Am Ende nehmen alle kleinen Kicker eine Auszeichnung nach Hause

Nach Wädenswil gibts nun auch in Richterswil ein Fussballcamp während der Ferien. Auf das erste Lager gabs einen Ansturm.

Im Richterswiler Fussballcamp gibts Pokale für Penaltykiller und Dribblingkünstler.

Patrick Gutenberg

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Kein Zweifel, die acht Trainer und der Präsident des Schweizer Streetsoccer-Verbands haben ein Flair für pathetische Auftritte. «Sind alle da? Guten Morgen!», spricht René Fiechter, Präsident des Streetsoccer-Verbands, in sein Mikrofon. Aus zwei grosse Standboxen dröhnt seine Stimme derart laut, dass sie über den ganzen Richterswiler Sportplatz Chalchbüel echot, während im Hintergrund eine Art musikalische Mischung aus Nationalhymne und Marschmusik läuft.

Die 80 Jungen und 10 Mädchen, in quadratischer Formation und ziemlich militärischer Weise aufgereiht, erwidern den strengen morgendlichen Appell nur matt. Das Aufwärmen beginnt. Einige Eltern umrunden mit Digitalkameras ihre Sprösslinge, denen anzusehen ist, dass sie statt dieses Kollektiv-Aufwärmens lieber gleich in den Parcours starten würden. «Können wir nicht einfach anfangen?», tönt es verhalten aus den hinteren Reihen der roten Trikotmenge.

Nach den erfolgreichen Streetsoccer-Lagern in Wädenswil, Siebnen und Zürich, hat sich der FC Richterswil dieses Jahr erstmals starkgemacht für die Durchführung eines solchen Lagers im eigenen Dorf. Der J&S-Coach des FCR, Schösche Cuadra, sagt: «Viele aus unserem Nachwuchs wollten bisher an den Lagern teilnehmen. In den umliegenden Gemeinden waren diese aber stets bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Anfragen bei uns haben mich dann auch ziemlich überwältigt.»

Eine Tonne Material

Fast 100 Kinder aus Richterswil und Umgebung, bis hinunter nach Oberrieden, meldeten sich für das Camp. Für die Teilnahme am 5-tägigen Kurs verlangt der Streetsoccer-Verband 270 Franken. Dafür erhalten die Kinder ein komplettes Trikot, einen Fussball und freie Verpflegung. Ausserdem stellt der Verband das Trainingsmaterial: Plastikhütchen, Reifen, Bälle, Goals, Hürden und andere Hindernisse. Alles in allem ist es gut eine Tonne Material, das auf dem Sportplatz Chalchbüel aufgestellt wurde.

Nach dem etwas öden Aufwärmen geht das Fussballcamp dann so vonstatten, wie sich die Kids das wünschen: Der gesamte Fussballplatz wurde mit Plastikbändern in verschiedene Quadrate unterteilt. In jedem kleinen Feld wartet ein neuer interessanter Posten auf die Kids. «Im Polysportiv-Feld geht es darum, auf spielerische Weise zu lernen, sich freizustellen auf dem Feld», erklärt Junioren-D-Trainer Sandro Parella. Etwa 12 Kids spielen in seinem Feld mit einem Tennisball eine Art Rugby ohne Körperberührung, bei dem man den Ball mittels vieler Pässe in der eigenen Mannschaft in einen Ring befördern muss.

Gleich ein Feld weiter versenkt ein Richterswiler Junior unterdessen zielsicher eine Flanke von einem Kollegen im Spezial-Tor: Dieses ist mit einer grossen Plane verdeckt, bis auf vier an verschiedenen Stellen platzierten Löchern in der Mitte und im Lattenkreuz. Eine ziemlich knifflige Zielübung!

Dribbeln und abdrücken

Auch in den anderen Feldern wird gedribbelt, gespielt und gezielt. Die fast 100 Kinder machen einen ordentlichen Radau, feuern einander an, warnen vor Gegenspielern und sind mit viel Einsatz bei der Sache, sodass die Bälle wie Flöhe auf dem Spielfeld herumhüpfen.

Am Ende des Tages werden jeweils die Sieger der verschiedenen Disziplinen gekürt. Für jeden Posten des Parcours können die Kinder ein Diplom erwerben: etwa den «Torschützenkönig», den «Penaltykiller» oder den «Dribblingkünstler». Ziel ist es, dass jedes Kind am Ende das Lager motiviert und mit mehreren Urkunden und vielleicht gar mit einem Pokal verlässt. Die Siegerehrung am Abend wird jeweils natürlich auch feierlich begangen. Hier ist den Kids etwas Pathos dann aber gerade recht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2008, 22:03 Uhr

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