Blechlawine im Pfäffiker Schutzgebiet

Seit die Gebrüder Jucker, die Kürbis-Könige von Seegräben, zusätzlich am anderen Ende des Pfäffikersees als Gastro-Unternehmer tätig sind, gibt es auch dort Probleme mit Parkplätzen.

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Einzelne Seegräbner nervten sich vor fünfzehn Jahren noch über den Hochzeitstourismus. Das «Chileli» an bevorzugter Lage über dem Pfäffikersee war beliebt, an Samstagen gaben sich die Hochzeitspaare die Klinke in die Hand, und die Tische für Apéros wurden im Stundentakt auf- und wieder abgebaut.

Heute denken die Seegräbner mit Wehmut an diese idyllische Zeiten zurück. Der Trubel auf dem Erlebnisbauernhof der Gebrüder Martin und Beat Jucker hat den Hochzeitstourismus längst überholt. An schönen Wochenenden wird Seegräben überrannt, Tausende spazieren an der Kirche vorbei. Ziel ist die Kürbisausstellung von Juckers Farmart. Rund 200'000 Besucher zieht sie Jahr für Jahr an. Das Verkehrschaos ist programmiert, weil öffentliche Verkehrsmittel fehlen. Das war schon bei der ersten Kürbisausstellung 1996 so. Geändert hat sich seither nichts, während die Besucherzahlen steigen und steigen.

Auch dieses Jahr gab am Eröffnungswochenende Ende August das Verkehrschaos fast mehr zu reden als die Ausstellung selber. Seegräben wurde vom Verkehr überrollt, an Strassenrändern und auf Feldwegen reihte sich Auto an Auto.

Nachdem fünf Jahre lang verhandelt worden war, setzte die Gemeinde dieses Jahr einen Gestaltungsplan für das Gebiet Jucker Farmart fest. Juckers müssen auf ihre im Schutzgebiet liegenden Parkplätze verzichten, die Gemeinde baute im Gegenzug das Parkplatzangebot von 34 auf 120 Plätze aus. Jucker Farmart wirbt seitdem mit dem Slogan «autofreier Erlebnisbauernhof». Erstmals konnten die Betreiber dieses Jahr auch keine temporären Parkplätze in Seegräben mehr anbieten. Kein Bauer wollte dafür eine Wiese hergeben.

Illegale Parkplätze müssen weg

Martin Jucker stellt sich auf den Standpunkt, das neue Parkplatzkonzept sei nicht sein Problem. «Meine Kunden haben alle auf dem Gemeindeparkplatz parkiert. Die Wildparkierer waren Wanderer und Ausflügler, welche die Schönheiten des Pfäffikersees geniessen wollten. Wir habe kein Parkplatzproblem, weil wir gar keine Parkplätze mehr haben», sagt er und schiebt so den schwarzen Peter an die Gemeinde Seegräben weiter. Dass er im Februar versucht hat, in der Nachbargemeinde Pfäffikon eine Bewilligung für 80 zusätzliche Parkplätze zu erhalten, will nicht so recht in seine Sicht der Dinge passen.

Die Pfäffiker aber wollen keinen zusätzlichen Verkehr, schon gar keinen aus einer Nachbargemeinde. Deswegen änderten die Juckers hinterher ihr Gesuch für die Parkplätze zweimal. Bei der dritten Eingabe ging es nicht mehr um zusätzliche Parkplätze für Jucker Farmart in Seegräben, sondern um zusätzliche Parkplätze für das Seerestaurant L’AQ in Pfäffikon.

Auch an diesem Gastrobetrieb sind die beiden Juckerbrüder beteiligt und kämpfen mit ähnlichen Schwierigkeiten wie in Seegräben – zu wenig Parkfelder wegen der Pfäffikersee-Schutzzone. Beim Restaurant L’AQ gibt es zudem noch Altlasten: Juckers Vorgänger hatten in der Schutzzone einige Parkplätze erstellt, und auch der Kinderspielplatz ist nicht zonenkonform. Die illegalen Parkplätze und der Spielplatz in seiner jetzigen Form müssen eigentlich verschwinden. Doch wann dies geschehen wird, steht noch nicht fest.

Mit der Schutzverordnung im Clinch

Das L’AQ ist das einzige Restaurant am Pfäffikersee mit direktem Seeanstoss. Der Besucherandrang ist gross, ebenso die Versuchung, Gäste auf der Wiese in der Schutzzone zu bewirten. Der Nutzungsplan lässt dies zwar nicht zu, doch das Verbot wird gelegentlich missachtet. Ein Gesuch für eine Ausnahmebewilligung ist beim Kanton hängig. Der Versuch, das Problem mit einem privaten Gestaltungsplan aus der Welt zu schaffen, misslang.

Die Besitzer - neben Beat und Martin Jucker sind das Reto Caviezel und Oliver Höner von der Carré Event Agentur sowie Treuhänder Urs Hensel – haben das ehemalige Restaurant Seerose gekauft, umgebaut und in L’AQ-Restaurant & Event umgetauft. Im letzten Frühling war Eröffnung.

Dass Events und Seeschutzzone sich schlecht vertragen, hat mittlerweile auch Mitbesitzer Reto Caviezel festgestellt, er fühlt sich indes vom Kanton benachteiligt: «Spaziergänger dürfen auf der Wiese vor dem Restaurant picknicken, aber uns ist es verboten, dort Gäste zu bewirten. Und der gleiche Kanton, der uns das untersagt, erteilt eine Bewilligung für einen Verkaufswagen am Ufer in Seegräben.» Er könne das nicht verstehen, sagt Caviezel und beantragte deshalb eine Bewilligung, um gelegentlich Gäste in der Schutzzone bewirten zu dürfen: «Wir sind am Verhandeln.»

Einen Rückschlag musste er hinnehmen: Sein Gesuch für zusätzliche Parkplätze im Industriegebiet hat die Gemeinde Pfäffikon abgelehnt. Sonst wäre womöglich auch Aldi vorstellig geworden und hätte mit den gleichen Argumenten wie das L’AQ mehr Parkplätze gefordert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 12:15 Uhr

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