Adliswil liegt Familiengärtnern zu Füssen

An einer der schönsten Ecken von Adliswil, am Kopfholzhang, begann vor 30 Jahren die Geschichte des Familiengartenvereins. Das soll am Samstag ausgiebig gefeiert werden.

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Den Familiengärtnern im Kopfholz liegt die Stadt Adliswil zu Füssen. Der voll besonnte Hang bietet freien Blick auf das Sihltal. Und bei schönem Wetter kann man über den Salatblättern und zwischen den Sonnenblumen sogar die Flugzeuge auf dem Flughafen Kloten beim Starten und Landen beobachten. «Wir sind da privilegiert - die Aussicht ist einmalig», schwärmt Fredi Benker, der den Familiengartenverein Kopfholz seit 2004 präsidiert. Er gehört zu den 19 Pächtern, die von Anfang an dabei sind.

Seit vielen Wochen beschäftigen sich Benker und die übrigen Vorstandsmitglieder mit den Vorbereitungen für den Tag der offenen Gartentür. Am Samstag soll das 30-Jahr-Jubiläum gefeiert werden. Prominente Gäste haben ihr Kommen zugesagt: unter ihnen Regierungsrat Thomas Heiniger sowie eine Delegation des Adliswiler Stadtrats.

Nicht nur im Kopfholz - auch in den zwei später gegründeten Sektionen wird gefeiert: Im Oktober 1980 wurde die Sektion Vögeli mit 58 Parzellen auf einem Areal entlang der Albisstrasse beim Wildpark Langenberg ins Leben gerufen. 1990 kam Chalberweid mit 35 Gärten unterhalb des Schützenhauses dazu. Im letzteren Gelände gilt die Pflicht, biologisch zu gärtnern, und dort residieren auch die Adliswiler Kleintierzüchter.

An allen drei Standorten wird aber nicht nur in den Festwirtschaften jubiliert, sondern auch Werbung für die Freizeitbeschäftigung Garten gemacht. So gibts im Vögeli einen Gartenlehrpfad, in der Chalberweid kann man lernen, wie man Pflanzen setzt, sowie Kaninchen und Geflügel studieren. Im Kopfholz wird eine Ausstellung über die Geschichte des Vereins gezeigt. Und die begann ordentlich turbulent und entwickelte sich zu einem Politikum ersten Ranges.

Uneinigkeit und rote Köpfe

An seiner Sitzung vom 19. Juli 1977 beschloss der Stadtrat, die Verwirklichung des Familiengartenkonzeptes voranzutreiben. Von vier möglichen Standorten sei das Gebiet Kopfholz zu bevorzugen. Der Stadtrat gab einer gemeinderätlichen Spezialkommission den Auftrag, nach geeigneten Pflanzplätzen zu suchen, und sprach für die Realisierung einen Kredit von 90'000 Franken. Der Bedarf an solchen Plätzen war vorgängig durch eine Umfrage der Lokalzeitung «Sihltaler» nachgewiesen worden. 183 Bewerber hatten ihr Interesse angemeldet, einem Familiengartenverein beizutreten.

Bald war man sich in der beratenden Kommission uneinig über den Standort Kopfholz. Zu steil sei das Gelände, und der Boden sei zu lehmig und fürs Gärtnern ungeeignet. Die Zeit drängte, denn der Stadtrat wollte den Herbst 1977 für die Vorbereitungen unbedingt nutzen. Es gab immer mehr rote Köpfe. Vor allem der damalige Gemeinderat Robert Seleger legte sich gegen den vorgesehenen Standort am Südende des Hanges ins Zeug. Und er wettete sogar, seine Firma würde an einem anderen Standort das Gelände für 60'000 Franken vorbereiten. Es gab Gutachten und Gegengutachten. In der Kommission setzte sich die Seleger-Gruppe durch, und man beschloss mit 6 zu 1 Stimmen, am Nordende des Hangs 22 Parzellen anzulegen.

Der Stadtrat akzeptierte das Verdikt der Kommission nicht. Die Begründung: 22 Parzellen würde ja nur für wenig mehr als den Vorstand ausreichen, und 183 Interessenten hatten sich ja gemeldet. Und so kamen die Gärten dort zu liegen, wo sie jetzt sind. Noch lange waren die Kommissionsmitglieder beleidigt. Sie klagten, sie seien übergangen worden. In einer Interpellation wurde der Stadtrat aufgefordert, seinen Entscheid zu begründen. Das tat er auch - überzeugend. Aber es gibt Leute, die noch heute nur schwer auf das Thema anzusprechen sind.

Der Weg zum besseren Humus

Was die Bodenqualität betrifft, hat sich die kritische Haltung von Seleger als teilweise begründet erwiesen. Stellenweise war die Humusschicht dünn, Berge von Steinen mussten entfernt werden. Mit Pioniergeist packten die Pächter die Sache an. Der Boden ist jetzt fruchtbar und sehr ertragreich. Stand anfänglich der Gemüseertrag im Vordergrund, ist der Garten heute für die meisten ein Ort, wo man die Freizeit verbringt. Da wird an einem Samstag vielleicht der Blumenkohl gegossen, sonst lehnt man sich zurück und geniesst einen Schwatz mit dem Gartennachbarn.

Die Wartelisten für einen Gartenplatz an der Sonne sind nicht so lang wie auch schon. «Wir haben im Moment nur wenige Leute auf der Liste», sagt Fredi Benker. Er hofft nun, durch den Tag der offenen Gartentür weitere Interessenten zu gewinnen. «Wir könnten vor allem junge Leute brauchen», sagt er, «viele Pächter setzen jetzt Jahrringe an.»

In einem Familiengarten fällt das sonst im Alltag funktionierende soziale Gefüge in sich zusammen. Einem Gärtner sieht man nicht an, ob er Bankdirektor, Buchhalter oder SBB-Angestellter ist. Ein Tipp, wie man am besten mit der Maulwurfsgrille umgeht, hat grössere Bedeutung als eine berufliche Karriere. Und so ergeben sich Kontakte, die sonst kaum entstehen würden. Vielleicht ist darin der Grund dafür zu suchen, dass Gärtner meistens umgänglicher sind als andere Menschen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.08.2008, 07:36 Uhr

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