Das «Wahrzeichen der Au» wurde gefällt

Die Zeder vor dem Kinderheim Grünau in der Au war krank. Deshalb wurde sie am Montag gefällt. Aus finanziellen Gründen übernahm der Zivilschutz den Auftrag.

Die über 30 Meter hohe Zeder vor dem Kinderheim Grünau in der Au fällt. Die Aufräumarbeiten übernimmt während der ganzen Woche der Zivilschutz.

Die über 30 Meter hohe Zeder vor dem Kinderheim Grünau in der Au fällt. Die Aufräumarbeiten übernimmt während der ganzen Woche der Zivilschutz. Bild: FLURIN BERTSCHINGER

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Die Kinder des Kinderheims Grünau sind angespannt. Zusammen mit dem Heimleiter, Mitarbeitern, Zivilschützern und der Stadträtin Felicitas Taddei (FDP) stehen sie in sicherem Abstand zur alten Zeder und schauen gebannt zu, wie Revierförster Georg Kunz den Baum zum Fällen vorbereitet. Das lange Schwert der Motorsäge frisst sich heulend in den dicken Baumstamm.

In der Baumkrone ist ein Stahlseil befestigt, noch hängt es nur leicht gespannt an der Seilwinde des Traktors.

Förster Kunz stoppt die Säge, ruft laut: «Achtung.» Mit einer Fernbedienung bedient er die Seilwinde, langsam spannt sich das Seil, und die rund 150 Jahre alte Zeder neigt sich knarrend zur Seite. Mit einem lauten Knall fällt der Baum in die Wiese. Sofort versammeln sich die Zuschauer um den Baumstrunk, und ein Zivilschützer zählt die Jahrringe: 136 an der Schnittstelle, weiter unten am Stamm kommen noch einige mehr dazu.

Eine Gefahr beim nächsten Sturm

Am Montag Morgen wurde in der Grünau die alte Zeder gefällt. «Nach dem Zählen ist klar, dass der Baum schon vor dem Haus da war», sagt Donald Specht, Leiter des Kinderheims Grünau. Das 1896 gebaute Haus gehört seit 1934 der Stiftung Kinderheim Grünau. Dem über 30 Meter hohen, weithin sichtbaren Baum sind seit längerer Zeit Äste abgestorben. «Den Sturm Lothar 1999 hat die Zeder noch überstanden, aber bei einem nächsten Sturm oder einem Blitzeinschlag könnte sie knicken», sagt Felicitas Taddei (FDP), Stadträtin und Stiftungsratsmitglied des Kinderheims. Zudem hätte der Baum zu wenig Platz gehabt, drückte die Gartenmauer zur Seite, führte zu sichtbaren Rissen in der Fassade und drohte, Wasserrohre im Heizungsraum zu beschädigen.

«Nachdem sich Experten den Baum angesehen hatten, war klar, dass er aus Sicherheitsgründen gefällt werden muss», sagt Specht. Neben der Fällung und der dadurch entstehenden Arbeit am Gelände müsse auch der einsturzgefährdete Eselstall unterhalb des Hauses abgebrochen werden. «Die Offerte für die Arbeiten belief sich auf rund 50 000 Franken.» Einen Betrag, für den die Stiftung unmöglich hätte aufkommen können. «So entstand die Idee, den Zivilschutz für diese Arbeiten anzufragen», sagt Taddei, «schliesslich wird hier direkt die zivile Bevölkerung geschützt.»

Beim Zivilschutz seien solche Aufträge willkommen, erklärt Kommandant Marcel Bättig. «Uns ist es wichtig, sinnvolle und professionelle Arbeit zu leisten.» Für den einwöchigen Einsatz in der Grünau hat er unter anderem einen Forstwart und Gartenbauarbeiter aufgeboten. Die eigentliche Fällung wurde aber durch Revierförster Kunz ausgeführt.

Ein Teil des Baums bleibt

Für die Kinder des Heims war es nicht einfach, sich von ihrem Kletterbaum zu trennen. Eunike Brüngger (11) drohte sogar, sich an den Baum zu binden, um die Fällung zu verhindern. Dass er krank war, habe sie lange nicht gewusst. Jetzt hilft sie beim Verfeuern der Äste. «Die Kinder beschäftigt die Fällung sehr», sagt Donald Specht. «Dass sie nun mithelfen können, versöhnt sie damit, dass ihnen der Baum weggenommen wurde.»

Ein Teil des Baumes wird am angestammten Platz bleiben: Die Zivilschützer werden aus dem dicken Baumstamm eine Sitzbank fräsen und diese auf dem neuen Plätzchen aufstellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2008, 22:15 Uhr

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