Alkohol-Lockvögel dürfen weiter wirken

Unter 16-Jährige können noch immer problemlos Alkohol kaufen. Dank jugendlicher Lockvögel jedoch immer seltener. Rechtlich bleiben die Testkäufe umstritten.

Stopp, bei mir nicht: In diesem Tankstellenshop hat der minderjährige Testkäufer keine Chance, an sein heissbegehrtes Bierchen zu kommen.

Stopp, bei mir nicht: In diesem Tankstellenshop hat der minderjährige Testkäufer keine Chance, an sein heissbegehrtes Bierchen zu kommen. Bild: Bruno Schlatter

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Einige Jugendliche betreten eine Tankstelle, mit der Absicht, Alkohol zu kaufen. Sie sind alle noch keine 16 Jahre alt. Trotzdem bekommen sie wie gewünscht ihre Bierdosen. Allerdings wissen die Verkäufer jeweils nicht, dass diese Teenager als Testkäufer im Auftrag ihrer Gemeinde unterwegs sind. Ihr Auftrag ist es, Händler, die sich nicht ans Gesetz halten, aufzuspüren.

Dies ist kein seltenes Szenario. Im Bezirk Meilen hatten noch im Jahre 2005 von 21 getesteten Betrieben deren neun Alkohol verbotenerweise an unter 16-Jährige verkauft. 2007 war es hingegen nur noch einer von 24 Betrieben, wie Enrico Zoppelli von der Suchtpräventionsstelle Samowar sagt. Diese Abnahme ist nicht zuletzt auf Testkäufe sogenannter Alkohol–Lockvögel zurückzuführen. Solche Testkäufe werden seit längerer Zeit durchgeführt und galten bisher als unbestritten und sinnvoll. Allerdings bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone.

Behörden wollen Praxis beibehalten

Vor zwei Tagen hat der Regierungsrat die Antwort auf eine Anfrage des Männedörfler CVP-Kantonsrates Lorenz Schmid veröffentlicht. Daraus ist klar ersichtlich, dass zukünftig allein die Gemeinden darüber entscheiden sollen, ob sie weiterhin solche Testkäufe durchführen und dabei fehlbare Betriebe büssen wollen.

Die Stellungnahmen einiger Gemeindeschreiber aus dem Bezirk Meilen decken sich: Für alle Befragten steht fest, dass sie grundsätzlich weiterhin mit Testkäufern arbeiten wollen. «Ohne eine klare Gesetzesgrundlage werden wir in unserer Gemeinde weiterhin Alkohol-Lockvögel einsetzen», sagt der Meilemer Gemeindeschreiber Didier Mayenzet.

Peter Wettstein, Gemeindeschreiber von Küsnacht, doppelt nach: «Sowohl die Gemeindebehörden wie auch der Bezirksstatthalter erachten die Testkäufe als wichtig und äusserst sinnvoll.» Tatsächlich werde im Vergleich zu früher weniger Alkohol ohne eine gezielte Ausweiskontrolle verkauft. Es gebe für sie also absolut keinen Grund, ihre bisherige Praxis zu ändern.

Dieselbe Meinung vertreten die beiden Gemeinden Oetwil und Hombrechtikon. Warum etwas ändern, was sich bis anhin positiv auswirkt habe und auch rechtlich unbedenklich sei, fragen sich Gemeindeschreiberin Barbara Kastenholz aus Oetwil und Jürgen Sulger aus Hombrechtikon. Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch bläst ins gleiche Horn. Die Jugendlichen seien keine Agents provocateurs, die Verkaufspersonen zu Gesetzesübertretungen anstiften würden, sondern im Sinne des Gesetzes lediglich Scheinkäufer. Und somit rechtlich betrachtet unbedenklich.

Aktives Denunziantentum

Der Meilemer Bezirksstatthalter Ueli Hofmann wollte sich gestern dazu auf Anfrage nicht äussern. Zu einem früheren Zeitpunkt sagte er gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Nicht alle Statthalter teilen Daniel Jositschs Meinung, dass die Alkoholtestkäufe rechtlich unproblematisch sind.» Er halte es ausserdem für höchst bedenklich, wenn Jugendliche auf diese Weise zu aktivem Verführen Dritter und Denunziantentum erzogen würden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2008, 20:52 Uhr

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