Bücher aus der Bibliothek sind beliebt

Die Bibliothek Dietlikon gibt es seit 40 Jahren. Gerade in jüngster Zeit hat sich die Zahl der Ausleihen kräftig erhöht. Grund genug also, ein Bibliotheksfest steigen zu lassen.

Dietliker Schüler lasen eigene Geschichten. Romy Wiestner erzählt Irma Ben Brahim von ihrem schrecklichen Ding.

Dietliker Schüler lasen eigene Geschichten. Romy Wiestner erzählt Irma Ben Brahim von ihrem schrecklichen Ding. Bild: Johanna Wedl

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«Es ist Nacht, und es donnert. Plötzlich raschelt es im Gebüsch, und drei Gestalten kommen zum Vorschein», erzählt Romy Wiestner. Gegenüber von ihr sitzt Irma Ben Brahim. Mit spitzen Ohren lauscht sie Romys Worten. Das elfjährige Mädchen liest nicht etwa aus einem Kinderbuch vor, sondern erzählt eine selbst geschriebene Geschichte. Der Anlass für die Lesung ist das 40-Jahr-Jubiläum der Bibliothek in Dietlikon, das am vergangenen Samstag gefeiert worden ist. Hinter Romys Titel «Das schreckliche Ding» verbirgt sich eine dreiminütige Gruselgeschichte, die am Ende gut ausgeht: «Das Wesen umarmte die drei Gestalten so fest, dass es ganz glücklich wurde. Es merkte, dass es viel schöner ist, freundlich zu sein, und beschloss daher, ein gutes Wesen zu werden.»

Unterstützung beim Schreiben haben die Jungen und Mädchen von ihrer Klassenlehrerin, Rahel Lüthi, erhalten. «Eine Herausforderung war, den Schülern beizubringen, wie man Spannung erzeugt», erläutert Lüthi. Sie sei aber sehr zufrieden mit den Leistungen ihrer Schützlinge. Nicht nur den Kindern scheint die Lesung Spass zu machen, auch die Besucher sind begeistert. «Der Anlass ist toll und hat mich sehr interessiert, weil meine Tochter auch eine Geschichte verfasst hat», sagt Irma Ben Brahim. Sie selbst sei vor allem früher eine häufige Bibliotheksbesucherin gewesen und gehe heute oft mit ihren Kindern hin. «Lesen regt die Fantasie an und ist ein guter Ersatz für Fernsehen und Computer.» Zudem komme es in Bibliotheken zu schönen Begegnungen mit Bekannten.

Kunden brauchen mehr Beratung

Die Bibliothek sei ein Begegnungszentrum, bestätigt Lina Meyer, Leiterin der Bibliothek. Zu den Besuchern zählten je zur Hälfte Kinder sowie Jugendliche und Erwachsene, das Angebot ist deshalb sehr umfassend. Bereits seit 14 Jahren leitet Meyer die Bibliothek. Die Arbeit habe sich grundlegend verändert, sagt sie. «Einerseits ist das Angebot viel breiter geworden. Wir führen nicht mehr nur Bücher, sondern auch CDs und DVDs. Zudem ist das Publikum viel anspruchsvoller geworden. Die Bibliothekarinnen unterstützen die Kunden vermehrt, müssen mehr Fragen beantworten. Die Freude an Büchern reicht für diesen Beruf längst nicht mehr aus.»

Das Jubiläum ist für Meyer ein Grund zu feiern. Denn es werden keineswegs weniger Bücher ausgeliehen als früher. «Die Ausleihen sind in diesem Jahrhundert über 100 Prozent gestiegen. Die Leute lesen noch immer sehr viel. Im letzten Jahr haben 21'000 Personen bei uns einen Artikel ausgeliehen, das entspricht rund 25 Prozent der Dietliker Bevölkerung», erklärt Meyer stolz. Das Budget von 200'000 Franken pro Jahr reiche gerade so, um alle Ausgaben zu decken. Was dagegen fehlt, ist der Platz. Die dreistöckige Fläche im so genannten Rathgebhaus ist mit 250 Quadratmetern halb so gross, wie nötig wäre. Die Bibliothekarin hofft, dass möglichst bald eine Lösung gefunden wird. Gegenwärtig wird zusammen mit der Schule eine Erweiterung geprüft.

Am Jubiläumsfest wird auch gerätselt. Schüler einer zweiten Sek C haben in selbst gebastelten Papierkistchen Gegenstände und Zeichnungen aufgeklebt. Jedes der total 91 Kästchen steht für ein Adjektiv, das es zu erraten gilt. Festbesucher Claes Lemcke steht vor einem Plakat mit einer Box, in der ein Rennauto zu sehen ist. «Das muss ‹schnell› bedeuten», sagt Lemcke. Neben ihm nickt der 14-jährige Fatmir Alin. «Genau, stimmt», sagt der Sekundarschüler. Ihm mache es nichts aus, seinen freien Samstagnachmittag am Bibliotheksfest zu verbringen. «Die Leute sind fröhlich, deshalb bin ich glücklich», meint er lächelnd. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 20:32 Uhr

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