Das Aus für Sonderschule und Kleinklasse

Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen sollen in normale Klassen integriert werden. Das schreibt das neue Volksschulgesetz vor.

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Die Umsetzung des neuen Volksschulgesetzes geht in die zweite Halbzeit. Schwerpunkt dieser nächsten Phase sind die sonderpädagogischen Massnahmen. Das heisst: Möglichst alle Kinder – auch solche mit Schulschwierigkeiten, leichten Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten – sollen in den Regelklassen unterrichtet werden. Im Bezirk Meilen haben mehrere Schulen die entsprechenden Massnahmen bereits umgesetzt und erste Erfahrungen damit gemacht.

Als eine der ersten im Bezirk hat die Schule Zumikon mit der Umsetzung begonnen, die weitgehend eine Fortsetzung der bisherigen Praxis darstellt. Neu begleiten die zwei schulischen Heilpädagoginnen der Schule auch die Kindergartenklassen. Je nach Bedürfnis der einzelnen Klassen arbeiten sie für eine bestimmte Anzahl Stunden pro Woche mit dem Klassenlehrer zusammen. «Sie sind nicht nur für jene Kinder da, die früher in Klein- oder Sonderklassen unterrichtet wurden, sondern für alle mit besonderen Bedürfnissen, auch für speziell begabte», betont Schulleiterin Birgit Hoentzsch. Sie beraten zudem die Klassenlehrinnen bei der Arbeitsgestaltung mit der Klasse oder einzelnen Kindern.

Erste Reaktionen seien positiv ausgefallen, sagt die Zumiker Schulleiterin: «Die Lehrpersonen schätzen die Unterstützung.» Reaktionen der Eltern gäbe es nur wenige, positiv werde auf jeden Fall das neue schulische Standortgespräch zwischen Fachpersonen, Eltern und Lehrerinnen beurteilt.

Bedenken der Eltern zerstreut In Männedorf wurden die Eltern mit einer Broschüre und einem Informationsabend über die Veränderungen aufgeklärt. «Die Rückmeldungen waren positiv», sagt die Männedörfler Schulpflegerin Esther Walther. Einige Eltern, deren Kinder noch nie Fördermassnahmen benötigt hatten, befürchteten zwar, diese könnten nun zu kurz kommen.» Solche Bedenken hätten jedoch aus dem Weg geräumt werden können. «Der Lehrer wird für diese Kinder nicht weniger Zeit haben. Dafür setzen wir zusätzlich Heilpädagogen ein», sagt Esther Walther.

Auch Männedorf wollte die sonderpädagogischen Massnahmen früh umsetzen. Da dort – wie auch in anderen Gemeinden – die integrative Schulungsform bereits angewandt wurde, musste mit der Umsetzung nicht bei null angefangen werden. Dem Ziel, möglichst viele Kinder in der Regelklasse zu behalten und sie allenfalls durch Fördermassnahmen zu unterstützen, wurde bereits Rechnung getragen. Neu ist aber die Zusammenarbeit von Lehrer und Heilpädagogin im Klassenunterricht. Laut Esther Walther war es zum Teil schwierig, ausgebildete Fachpersonen zu finden: «Wir hatten zum Beispiel Mühe bei der Suche nach einer zusätzlichen Heilpädagogin für die Unterstufe.»

Küsnacht hingegen setzt die sonderpädagogischen Massnahmen erst in der dritten Staffel vollumfänglich um – und zwar bewusst: «Wir wollen die an Kleinklassen gewohnten Lehrpersonen, Schüler und Eltern auf sanftem, aber stetigem Weg in Richtung Integration führen», sagt Schulpfleger Bruno Bouvard. Zwar sei der integrative Unterricht inklusive Teamteaching bereits angelaufen, aber die Kleinklassen existieren vorläufig parallel dazu weiter. «Wir möchten so lange wie möglich eine Kleinklasse pro Stufe beibehalten, zur Not auch als gemeindeeigenes Angebot», sagt Bruno Bouvard.

Die Bildungsdirektion werde darüber nicht glücklich sein, vermutet der Küsnachter Schulpfleger, doch viele Lehrer seien froh um dieses Angebot. «Ausserdem haben wir sehr gute Kleinklassenlehrer», begründet er das Festhalten an der alten Struktur. Das heisse nicht, dass sich die Küsnachter Schulpflege gegen die Umsetzung des neuen Volksschulgesetzes wehre. Um allfälligen Problemen bei der Umsetzung der sonderpädagogischen Massnahmen vorzubeugen, beabsichtige Küsnacht sogar zwei Fachberaterinnen beizuziehen, an die sich Lehrer mit Fragen oder Anliegen im Zusammenhang mit der neuen Unterrichtsform wenden können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2008, 23:06 Uhr

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