Bubiker halfen bei der Finanzierung der Kreuzzüge

In Jerusalem kämpften die Johanniter um das Jahr 1200 gegen die Ungläubigen. In Bubikon arbeiteten Leibeigene, um den Orden zu finanzieren. Eine Ausstellung verrät mehr.

Das Ritterhaus in Bubikon: Von hier aus wurde der Johanniterorden dank Diethelm von Toggenburg unterstützt.

Das Ritterhaus in Bubikon: Von hier aus wurde der Johanniterorden dank Diethelm von Toggenburg unterstützt. Bild: Nathalie Guinand

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Mehr als ein halbes Jahrhundert lang prägte das Ritterhaus den Alltag in Bubikon. Leibeigene bewirtschafteten ab 1192 die dazugehörigen Ländereien, um den Orden der Johanniter im Kampf gegen die Ungläubigen finanziell zu unterstützen. Denn Diethelm von Toggenburg war derart von den Kreuzzügen begeistert, dass er dem Orden sein Land vermacht hatte. Damit war er nicht der Einzige: Europaweit zogen Tausende Christen ins Heilige Land, um Jerusalem zu befreien. Ob der Toggenburger selbst auch mitzog, ist nicht bekannt.

Fest steht, dass die Johanniter, die in Jerusalem zuerst bloss ein Hospital führten, im Auftrag des Papstes dort kämpften, bis sie das Territorium 1291 verloren und sich zuerst nach Zypern, dann nach Rhodos zurückzogen. Gekleidet waren die Johanniter um 1200 vollständig in Ketten, ausgerüstet mit Schwert und Schild. Charakteristisch für sie war der rote Waffenrock mit einem weissen Kreuz. An die Zeit der Kreuzzüge, als der Johanniter- und der Templerorden sowie der Deutsche Orden gegründet wurden, erinnert die aktuelle Ausstellung im Ritterhaus. Wegen des grossen Interesses wird sie bis zum 12. Oktober verlängert.

Während die einen Johanniter vor rund 1000 Jahren gegen die Ungläubigen kämpften, bauten die anderen ihre Besitztümer in Europa aus. Seine Besitztümer konnte der Orden ab 1312 kräftig erweitern. Unter anderem, weil die Mitglieder des Templerordens als Ketzer verfolgt wurden und König Philipp der Schöne den Johannitern die Besitztümer der verfolgten und verbrannten Templer verkaufte. Auch das Ordenshaus in Bubikon wuchs durch Schenkungen und Zukäufe stark an. Um 1428 dehnten sich die Besitztümer zwischen den Dörfern Wangen und Wald aus. Auf die Komturei in Bubikon hatte dies kaum Einfluss: Sie verfügte im späten Mittelalter über rund 270 Leibeigene und führte die niedere Gerichtsbarkeit aus. Mit der Reformation in Zürich geriet der Statthalter in Bubikon jedoch in Bedrängnis. 1528 musste der Konvent aufgehoben werden. Der Orden erhielt seine Häuser erst vier Jahre später zurück, als er einen Zürcher Bürger als Verwalter akzeptierte und reformierte Pfarrer den Gottesdienst führen liess. 1789 verkaufte der Orden seine Bauten. Heute ist das Ritterhaus eine der besterhaltenen ehemaligen Johanniterkomtureien in ganz Europa – dies auch dank der Ritterhausgesellschaft, die das Gebäude von 1938 bis 1959 restaurierte und so vor dem Zerfall bewahrte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2008, 21:50 Uhr

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