«Chemische» setzt auf Erdgas statt auf Erdöl

Die Zeochem in Uetikon sanierte in einer Aufsehen erregenden Aktion ihren Industriekamin. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoss zu senken.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Uetiker konnten gestern Vormittag auf dem Industrieareal neben dem Schiffssteg spektakuläre Szenen beobachten: Die Zeochem AG liess ihren 36 Meter hohen Industriekamin mit einem rostfreien Stahlrohr nachrüsten. Mit Kranen und Spezialwerkzeugen wurden drei Rohrsegmente auf eine Höhe von 50 Metern angehoben, in den Kamin eingeführt und dort eingebaut.

Dieser Kamin aus Spezialstahl im Inneren des 1854 erbauten Backsteinkamins wurde nötig, um das Mauerwerk vor Bestandteilen im Abgas des Brenners zu schützen, die kondensieren und Ablagerungen bilden. Denn die Zeochem betreibt ihren Dampfkessel, mit dem Wärme für die Reaktionen der chemischen Stoffe erzeugt wird, neu mit Erdgas statt mit Heizöl.

Damit spart sie Energie: Die Umstellung führt zu einer Effizienzsteigerung bei der Dampferzeugung, weil der Dampfkessel feiner reguliert und bei Bedarf mit einer tieferen Leistung betrieben werden kann.

Als grösste Arbeitgeberin in Uetikon sei die Zeochem auch die grösste Energieverbraucherin, sagt CEO Jürgen Strutz. «Die Energien werden immer teurer, und wir wollen sparsam damit umgehen.» Weil Erdgas einen geringeren Anteil an Kohlenstoff als Heizöl enthält, stösst die Zeochem zudem jährlich 1200 Tonnen weniger Kohlendioxid aus, was gemäss Strutz einer Senkung von ungefähr 15 Prozent entspricht.

Ein Viertel der Energie gespart

Die CU Chemie Uetikon wurde 1818 gegründet, 1970 entstand aus einem Teil davon die Zeochem. Sie stellt unter anderem Molekularsiebe her, die zum Beispiel zur Reinigung von Erdgas oder zum Trockenhalten der Zwischenräume in Isolierglasscheiben verwendet werden. Seit zehn Jahren ist sie Mitglied der Energie-Modell Gruppe Zürichsee, die der Energie-Agentur für Wirtschaft (EnAW) untersteht. Diese wurde 1999 von einigen wichtigen Wirtschaftsverbänden wie der Economiesuisse und den Verbänden für die Energieträger Strom, Gas und Erdöl gegründet.

Sie hat mit dem Bundesamt für Energie einen Leistungsauftrag zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Senkung des CO2-Ausstosses unterzeichnet. Rund 2000 Unternehmen aus der ganzen Schweiz sind bei der EnAW Mitglied. Sie haben sich zu Gruppen von acht bis 15 Unternehmen zusammengeschlossen, jede wird von einem Moderator geleitet.

Thomas Weisskopf unterstützt die fast elfjährige Energie-Modell Gruppe Zürichsee als Moderator, indem er den zehn Unternehmen ihr Energiesparpotenzial aufzeigt und bei der Ausarbeitung von Massnahmen hilft. Offenbar mit Erfolg: «Wir haben die Energieziele für das Jahr 2012 schon vor Jahren massiv übertroffen», sagt er stolz. So konnten die beteiligten Unternehmen von 1996 bis heute 25 Prozent ihrer Energie einsparen und den CO2-Ausstoss um 27 Prozent reduzieren.

Nebst der Zeochem sind auch diverse Unternehmen aus Wädenswil, die Linth & Sprüngli Schweiz AG mit Sitz in Kilchberg sowie die Schweizer Getränke AG in Obermeilen in der Zürichsee-Gruppe mit dabei. Die Teilnahme lohnt sich für sie nicht nur wegen der Energieeinsparungen, sondern auch weil gemäss Thomas Weisskopf energieintensive Betriebe, die sich «ambitiöse» Ziele setzen, von der CO2-Abgabe des Bundes befreit werden. Auch bei der Zeochem sei dies ein Grund für die Umstellung von Heizöl auf Erdgas gewesen, sagt Strutz. «Hauptsächlich geht es uns aber darum, Energie zu sparen wegen der Kosten.» Dies hätten sie unter anderem bereits durch das Isolieren von Leitungen oder das Ersetzen von alten Ventilen erreicht.

Grosse finanzielle Vorteile

Dass Energie und CO2-Reduktion zurzeit hochaktuelle Themen sind, zeigt sich bei einer Auflistung der Unternehmen aus dem Bezirk Meilen, die ebenfalls bei der EnAW, aber in anderen Gruppen, Mitglied sind. Darunter finden sich beispielsweise die Kunsteisbahn Küsnacht (KEK), das Spital Männedorf, die Midor in Meilen, der Coop in Stäfa sowie das Hallen- und Freibad Fohrbach in Zollikon.

Alle Unternehmen werden mit einem Monitoringsystem überwacht. Sie rapportieren jährlich ihre Energie-Daten. Die Moderatoren sind für die Qualitätssicherung zuständig, der Bund führt Stichproben durch. «Schliesslich geht es bei den Unternehmen, die von der CO2-Abgabe befreit sind, um grosse finanzielle Vorteile», sagt Weisskopf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2008, 21:51 Uhr

Blogs

Von Kopf bis Fuss Essen Sie sich stark!

Blog Mag Höflichkeit zählt

Werbung

Die Welt in Bildern

Get up, stand up! Drei Stand Up Paddler geniessen das Sommerwetter auf dem Genfersee bei Allaman (27. Mai 2017).
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...