Als Feuerwehrmaid an der Chilbi

Keine Chilbi ohne freiwillige Helfer: Eine TA-Redaktorin stürzte sich für die Feuerwehr Erlenbach ins Getümmel. Und stellte beim Bier-Servieren einen Rekord im Kopfrechnen auf.

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Wenn der Kick weg ist, werden die Beine müde. Das heisst so viel wie: im Trainer vor dem Fernseher zu sitzen und sich nicht und nie mehr bewegen zu können. Und dabei schon zu erahnen, wo der Muskelkater am nächsten Tag die Krallen ausfährt.

Vier Stunden, von 14 bis 18 Uhr, war ich am Samstagnachmittag in der Füürwehr-Beiz der Chilbi an der Erlenbacher Schifflände gestanden. Zusammen mit sechs anderen: einer weiteren Frau im Service, einem Paar hinter dem Buffet, zwei Männern in der Küche und einem Tellerwäscher. Bis auf die Herren in der Küche trugen wir alle das hellblau-graue Feuerwehrhemd, auf dessen linkem Oberarm das Emblem der Feuerwehr Erlenbach prangt.

«Ab halb fünf beginnt der Trubel»

Der Einsatz begann auf Sparflamme: Teenager zogen an uns vorbei in Richtung See, zur «Chaos»-Bahn. Später hörte man sie kreischen, als sie von einer krakenähnlichen Kaffeetasse durch die Luft gewirbelt wurden. Und noch später zogen die gleichen Teenager mehr oder weniger bleich wieder zur Seestrasse hinauf, wo sie links zu den Autoscootern abbogen, der idealen Plattform für fröhliches, unbefangenes Anbändeln.

Die Eltern der Teenager, die sich vielleicht in die Füürwehr-Beiz gewagt hätten, waren noch nirgends zu sehen. «Pass auf», sagte mein Gschpänli im Service, bis um halb fünf ist Ruhe. Dann geht der Trubel los.» Die Ruhe war mir aber recht. So konnte ich wieder einmal einfache Rechnungen üben: Wenn die Rechnung 33 Franken beträgt und ich eine Fünfzigernote in der Hand habe, was bekommt der Gast dann zurück? Resultat: 17 Franken. Auch das ist eine Kopfrechnung: Im Idealfall bekommt der Gast eine Zehnernote, einen Fünfliber und einen Zweifränkler zurück (das ist die Version ohne Trinkgeld).

Das Angebot war altbekannt: Salsiz-Käse-Teller, Fleischkäse warm oder kalt, Steak oder Hamburger mit und ohne Salat und Pommes. Zum Trinken wurden Bier, Wein und die üblichen Mineralwasser-Verdächtigen wie Cola, Sinalco, Rivella oder auch mal ein Füürwehr-Kafi ausgeschenkt. Sieger über alle: das Bier, Eichhof aus dem Fass, für 4 Franken der Humpen. Beim Essen siegte der Hamburger, dicht gefolgt von – wie könnte es anders sein – den knusprigen, gar nicht fettigen Pommes frites.

Im Festzelt braucht es gute Nerven

Auch das Wetter spielte halbwegs mit. Die Sonne verschwand zwar schnell, dafür war die Temperatur im Zelt erträglich. Dies hatte wiederum den Nachteil, dass weniger Bier ausgeschenkt wurde. Und vielleicht hätte es bei Regen schon am Nachmittag mehr Gäste auf der Flucht vor der Nässe – die erst nach meiner Schicht kam – gehabt.

Die Gäste kamen natürlich trotzdem. Je später am Nachmittag, desto zahlreicher, ganz wie mein Servier-Gschpänli prophezeit hatte. Immer mehr Bier musste gezapft, immer mehr aufgeschrieben und immer mehr gerechnet werden – trotz nicht vorhandenen Mathe-Gens. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich froh, dass ich vorher noch Zeit zum Üben gehabt hatte.

Zählen könnte ich auch die Kalorien, die ich bei diesem Einsatz verbrannt habe. Und die Nerven, die ich im Füürwehr-Zelt benötigte. Denn der wirkliche Stress ging erst nach 18 Uhr los: Als der Regen kam und die Leute ins Zelt flüchteten. Dann sassen der Tellerwäscher und ich mit unseren Familien an einem Tisch und assen, was wir vorher verkauft und herumgeschleppt hatten. Als die Crazy Chicks and the Ravers um 21.30 Uhr aufspielten, hatte ich meine Uniform bereits gegen den Trainer getauscht. Der Muskelkater war dann aber weniger schlimm als befürchtet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 07:38 Uhr

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