Das Unterland stellt den Rottweiler-Weltmeister

Walter Horn und sein Rottweiler sind amtierende Weltmeister. Der Eglisauer will mit seinem Hund als Beispiel dafür dienen, dass es keine grundsätzlich gefährlichen Hunderassen gibt.

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Vero vom Holzbrünneli ist in seinem Element: Jeden Befehl von Walter Horn, seinem Herrchen, führt der fünf Jahre alte Rottweiler-Rüde blitzschnell aus. So sitzt er auf Zuruf stramm, legt sich flach auf den Boden oder apportiert ein Holzspielzeug, ohne ein einziges Mal daran zu kauen. Und als es «bei Fuss» heisst, bleibt Vero eng ans linke Bein von Walter Horn geschmiegt und folgt jeder Bewegung seines Meisters sofort nach. Danach gibts für den Hund ein paar Happen Trockenfleisch. «Er hat ja jetzt gearbeitet und sich seinen Lohn verdient», lacht Horn. Und Vero ist im Verschlucken dieses Lohnes noch schneller als im Befolgen der Befehle.

Riechen, Gehorchen und Beissen

Dieses Zusammenspiel von Mensch und Hund darf als Weltklasse bezeichnet werden: Walter Horn und Vero vom Holzbrünneli sind frisch gebackene Rottweiler-Weltmeister der Internationalen Prüfungsordnung 3. Der Glattfelder Markus Peyer, auch er vom Kynologischen Verein Rafzerfeld, wurde Vizeweltmeister. Auf dem Weg zum WM-Titel gab es drei Prüfungsteile zu absolvieren. Bei der Nasenarbeit muss der Hund in einer Wiese drei versteckte Gegenstände auffinden. Bei der Unterordnung gilt es, verschiedene Befehle trotz Ablenkung zu befolgen. Beim dritten Teil geht es unter anderem um die Beissarbeit am Ärmel: Der Hund muss auf Befehl zupacken, wobei er nur den dick verpackten Ärmel eines Schutzdiensthelfers attackieren darf und danach ebenso schnell auf Befehl wieder loslassen muss. Nach dieser dritten Prüfung folgt noch die «Unbefangenheitsprobe»: Der Hund muss sofort wieder friedlich sein und sich vom Richter anfassen lassen. «Einer der Hunde hat dabei den Richter nur kurz angeknurrt», erinnert sich Horn, «und wurde sofort disqualifiziert.»

Auf den Hund gekommen ist Walter Horn vor rund 30 Jahren, als er sich seinen ersten Rottweiler zulegte. Nachdem er als Entwicklungshelfer rund 20 Jahre in Indonesien und Nepal gelebt hatte, musste er bei seiner Rückkehr feststellen, dass sich vieles verändert hatte. «Vor 30 Jahren gab es um die Rottweiler noch keine Diskussionen. Inzwischen ist das Thema Kampfhunde ein Politikum.» Horn betont aber, dass es sich bei dieser Rasse um gutmütige Familienhunde handelt: «Der Rottweiler wurde nie zu Aggressivität gezüchtet.»

Die Beiss-Statistiken, bei denen der Rottweiler oft nicht gut abschneidet, sehen die Kynologen kritisch: Zum einen würden auch kleine Kratzer, die beim Spielen verursacht werden können, als Bisse gezählt. Zum anderen genügten ein paar beisswütige Hunde, um statistisch die ganze Rasse in Misskredit zu bringen.

Weltmeister Horn und Sophie Müller, die Präsidentin des Kynologischen Vereins Rafzerfeld, sind sich der Ängste in der Bevölkerung aber durchaus bewusst. «Vor allem seit jenem schrecklichen Unglück in Oberglatt», weiss Horn. «Das Problem ist aber nicht der Hund, sondern sehr oft der Halter», meint Sophie Müller. Ihr Verein bietet deshalb verschiedene Kurse für Nichtmitglieder an, bei der die Hundehalter lernen können, ihr Tier jederzeit unter Kontrolle zu haben.

Der bevorstehenden kantonalen Abstimmung zum Hundegesetz sehen die Hundefreunde mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Ausbildungspflicht begrüssen sie. «Aber wenn diese Kurse kommerzialisiert werden, ist das der Qualität nicht förderlich», meint Sophie Müller. Auch sei diese Ausbildung noch nicht näher definiert. Ein Fragezeichen setzt die Rafzerfelderin zudem hinter die Einteilung in «Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotential»: «Der Regierungsrat muss dann definieren, welche Hunde auf diese Liste kommen. Eine Riesenaufgabe.»

Sophie Müller und Walter Horn wissen, dass in der Bevölkerung Angst vor Hunden herrscht und jede Aufklärungsarbeit deshalb schwierig ist. «Wir können aber durch unser Auftreten zeigen, dass ein gut erzogener Hund keinerlei Gefahr für den Menschen darstellt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2008, 21:55 Uhr

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