig und mühsam», sagt Gemeindeschreiber Hans Wyler. Auch anderswo in der Gemeinde werde Müll illegal deponiert - ein Kubikmeter täglich -, was den Steuerzahler rund 100 000 Franken pro Jahr koste. Künftig werde dieser Posten mit der Abfall-Grundgebühr gedeckt. Wie man dem Problem Herr werden soll, steht noch nicht fest.

Einzig in Stäfa besteht laut Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger kein Handlungsbedarf. Es gebe zwar auch Littering, die Situation sei aber nicht problematisch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2008, 07:43 Uhr

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