Der Käfig am Oetwiler Kirchhügel muss weg

Mit seinem Hundezwinger wollte der frühere Denkmalpfleger Christian Renfer die Oetwiler Schüler schützen. Nun muss er ihn wieder abreissen, denn der unschöne Bau ist nicht bewilligt.

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Ein Hundezwinger kann eine gute Sache sein. Oft ist man froh, dass die Metallkäfige ihre zähnefletschenden Bewohner daran hindern, einem an die Kehle zu springen. Seit einiger Zeit steht auch im Garten des Oetwilers Christian Renfer, des pensionierten Denkmalpflegers des Kantons Zürich, solch ein Zwinger.

Dieser beherbergt zwei riesige weisse Hunde, die einem mittelgrossen Mann mindestens bis zur Hüfte reichen. Sie gehören Renfers Sohn, der Vater passt jedoch auf die Hunde auf. Kommt man auf der Schulhausstrasse in ihre Nähe, beginnen sie sofort zu bellen und krallen sich mit den Vorderläufen am Gitter fest. Mit dem Zwinger will Renfer auf Nummer sicher gehen, auch weil sein Haus direkt am Schulweg liegt und täglich viele Kinder am Garten vorbeikommen - eigentlich ein vorbildliches Verhalten.

Sicherheit über das Ortsbild gestellt

Doch Hundezwinger haben auch eine negative Seite: Sie sind gänzlich unästhetisch und fügen sich - abgesehen etwa von einem industriellen Hinterhof - in kein Landschaftsbild ein. Sie vermitteln, wo auch immer, eine beklemmende Gefängnisatmosphäre. Da die Renfers im schmucken «alten Schuelhüsli» am Kirchhügel leben, wirkt der Zwinger mit seinen grauen Gitterstäben und Blechwänden besonders unschön, auch wenn er teilweise von Sträuchern verdeckt wird. Zudem denkt man angesichts des Käfigs unweigerlich, dass die Tiere darin wohl gefährlich seien, wenn sie eingesperrt werden müssen.

Angesichts dessen ist es schon ungewöhnlich: Ein Denkmalpfleger, der sich um das Ortsbild sorgt, errichtet vor seinem denkmalgeschützten Haus einen hässlichen Hundezwinger. Renfer selbst hat das über 200 Jahre alte Gebäude, das erste Schulhaus Oetwils, umfassend renoviert. Seit 1975 besitzt er mit seiner Frau das Baurecht für 80 Jahre. Der Bau des Zwingers lässt sich insofern rechtfertigen, als Renfer die Sicherheit der Passanten über das Erscheinungsbild seines Anwesens stellte.

Berücksichtigt werden muss aber auch die Vorgeschichte: Im Dezember 2006 bewilligte die Oetwiler Gemeindeversammlung Renfers Kaufgesuch für das Land, auf dem sein Haus steht. Der Verkauf war in der Versammlung jedoch stark umstritten: Der Preis für das Land sei zu niedrig, bemessen am hohen emotionalen Wert, den Oetwil diesem beimesse, sagte etwa die SP. Der Gemeinderat beschwichtigte, dass man das Grundstück sowieso kaum verändern könne, da es in einer Freihaltezone liege. An der Versammlung meldete sich auch Renfer zu Wort: Es sei ihm klar, dass das Grundstück am Kirchhügel ein wichtiger Ort für die Gemeinde sei.

Den Zwinger unbewilligt gebaut

Obwohl er demnach wusste, an was für einen - für die Oetwiler - sensiblen Ort er den Zwinger stellte, hat sich Renfer vor dessen Bau nicht um eine Bewilligung bemüht. Nun hat die Gemeinde nachträglich ein Baugesuch eingefordert - und dieses abgelehnt. Die Begründung der Oetwiler Behörden: Das Ortsbild würde durch den grossen Zwinger gestört. Zudem befinde sich das Haus in einer Freihaltezone.

Es fragt sich, wieso Renfer, der seit 1983 bei der kantonalen Denkmalpflege arbeitete und dieser ab 1995 bis zu seiner Pensionierung vorstand, es nicht besser wusste. Denn der Denkmalpfleger ist bestens mit dem Baurecht vertraut und weiss um die historische Bedeutung seines eigenen Hauses, wie Gemeindeschreiberin Barbara Kastenholz bei einer früheren Anfrage bestätigte. Renfer will zu dieser Sache keine Stellung nehmen. Fest steht nur so viel: Der Zwinger muss nun abgerissen werden. Was mit den Hunden geschieht und ob sich die Kinder auf dem Schulweg bald fürchten müssen, ist nicht bekannt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2008, 07:41 Uhr

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