Der Wolf und die lieben Geisslein

Mit Aufklärung und einem Theaterwettbewerb werben vier Schweizer Zoos für den Wolf und sammeln Geld für den Schutz von Viehherden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seit 1995 wandern Wölfe aus Italien und Frankreich in die Schweizer Alpen ein. In den Städten begeisterten sich viele Naturfreunde für diese Rückeroberung. In den Bergregionen aber fürchteten viele Bauern um ihre Schaf- und Ziegenherden, die wehrlos den Beutezügen der Raubtiere ausgesetzt waren. Heute leben zwischen 5 und 10 Wölfe, meistens Männchen, in der Schweiz. Besonders im Kanton Graubünden hat die Bevölkerung inzwischen gelernt, mit dem Wolf zu leben und die Herden wirksam zu schützen.

Geld für den Herdenschutz

Zooschweiz, die Dachorganisation der wissenschaftlich geleiteten Zoos der Schweiz, möchte diese positiven Erfahrungen weiter verbreiten und vertiefen. An der Aktion beteiligen sich in den kommenden zwölf Monaten die Zoos von Basel und Zürich und die Tierparks Goldau und Langenberg. Alle vier werden bei ihren Wolfsgehegen über die Einwanderung der Wölfe und die Sorgen der Nutztierhalter aufklären. Mit Geldsammlungen und dem Erlös aus einem Schultheaterwettbewerb will man die Bergbauern beim Herdenschutz unterstützen.

Gutes Beispiel Surselva

Wildhüter Kaspar Sax aus Obersaxen hat in seiner Region das Wiedererscheinen des Wolfs direkt miterlebt. An der Zürcher Eröffnung der Kampagne im Wildpark Langenberg berichtete er am Dienstag von seinen Erfahrungen. Im Sommer 1997 erhielt er die Meldung, auf einer Alp seien 15 Schafe tot aufgefunden worden - «wahrscheinlich vom Blitz getroffen». Wildhüter Sax wunderte sich, denn es hatte kein Gewitter gegeben. Er stieg zur Alp auf und sah sich die bereits ziemlich verwesten Kadaver an: Sie hatten keine Verbrennungen, aber grosse Wunden. Etwas später erfuhr er von älteren Bauern, sie hätten Spuren wie von einem sehr grossen Hund gefunden - doch es gebe hier keine grossen Hunde.

Bis in den Oktober dieses Jahres wurden in der Surselva rund 50 Schafe getötet. Niemand sprach mehr vom Blitz, aber die Bauern und die Behörden wagten es irgendwie auch nicht, das Wort «Wolf» in den Mund zu nehmen. Man redete drum herum, und die Versicherung zahlte die Schäden. Danach war es einige Jahre ruhig in dieser Region. Erst 2002 wurden wieder Schafe in der gleichen Art gerissen, und im Dezember ergab die DNA-Analyse von Speichelresten aus der Wunde eines toten Schafes: Der Wilderer war ein männlicher Wolf. Seither lebt das Tier in der Surselva, allein, noch ohne Weibchen und Nachwuchs. Die Bündner Bergbauern stellten sich auf die neue Situation ein. Sie liessen ihre Schafe und Ziegen nicht mehr ohne Hirten auf die Alp. Und sie schafften sich grosse Schutzhunde an. Nachts trieben sie ihre Herden in Gehege.

Der Wolf sorgt für Gesundheit

Mit gutem Erfolg: Seit 2006 hat der Surselva-Wolf kein Nutztier mehr gerissen. Im Sommer jagt er über der Baumgrenze nach Murmeltieren und geschwächten Gämsen, im Winter hält er sich in den Wäldern auf. Und wo er lebt, ist das Wild nicht weniger, dafür gesünder geworden. Die gefürchtete Gämsblindheit, eine zum Tod führende Infektionskrankheit, ist im Wolfsrevier verschwunden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 08:02 Uhr

Blogs

Sweet Home Das tut Frauenwohnungen gut

Geldblog Was bei Geldanlagen wirklich wichtig ist

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...