Der hochgelobte Adliswiler Gas-Deal gerät in die Kritik

Der Verkauf der Gasversorgung sei «ein super Geschäft», hiess es im Adliswiler Gemeinderat. Das stimmt nur für die Stadt, nicht aber für die Gasbezüger, sagt ein Hausbesitzer.

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Selten hat der Gemeinderat den Stadtrat derart mit Lob überhäuft wie an der Sitzung vom 3.September. «Kluger Schritt», «Riesenchance», «super Geschäft», kommentierten Gemeinderäte von rechts bis links den vom Stadtrat geplanten Verkauf der Gasversorgung an die Erdgas Zürich AG.

14 Millionen Franken spült der Deal nach Adliswil – willkommenes Geld für die gebeutelte Stadtkasse. 11 Millionen stammen vom Verkauf und rund 3 Millionen aus dem Fonds «Spezialfinanzierung». Gefüllt wurde diese Kasse mit dem Gewinn aus dem Verkauf von Gas an die aktuell rund 1000 Bezüger. Der Fonds gleicht Schwankungen im Geschäftsgang aus, ohne dass dafür die Tarife gehoben werden müssen.

Diese 3 Millionen Franken, sagt jetzt ein Liegenschaftenbesitzer, gehörten aber nicht allen Adliswiler Steuerzahlern, sondern ausschliesslich den Gasbezügern. «Sie haben im Laufe der Jahre zu hohe Tarife bezahlt. Das Geld müsste ihnen zurückerstattet werden», sagt er, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zumindest hätte auf die letzte Tariferhöhung verzichtet werden müssen; schliesslich habe der Stadtrat schon damals gewusst, dass er die Gasversorgung abstossen will.

Drei Millionen in der Spezialkasse

Das ist nicht seine einzige Kritik am Stadtrat. Er habe im Laufe der öffentlichen Debatte noch nie von einer Zusicherung der Erdgas Zürich AG gelesen, den Adliswilern das Gas künftig zum gleichen Tarif wie den Stadtzürchern abzugeben. «Die Erdgas Zürich AG muss für Kaufpreis und die 20-jährige Abschreibungsdauer mit Kosten von 15,4 Millionen Franken rechnen. Das ergibt pro Kilowattstunde fast einen Rappen, die Gasbezüger aus Adliswil mehr bezahlen müssten», rechnet der Besitzer eines Fünffamilienhauses vor. Und sagt damit auch: Die Adliswiler Gaskunden würden so zum zweiten Mal für das Versorgungsnetz bezahlen.

Stadtrat und Werke-Vorstand Patrick Stutz (SVP) lässt die Kritik nur ansatzweise gelten. Die Summe von 3 Millionen Franken im Spezialfonds sei nötig gewesen als Reserve für den Bau von Leitungen und zusätzlichen Erschliessungen. «Es wurden keine zu hohen Tarife bezahlt. Die Preise lagen auf gleicher Höhe wie die der umliegenden Gemeinden – mit Ausnahme der Stadt Zürich.» Der anonyme Hausbesitzer habe einen anderen Betrachtungswinkel. Er selber habe keine Mühe damit, dieses Geld in die Stadtschatulle zu überweisen, schliesslich gehöre die Gasversorgung der Stadt.

Künftig tiefere Gas-Preise in Adliswil

Beruhigend auf den Kritiker wirkt dagegen Stutz’ Aussage, die Erdgas Zürich AG verrechne den Gasbezügern in Adliswil keine Sonderpreise. «Die Erdgas Zürich AG wendet in Adliswil die gleichen Tarife an wie in Zürich. Die Adliswiler zahlen künftig also gleich wenig wie die Stadtzürcher», sagt Stutz.

Derzeit beträgt der Preisunterschied pro Kilowattstunde je nach Höhe des Verbrauchs rund einen Rappen – zugunsten der Adliswiler. «Mit der Zusage der Erdgas Zürich AG, das Gas in Adliswil zum gleichen Preis wie in Zürich zu verkaufen, sieht die Situation anders aus. Ich gratuliere dem Stadtrat zu diesem Deal», sagt der kritische Gasbezüger. Er weist aber darauf hin, dass die Adliswiler auch ohne den Verkauf ihrer Gasversorgung zu günstigeren Tarifen gekommen wären – indem sich der Stadtrat an der Erdgas Regio AG beteiligt hätte. In diesem Zusammenschluss verschiedener Gasversorgungen erledigt die Erdgas Zürich AG den gesamten Einkauf und ersteht Gas auf diese Weise günstiger als ein kleiner Bezüger.

Patrick Stutz bestätigt zwar, dass Adliswil sein Gas so «vielleicht günstiger» hätte beziehen können. Die tieferen Tarife der Erdgas Zürich AG hätte Adliswil aber dennoch nicht erreicht, die direkte Verteilung sei eben günstiger, sagt Stutz. Ausserdem habe der Stadtrat entschieden, dass die Gasversorgung keine Kernaufgabe der Stadt sei. Deshalb sei man der Erdgas Regio AG auch nicht beigetreten.

Die Adliswilerinnen und Adliswiler können am 30.November über den Verkauf ihrer Gasversorgung an der Urne abstimmen. Patrick Stutz rechnet mit einem Ja. «Wenn das Parlament ein Geschäft für gut befindet, darf man für die Volksbefragung zuversichtlich sein.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2008, 21:48 Uhr

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