Altersheim Abegg-Huus schlittert ins Defizit

Das Alters- und Pflegeheim Abegg-Huus in Rüschlikon wird dieses Jahr erstmals mit einem Defizit abschliessen. Grund dafür: ein neues Konzept.

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Vor drei Jahren hat der Stiftungsrat das neue Konzept beschlossen: Das Abegg-Huus sollte nicht mehr nur Altersheim sein, sondern auch Pflegeheim. Damit kommt er einem Wunsch vieler Bewohner nach: Sie möchten nicht in ein Altersheim eintreten und später, wenn sie zu einem Pflegefall werden, das Haus und möglicherweise die Gemeinde verlassen. Denn in Rüschlikon gab es für pflegebedürftige Menschen bis zu diesem Zeitpunkt einzig die Diakonie Nidelbad mit christlichem Hintergrund.

Defizit von 500'000 Franken

Der Konzept-Wechsel im Abegg-Huus hat finanzielle Auswirkungen: Zum ersten Mal in seiner 30-jährigen Geschichte arbeitet das Alters- und Pflegeheim nicht kostendeckend. Das Defizit von 500'000 Franken müssen die Gemeinde und die reformierte Kirche übernehmen: zu fünf Siebteln die Gemeinde, zu zwei Siebteln die Kirche. Laut Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP) hat der Gemeinderat die Situation an der letzten Sitzung besprochen. «Für uns ist klar: Die Betreuung der betagten Menschen ist Aufgabe der politischen Gemeinde.»

Auch in Zukunft muss Rüschlikon Beiträge an das Abegg-Huus entrichten. Das Budget 2009 sieht dafür einen Betrag von 150'000 Franken vor. Ab 2010 rechnet die Gemeinde mit einem Beitrag von 300'000 Franken jährlich. «Wir möchten aber weg- kommen von einer Defizitdeckung im Nachhinein und streben mit dem Abegg-Huus und dem Nidelbad einen Leistungsauftrag an.» Zu erwarten sind Änderungen im Stiftungsrat: Laut Elsener soll dieser im Einverständnis mit Stiftungsratspräsident Simon Egli professionalisiert werden. Zudem zeichnet sich ab, dass sich die reformierte Kirchgemeinde daraus zurückzieht.

Ursprünglich als reines Altersheim mit 40 Einzelzimmern gebaut, wurden im Abegg-Huus 1996 sechs Zimmer zu einer Wohngruppe für demenzkranke Menschen umfunktioniert. Seit der Erweiterung zum Alters- und Pflegeheim benötigen rund die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner Pflegeleistungen, sagt Toni Egli. Er leitet das Heim seit einem halben Jahr, zuvor war er 18 Jahre lang Leiter der Pflegeschule Sanitas in Zürich.

Immer öfter brauchen Menschen, die ins Abegg-Huus eintreten, Pflegeleistungen. Sie sind so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden geblieben und wurden von der Spitex betreut. Sie verlassen das traute Heim, wenn sie nicht mehr ohne weitere Pflege leben können. «Reine Altersheime gibt es heute kaum mehr», sagt Egli.

«Wahrscheinlich hat man vor drei Jahren zu wenig bedacht, wie personalintensiv der Aufwand für die Pflege wird», sagt Egli. Der Personalbestand in diesem Bereich ist etwa um 40 Prozent auf 17 Vollzeitstellen angewachsen. Denn in einem Pflegeheim muss rund um die Uhr ausgebildetes Pflegepersonal bereit sein. Da das Abegg-Huus als Altersheim erbaut wurde, sind die Abläufe heute nicht ideal. So ist das Stationszimmer im ersten Stock, das Badezimmer für die Pflegebedürftigen aber im zweiten. Die Wege für das Personal sind damit weit.

40 Franken pro Tag fehlen

Die Miete für das Einzelzimmer im Abegg-Huus beträgt 120 Franken pro Tag. Darin enthalten sind auch die Mahlzeiten und Dienstleistungen wie die Zimmerreinigung. Für die Pflege muss ein Bewohner je nach Aufwand bis zu 138 Franken bezahlen. Falls die Bewohner dies nicht selber bezahlen können, übernimmt der Bund mit seinen Ergänzungsleistungen diesen Betrag. Ein Pflegebeitrag von maximal 82 Franken bezahlen zudem die Krankenkassen. Laut Heimleiter Toni Egli fehlen dem Heim rund 40 Franken pro Tag und Person. Diesen Fehlbetrag muss die Gemeinde aufbringen. «Der Beitrag, den die Bewohner selber leisten müssen, liegt heute rund 10 Prozent tiefer als in den umliegenden Gemeinden», sagt Egli. Er wird angepasst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2008, 22:01 Uhr

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