Blühende Mini-Verlage an der Goldküste

Am rechten Zürichseeufer gibt es eine Reihe von Kleinstverlagen. Diese sind hochspezialisiert und haben sich ganz ihrer Sache verschrieben. Nach aussen treten sie oft kaum in Erscheinung.

Cornelia Baumann arbeitet mit ihrem Verlag nicht gewinnorientiert, sondern setzt sich nur für ihr Buch ein. (Bild: Sabine Rock)

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Unter einem Verlag stellt man sich gemeinhin ein grosses Unternehmen mit der entsprechenden Infrastruktur und vielen Angestellten vor, die beflissen an der Veröffentlichung von Büchern oder Printmedien arbeiten. Im Bezirk Meilen stösst man aber hier und da auf kleine Buchverlage, hinter denen nur eine oder zwei Personen stehen. In privaten Räumen oder einem Einzelbüro verlegen sie Belletristik oder Fachbücher – seien es einzelne Titel oder ein ganzes Verlagsprogramm. Drei von ihnen sollen hier vorgestellt werden.

Erlenbach. – Claude Portmann betreibt in einem einzigen Büro in Erlenbach seinen eigenen Verlag. Nach verschiedenen Stationen im Verlagsgeschäft machte er sich im Jahr 2004 selbstständig und gründete den C.F. Portmann Verlag als Dienstleistungsunternehmen. Seit Mitte 2005 tritt das Unternehmen als klassischer Verlag auf, das heisst, es ist Mitglied beim Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband. Portmanns Angebot umfasst die Beratung von Autoren, Texterfassung und -redaktion, Lektorat, Umschlagsgestaltung sowie Medienarbeit, Werbung und Organisation von Veranstaltungen.

Seine Liebe zu Büchern ist Claude Portmann deutlich anzumerken, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Sein Ziel ist es, guten Schriften auf professionelle Art zur Veröffentlichung zu verhelfen. Die Autoren kämen auf Empfehlung zu ihm, einige seien ihm von früheren Engagements gefolgt. In der Regel finanzieren die Autoren die Erscheinung ihres Werks und behalten die Rechte daran.

Probleme mit Buchhandlungen

Rund 25 Titel hat er in seinem Verlag bereits herausgegeben, darunter spanische Werke, Bildbände und Belletristik. Im kommenden Herbst werden vier neue Titel dazukommen. Zu seinem Unternehmen gehört seit Dezember 2005 auch die «Edition Hü & Hott», welche sich Kinder- und Jugenbüchern widmet. Es sei schwierig, als kleiner Verlag ernst genommen zu werden. «Die Buchhandlungen sind nicht sehr kooperativ, sie müssen eben wirtschaftlich arbeiten», sagt Portmann. Die Aufhebung der Buchpreisbindung werde den Vormarsch grosser Ketten begünstigen. Bisher arbeitet der Einmannverleger mit freien Mitarbeitern zusammen. Er will gesund, aber vorsichtig wachsen.

Feldmeilen. – Stünden nicht von Zeit zu Zeit Paletten mit Büchern und der Aufschrift «IZ-Verlag» in der Tiefgarage, würde niemand vermuten, dass in dem Feldner Wohnhaus ein Verlag ansässig ist. Das Ehepaar Zwick führt den IZ-Verlag, der nach den Initialen von Irina Zwick benannt ist und von Bruno Zwick verfasste juristische Lehrbücher herausgibt.

Im Laufe seiner Tätigkeit als Dozent im Fach Recht an der KV Zürich Business School stellte Zwick fest, dass im Unterricht niveaugerechte und verständlich geschriebene Lehrmittel fehlten. Deshalb verfasste er eigene Unterrichtsunterlagen.

Als Fachvorstand eines eidgenössischen Lehrgangs wurde er von Kollegen angefragt, welche Lehrmittel er einsetze. Zusammen mit einem Berner Kollegen hatte er die Idee, diese Unterlagen in Buchform herauszugeben und so auch anderen Interessenten zugänglich zu machen. Das Resultat war die Schriftenreihe «Tatbestand Recht» in drei Bänden. Sie ist inzwischen in der 6. Auflage erhältlich, da ständige Gesetzesänderungen Anpassungen und Überarbeitungen notwendig machen.

Kunden in der ganzen Schweiz

Die Lehrmittel werden mittlerweile nicht nur in verschieden Lehrgängen zur Vorbereitung auf eidgenössische Prüfungen eingesetzt, sondern auch in Wirtschaftsgymnasien und Fachhochschulen. Die Hochschule für Wirtschaft Zürich hat die drei Bände in eigener Regie und im Einverständnis mit dem Autor auszugsweise ins Englische übersetzt.

Die Zwicks erhalten Bestellungen von Buchhandlungen, Lehrinstituten und anderen Interessenten aus der ganzen Schweiz. Tatkräftige Unterstützung erhält Bruno Zwick von seiner Ehefrau Irina, die zum Beispiel das Lektorat besorgt. Grafik und Satz entstehen am Heimcomputer des Autors. Die fertigen PDF-Dateien werden der Druckerei via Internet übermittelt. «Das positive Feedback unserer Kunden bedeutet für unseren Kleinverlag eine grosse Motivation», sagt Bruno Zwick.

Männedorf. – Cornelia Baumanns Weg zum eigenen Buch und Verlag führte über das künstlerische Gestalten. Sie ist Malerin und Zeichenlehrkraft an der Oberstufenschule Gossau. Mit dem Kinderbuch «Illi der Landstreicher» verwirklichte sie sich 2003 den Traum, ihr eigenes Kinderbuch herauszugeben. Es richtet sich an Kinder vom Kindergarten- bis Unterstufenalter und handelt davon, Fremden und dem Fremdsein mit Offenheit, Toleranz und Respekt zu begegnen.

Die «Initialzündung» für das Buch habe ihr Bruder Tobias Loosli gegeben, der das gleichnamige, von Jörg Reichlin geschriebene Bühnenstück als Puppentheater aufgeführt habe. Baumann schuf das Bühnenbild und die Marionetten dazu. Den beiden erschien es sinnvoll, den Eltern als Vertiefung zum Stück ein Buch zu geben.

«Es war eine spannende Herausforderung für mich, anhand der Bühnenbilder und Figuren ein Bilderbuch zu illustrieren», sagt sie. Den Text schrieb die erfahrene Kinderbuchautorin Cornelia Hausherr. Was fehlte, war der passende Verlag. Cornelia Baumanns Ehemann, Andreas, war etwa zeitgleich ebenfalls auf Verlagssuche. Sein gefragter Elternratgeber «Auch mein Kind ... ?» zum Thema Sucht und Drogen war zwar bereits in 19 Auflagen im Pro-Juventute-Verlag erschienen. Als dieser von der Orell-Füssli-Verlagsgruppe übernommen wurde, war aber nicht sicher, ob das Buch weiter aufgelegt werden würde. Aus dieser «Not» heraus gründeten die Baumanns ihren Safran-Verlag.

Eigene Vorstellungen umsetzen

Eigenproduktionen seien teuer. «Wenn man aber nicht gewinnorientiert arbeitet, ist ein eigener Verlag von Vorteil, da man die persönlichen Vorstellungen umsetzen kann. Uns ist zudem das Engagement für die Themen in unseren Büchern wichtig», erklärt Cornelia Baumann.

Didaktisches Begleitmaterial und eine kostenlose Elternbroschüre kamen hinzu. Ein neues Projekt ist in Arbeit. Den Namen habe der Verlag von ihrem Lieblingsgewürz erhalten – Safran, ein feines, fremdartiges Gewürz, nicht unbedingt notwendig, aber sehr bereichernd. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2008, 07:40 Uhr

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