Chaos am Picknickplatz: Behörden denken über Polizei-Einsätze nach

In Niederglatt machen Anwohner aus dem Eschenberg-Quartier ihrem Ärger über die Zustände am lokalen Picknickplatz Luft. In einem Brief fordern sie die Gemeinde zum Eingreifen auf.

Von Bäumen abgeschirmt, aber in Siedlungsnähe: Picknickplatz Eschenberg.

Von Bäumen abgeschirmt, aber in Siedlungsnähe: Picknickplatz Eschenberg. Bild: Yvon Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Es geht da hinten zu wie im hölzernen Himmel», sagt Johann Brechbühl* verärgert. Der 68-jährige Anwohner der Eschenbergstrasse in Niederglatt spricht vom Picknickplatz unweit von seinem Heim. Dort würden an den meisten Wochenenden - aber auch immer öfter unter der Woche - wilde Partys gefeiert. Es werde gelärmt, gesoffen, gesungen und randaliert, klagt Brechbühl. Das wäre kein Problem, würde der Platz weit weg vom Siedlungsgebiet liegen, findet Brechbühl. Doch die gemeindeeigene Anlage mit Kinderspielplatz, Feuerstelle sowie Tischen und Bänken befindet sich nur einen Steinwurf vom ehemals beschaulichen Einfamilienhausquartier entfernt, in dem Brechbühl und rund ein Dutzend andere Niederglatter Familien zu Hause sind. Sie alle haben sich letzte Woche zusammengetan und ein Schreiben an den Gemeinderat verfasst. Ihre Forderung: Es müsse etwas geschehen, die unerträgliche Lärmsituation müsse von der Behörde angegangen werden.

Verbale Drohungen

Laut den Anrainern haben die Ruhestörungen ein Ausmass angenommen, das die Lebensqualität im Quartier massiv beeinträchtige. Sie könnten keine Nacht bei offenem Fenster schlafen, weil es vom Picknickplatz oft bis in die frühen Morgenstunden lärmt, klagt Werner Breiter*, ein weiterer Bewohner des Quartiers. Gutes Zureden an die jugendlichen und erwachsenen Benützer des Platzes habe nichts gefruchtet, im Gegenteil: «Einem Nachbarn wurde von einem Besoffenen gedroht, man werde mit dem Gewehr zurückkommen», berichtet Breiter. Das wolle und könne man nicht länger hinnehmen.

Beim Niederglatter Polizeivorstand Peter Balsiger ist das Beschwerdeschreiben vom Eschenberg zwar noch nicht eingetroffen, doch überrascht ihn die Forderung der Anwohner nicht. Bereits vor einem Jahr habe man im Gespräch mit einzelnen Quartierbewohnern die Problematik erkannt und Konsequenzen ergriffen. «Wir haben eine private Sicherheitsfirma beauftragt, den Picknickplatz regelmässig zu überwachen», sagt Balsiger. Das habe anfänglich eine Besserung gebracht, aber anscheinend nicht nachhaltig gewirkt - trotz der monatlichen Kosten von bis zu 400 Franken.

Ein Problem vieler Gemeinden

«Unser Problem ist, dass es für die vorliegende Situation keine Patentlösung gibt», sagt Balsiger. Der Picknickplatz und der Spielplatz seien tagsüber ein beliebter Aufenthaltsort für Familien und Kindergärten. Erst am Abend und an den Wochenenden würde die Infrastruktur von Radaubrüdern missbraucht. Wolle man diese vom Eschenberg fernhalten, müsste man die ganze Infrastruktur entweder entfernen oder ein generelles Aufenthaltsverbot aussprechen. Darunter würden aber die friedlichen Benutzer leiden. Eine andere Lösung wäre die Erhöhung der Polizeipräsenz. Nur verfüge seine Gemeinde über keine eigene Polizei, und die Kantonspolizei sei für Bagatellfälle wie Lärmklagen kaum mehr verfügbar, sagt Polizeivorsteher Balsiger.

Ausserdem habe man in Gesprächen mit anderen Gemeinden festgestellt, dass Niederglatt mit dieser Problematik nicht alleine stehe. Laut Balsiger wäre eine mögliche Lösung, gemeinsam mit umliegenden Gemeinden eine neue Gemeindepolizei aufzubauen. Diese könnte dann an den neuralgischen Punkten für Ruhe und Ordnung sorgen. Das würde für die Steuerzahler aber massive Kosten verursachen, sagt der Niederglatter Gemeinderat: «Wenn wir eine einfachere Lösung hätten, wären wir sehr froh.»

Dass die Situation rund um den Niederglatter Picknickplatz verzwickt ist, sei aber auch den Quartierbewohnern klar. Man werde deshalb nicht darum herumkommen, die Sache gemeinsam anzugehen, bevor das Ganze eskaliere, sagt Balsiger. Es gelte zu verhindern, dass langjährige Bewohner des Quartiers resigniert wegziehen würden, wie sich das etwa Johann Brechbühl nach dessen eigenen Aussagen bereits überlegt hat.

* Name von der Redaktion geändert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 10:00 Uhr

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Blogs

Sweet Home Neue Wohnideen ganz simpel

Mamablog Best of: Trotz Kindern Liebende bleiben

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Beliebtestes Verkehrsmittel: Ein Nordkoreaner schiebt sein Fahrrad über den Kim-ll-Sung-Platz in Pyongyang. (24.Juli 2017)
(Bild: AP Photo/Wong Maye-E) Mehr...