Beim Thalwiler Kirchenkauf kommt die Opposition von rechts

Der Gemeinderat will die frühere evangelisch-methodistische Kirche für 2,3 Millionen Franken kaufen. Die grossen Parteien sagen Ja – mit Ausnahme der SVP, die Morgenluft wittert.

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Das Angebot kam von der evangelisch-methodistischen Kirche – und der Gemeinderat sagte freudig Ja. 2,3 Millionen Franken für die ehemalige evangelisch-methodistische Kirche an der Feldstrasse 5, zentral gelegen und mit Umschwung, schienen der Behörde ein angemessener Preis. Das fand auch der Hauseigentümerverband Zürich, der die Summe für das 939 Quadratmeter grosse Grundstück für vertretbar erklärte. Am 28. September nun können die Stimmbürger an der Urne über den Liegenschaftendeal entscheiden.

Konnten die Thalwiler Behörden anfänglich davon ausgehen, dass der Kauf problemlos über die Bühne geht, müssen sie sich nun auf Opposition gefasst machen. Die SVP hat nämlich die Nein-Parole beschlossen, wie Ortssektionspräsident Kurt Wälti sagt. «Und zwar deutlich», betont er. Neinsager gibts auch bei der FDP. Die Mehrheit der Freisinnigen hat am Donnerstagabend aber entschieden, den Thalwilerinnen und Thalwilern ein Ja zu empfehlen – wie die CVP und die SP.

SVP, FDP: «Haus nicht vergolden»

Während CVP-Präsident Erwin Aschwanden am 28.September mit einer komfortablen Ja-Mehrheit rechnet, geht SVP-Chef Kurt Wälti von einem knappen Ergebnis aus. Die Argumente seiner Parteifreunde seien nämlich gut und würden sich teilweise auch auf die Rechnungsprüfungskommission (RPK) stützen.

Die RPK empfiehlt dem Volk zwar ein Ja, rechnet aber in der nächsten Dekade mit jährlichen Folgekosten für die Gemeinde von 430'000 Franken, weil das Gebäude nach dem Kauf für bis zu 1,5 Millionen Franken saniert werden muss. «Dazu kommen noch die üblichen Unterhaltskosten. Für den vorgesehenen Zweck ist das schlicht zu viel», sagt Wälti. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Musikschule über ein eigenes Schulhaus verfügen müsse. «Die Musikschule funktioniert jetzt ja tadellos. Wir müssen sie nicht vergolden, sondern unseren Finanzen Sorge tragen.»

Eines ähnlichen Vokabulars bedient sich FDP-Präsident Christian Josi – doch er redet von der Zukunft, der geplanten Renovation des Hauses. «Wir werden nicht zulassen, dass das Haus vergoldet wird», kündet Josi an. Der Gemeinderat wende eine Salamitaktik an, indem er mit zwei Vorlagen operiere. «Wenigstens steht im an vielen Stellen unklar formulierten Weisungsheft, dass die Sanierung ansteht und dass eine Gemeindeversammlung im nächsten Jahr darüber entscheiden kann», sagt Josi.

Gemeinderat: «Nicht zumutbar»

Der Gemeinderat schwärmt derweil vom geplanten Musikschulzentrum. «Ein eigenes Haus gibt der Musikschule nicht nur eine eigene Identität, sondern auch Wirkung nach aussen. Die Musikschule wird damit zum Begegnungsort und zum kulturellen Kompetenzzentrum für Musik, schreibt die Behörde im Weisungsheft. Der Unterricht der Musikschule Thalwil-Oberrieden (MTO) verteile sich derzeit auf 31 Räume, rechnet der Gemeinderat vor. Nur 4 davon werden als geeignet (Singsäle, Musikzimmer) eingestuft. 13 seien bedingt geeignet (Schulzimmer) und 14 gar ungeeignet (Spezial- und Pfadi-Räume). Die Schule habe bei der Belegung ihrer Räume zudem Priorität. Dies verlange von der MTO immer öfter Notlösungen. «Sie können Lehrern, Schülern und Eltern nicht weiter zugemutet werden», schreibt der Gemeinderat. Die prekäre Raumsituation beeinträchtige die Unterrichtsqualität, und den rund 50 Musiklehrkräften fehle ein Begegnungszentrum, das einen Austausch und eine engere Zusammenarbeit möglich machen würde.

Kirche würde Reingewinn erhalten

Obwohl die Liegenschaft hauptsächlich der Musikschule dienen soll, kann sich der Gemeinderat auch weitere Nutzungen vorstellen. Der Hauptteil des Gebäudes wurde 1870 erstellt, der Anbau in den 70er- Jahren. Die Wohnung im Dachgeschoss des Hauses steht jetzt leer; der Gemeinderat will sie später jedoch wieder vermieten. Auf dem Areal steht ausserdem ein kleiner, freistehender Schopf.

Sollte die Gemeinde die Liegenschaft innert zehn Jahren wieder verkaufen, erhält die evangelisch-methodistische Kirche den Nettoreingewinn. Die Gebühren des Grundbuchamts und die Handänderungssteuern würden hälftig geteilt. Für die RPK ist das «eine Übervorteilung des Verkäufers», da sich dieser an den Investitionskosten ja nicht beteilige. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2008, 19:12 Uhr

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