Bäckerei Hofmann verschwindet vom Markt

Seit 84 Jahren bäckt die Familie Hofmann in Kloten ihre Brote. Ende Monat ziehen sich die Besitzer aus dem Geschäft zurück. Alles ist geregelt - ausser der Zukunft der Klotener Filiale.

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Die Bäckerdynastie Hofmann mit Sitz in Kloten steht vor dem Ende. Ab dem 1. September geht der Hauptteil des Betriebs an die Stadtzürcher Buchmann Bäckerei über. Diese übernimmt auch die neuste Filiale der Unterländer im Zürcher Seefeldquartier in unmittelbarer Nähe des Opernhauses.

Die restlichen Filialen werden von regionalen Bäckereien übernommen. So wird aus der Verkaufsstelle in Winkel eine Filiale der Embracher Bäckerei Genter, und die Verkaufsstelle in Bassersdorf wird von der bekannten Brüttener Bäckerei Bosshard weiterbetrieben. Einzig die Filiale in Kloten hat noch keinen neuen Besitzer. «Wir sind in Verhandlungen mit einem Bäcker aus der Region», gibt sich der Geschäftsführer zuversichtlich. Eigentlich war die Filiale zwischen ZKB und Post Kloten schon in einem Paket zum Verkauf vorgesehen gewesen. Aber der Interessent habe sich kurzfristig zurückgezogen, sagt Hansjörg Hofmann. Der 47-jährige führt den Backwarenbetrieb zusammen mit seiner 49-jährigen Schwester.

Keine Nachkommen vorhanden

Insgesamt arbeiten sechs Angestellte in der Klotener Bäckerei-Filiale. Sie zeigen sich nicht besonders besorgt über die ungewisse Zukunft ihres Arbeitsplatzes. Man rechnet damit, dass es auch hier bald einen neuen Besitzer und Chef geben wird.

«Wir verkaufen unseren Bäckereibetrieb aus einer Position der Stärke, nicht etwa weil wir wirtschaftlich dazu gezwungen wären», sagt Hofmann.

Mit den zuletzt vier Verkaufsstellen und den Grossabnehmern, die man von der Klotener Steinackerstrasse aus mit frischem Gebäck, Patisserie und Traiteurwaren beliefert hatte, erwirtschaftete Hofmann geschätzte 6 Millionen Franken Umsatz. Der Geschäftsführer aus der vierten Generation erklärt allerdings, dass sein Betrieb eine Zwischengrösse erreicht habe, die es schwer mache, wie bisher weiter zu bestehen. «Es ist für uns sehr schwierig geworden, ein Wachstum zu generieren. Der Markt hat sich in den letzten Jahren extrem gewandelt.» Aber genau dieses Wachstum wäre nötig, um langfristig weiterbestehen zu können.

Hinzu kommen verschiedene Umstände, welche die Hofmanns zum jetzigen Schritt bewegten. Der Preisdruck durch die immer internationaler ausgerichtete Industrialisierung der Branche werde immer grösser, der Markt verändere sich immer rasanter, neue Zweige mit Bahnhofsläden und Tankstellenshops entstünden. Obendrauf kommt in diesem Fall noch die Situation mit den fehlenden Nachkommen.

Im Dolder wie auch in Spitälern

Die Emotionen seien längst der Vernunft gewichen, beteuert der Geschäftsführer. Er habe selber am meisten Mühe gehabt, sich mit dem Verkauf seines Familienbetriebs anzufreunden. Dass der Name Hofmann verschwinde, bedaure er schon. Aber die neuen Besitzer seien ja auch traditionsreiche Unternehmen mit bekannten Namen. Der letzte Geschäftsführer, Hansjörg Hofmann, ist studierter Jurist. Nach eigenen Angaben wurde er 1993 ins Bäckereiumfeld geworfen, nachdem er das zunächst nicht geplant hatte. Jetzt brauche er Abstand, um sich neu orientieren zu können. «Ich weiss noch nicht, was ich nachher mache.»

Sein Urgrossvater Hans-Ulrich hatte 1887 in Winterthur das Backwarenunternehmen Hofmann gegründet. Heute arbeiten im Betrieb 80 Angestellte, die alle weiter beschäftigt werden. Zu den Grossabnehmern von Hofmanns Brötchen und Süssigkeiten zählen das Dolder Grand Hotel und drei Zürcher Kantonsspitäler. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2008, 07:25 Uhr

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