Bahnromantik und Betonbauten auf der Spur

In Thalwil ist am Samstag die Sonderausstellung «Alles für die Bahn!» eröffnet worden. Sie lädt zur Zeitreise durch die Bahnromantik und zu kantigen Betonbauten der SBB.

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500 Züge passieren täglich den Bahnhof Thalwil, und 360 davon machen dort, unweit vom Hochgeschwindigkeitstunnel ThalwilWiedikon, auch Halt. Als Verkehrsknotenpunkt an der Verzweigung Richtung Gotthard und Bündnerland gelegen, gilt Thalwil als wichtige Verkehrsdrehscheibe im nationalen Schienennetz.

Jetzt hat das Eisenbahndorf dem Faszinosum Bahn die Sonderausstellung «Alles für die Bahn!» im Ortsmuseum im Pfisterhus gewidmet. Die von Kuratorin Christina Enderli zusammen mit Robert Bürgi und Erika Wartmann konzipierte Bahnschau lädt ein zur vergnüglichen Zeitreise. Und blendet auf historischen Schwarzweissfotos aus dem Fundus des früheren Dorfchronisten Hans-Jakob Zwicky bis in die Anfangszeiten der linksufrigen Bahn zurück. In längst vergangenen Tagen, als noch «Manne mit Schnäuz» mit schwarzer Uniform und steifem Schirmhut am alten, 1875 eröffneten Bahnhof «Thalweil» im Einsatz standen und qualmende Dampfrösser durch das Dorfbild schnaubten.

Präsentiert werden auch Dokumente vom Bau der 1875 eröffneten Seelinie, die teilweise die Unterschrift des Bahnpioniers Alfred Escher tragen. Und massstabsgetreue Modelleisenbahnen aus der Sammlung von Rudolf Reichmann, Fällanden, sowie modellierte Eisenbahnlandschaften des Modelleisenbahnclubs des Bezirks Horgen lassen die Herzen echter Eisenbahnfreunde höher schlagen.

Pläne vom «Corbusier der SBB»

Für Spannung sorgt die Sonderausstellung nicht zuletzt deshalb, weil sie sich auch als Umsteigebahnhof in eine noch ganz andere Bahnwelt präsentiert. In einem separaten Raum können die Museumsbesucher einen thematischen Spurwechsel vornehmen. Ins Reich der Betonkuben des früheren SBB-Architekten Max Vogt (83), der die Vernissage am Samstag auch mit seiner persönlichen Anwesenheit beehrte.

Gezeigt werden eine ganze Reihe von Originalskizzen, Studien und Projektentwürfe, die Vogts einstiger Mitarbeiter, der Thalwiler Architekt Elmar Spengler, vor dem Papierkorb gerettet hat. Der Bau des markanten Stellwerks im Hauptbahnhof und von über 200 Bahnhöfen – darunter auch das 1961 erstellte Stationsgebäude in Thalwil – haben Vogt zu nationaler Bekanntheit verholfen. Wohlproportionierte, kantige Zweckbauten aus blankem Sichtbeton waren dabei stets sein Markenzeichen. Mal wurde Vogt als «Corbusier der SBB» gelobt, mal als architektonischer «Brutalist» verschrien.

«Freude am Bahnhof Thalwil»

«Ich habe die negative Kritik damals ganz einfach überhört», sagte der 83-jährige Vernissage-Gast Max Vogt dazu schmunzelnd im Gespräch mit dem TA. Und betonte, dass er an seinem Werk in Thalwil noch immer Freude habe, «auch wenn die späteren Veränderungen am Bahnhofsgebäude nicht immer mit der notwendigen Sensibilität» vorgenommen worden seien.

Dem Schaffen von SBB-Architekt Vogt zwischen 1957 und 1989 ist auch das kürzlich von den SBB und der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte herausgegebene Buch «Bauen für die Bahn» gewidmet. Es gab den Anstoss für die Sonderausstellung in Thalwil, wie Kuratorin Christina Enderli an der Vernissage betonte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2008, 19:11 Uhr

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