Die SOB - eine Gebirgsbahn

Zwischen Wädenswil und Samstagern liegt eine der steilsten Normalspurstrecken der Schweiz. Wenn eine Lok nicht reicht, setzt die SOB zusätzlich Schublokomotiven ein.

Die Steigung nach Samstagern hinauf schafft der Voralpen-Express oft nur, weil eine zusätzliche Lokomotive schiebt. (Bild: PD)

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Zwischen Wädenswil und Samstagern muss der Voralpen-Express eine Steigung von 50 Promille überwinden. Das schaffen die Lokomotiven in den Standardkompositionen des Voralpen-Expresses nur mit fünf Wagen. Wenn es unüblich viele Fahrgäste hat und Zusatzwagen eingesetzt werden, muss eine zweite Lok den Zug schieben.

Es ist 13.58 Uhr. Der Voralpen-Express 2422 erreicht Rapperswil. Für die Passagiere unbemerkt, fährt eine Lok von hinten an den letzten Wagen und wird angekuppelt. Der Zug verlässt den Bahnhof und fährt über den Seedamm. «Beim Anfahren helfe ich ein bisschen mit, damits schneller geht», sagt Lokführer Martin Ulrich, der heute als Lokführer der Schiebelok fungiert. Seine eigentliche Arbeit beginnt nach Freienbach, wo die Steigung beginnt. Ab hier wird geschoben.

Zurück nach Samstagern ins Depot

«Die Schiebelok muss so viel Kraft aufwenden, wie die Zuglok nicht ziehen kann», sagt Martin Ulrich. Ein Zusatzwagen wiegt 34 Tonnen; in unserem Fall sind es drei Wagen, also 102 Tonnen. Die Daten, wo wie viel Kraft eingesetzt werden muss, entnimmt Ulrich den Tabellen in den Fahrplanunterlagen, und während der Fahrt beobachtet er das Amperemeter. Und natürlich helfen ihm seine Streckenkenntnisse.

Ulrich erhöht die Leistung, der Zug mit zwei Loks und acht Wagen erklimmt die Steigung und erreicht Biberbrugg. Im Bahnhof hängt ein Rangierer die Schiebelok ab. Der Lokführer erklärt: «Ich schiebe noch ungekuppelt bis auf die Höhe der Steigung, dann fährt der Zug allein weiter.» Bei der «Wettertanne», zwei Kilometer hinter Biberbrugg, ist es soweit: Martin Ulrich verlangsamt die Fahrt, und der Zug vor uns fährt davon. Der Lokführer deutet zum Fenster hinaus und schmunzelt: «Es gab schon Leute, die am Bahnhof angerufen und gesagt haben, da stimme etwas nicht: Ein Zug sei seiner Lok davongefahren.»

Wir wechseln den Führerstand, und die Schiebelok fährt nach Samstagern zurück. Martin Ulrich stellt sie ins Depot. Für heute ist Feierabend; mit sechs Schubfahrten war es ein normaler Tag.

Flirts schaffen die Steigung locker

Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, auf den aufwändigen Schubdienst zu verzichten. Die fehlende Kraft der Lokomotiven ist allerdings nicht der einzige Faktor, der die Kapazitäten an der Steilrampe begrenzt. Auch die Physik setzt Grenzen: Vom Stahlrad auf die Schiene kann nicht unendlich viel Kraft übertragen werden; zwei Zugloks mit acht angetriebenen Achsen bringen mehr als eine doppelt so starke Lok (siehe Kasten). Zudem ist die Zughakenlast der Kupplung in Steigungen von 50 Promille auf 650 Tonnen beschränkt - es können nicht unendlich viele Zusatzwagen angehängt werden.

Für die Flirts, die neuen NahverkehrsTriebzüge der Südostbahn, ist die Steigung kein Problem; die Überwindung der Rampen war eine Voraussetzung für ihre Beschaffung. Dieser Fahrzeugtyp könnte auch für die Nachfolge des Voralpen-Expresses in Frage kommen.

Peter Donatsch ist Fotograf und Autor. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2008, 07:47 Uhr

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