Die Schiessanlage Kohltobel in Bauma wird begraben

Die Schiessanlage Kohltobel, ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Bauma, Wila und Wildberg, ist definitiv vom Tisch. Der Zweckverband wird aufgelöst.

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Die einen werden sich freuen, die anderen dürften entsetzt sein: Das Projekt einer modernen Schiessanlage im Kohltobel ist endgültig vom Tisch. Gestern teilte der Gemeinderat von Bauma mit, dass die drei beteiligten Gemeinden Bauma, Wila und Wildberg definitiv davon absehen, ein neues Baugesuch für eine Schiessanlage zu stellen. Weil damit die Grundlage für den einst gegründeten Zweckverband Schiessanlage Kohltobel wegfällt, soll er aufgelöst werden.

Der Gemeinderat vom Bauma hatte der Schiessanlage im Kohltobel am 27. Februar 2002 die baurechtliche Bewilligung erteilt. Gegen das Vorhaben erhob die Interessengemeinschaft Kohltobel Einsprache. Am Ende des Verfahrens am 30. Mai 2005 hiess sie das Bundesgericht gut. Der Zürcher Regierungsrat hob in der Folge am 1. Februar 2006 die kantonalen und kommunalen Verfügungen und Bewilligungen auf. Das Bundesgericht hielt in seiner Urteilsbegründung fest, dass die Standortevaluation und damit auch die erforderliche Interessenabwägung nicht genügend dokumentiert gewesen seien. Ausserdem wurde bemängelt, dass ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) fehlte und das Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission nicht genügend war.

Das Gebiet Kohltobel gehört zum Objekt «Hörnli-Bergland (Quellgebiete der Töss und der Murg)» des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Die ENHK kommt im nachgeholten Gutachten vom 14. August 2007 zum Schluss, dass die Realisierung einer Schiessanlage im Gebiet Kohltobel zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der Schutzziele führen würde. Die Kommission fordert deshalb, sowohl vom Standort Kohltobel als auch von einem Standort innerhalb des übrigen Schutzgebiets definitiv abzusehen. Ausnahmen wären nur möglich, wenn gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler Bedeutung vorliegen würden. Gemäss ENHK ist diese Voraussetzung hier aber nicht gegeben, weshalb ein Standort im Schutzgebiet nicht zwingend notwendig ist.

Alte Anlagen bleiben – vorerst

Wie der Baumer Gemeinderat gestern mitteilte, sähen die drei beteiligten Gemeinderäte deshalb von einer Eingabe eines erneuten Baugesuchs für eine Schiessanlage im Kohltobel ab. Damit werde ein weiteres Kapitel in der Geschichte um die Realisierung einer regionalen Schiessanlage abgeschlossen. «Seit rund 40 Jahren wurden diverse Studien und Projekte in der Region verfolgt, bisher scheiterten aber alle Vorhaben. Wie es jetzt weitergeht, ist noch unklar», schreibt der Gemeinderat. Für die in Betrieb stehenden Anlagen in den Gemeinden Bauma und Wila wurde die Sanierungsfrist im Hinblick auf das Ersatzprojekt seinerzeit aufgeschoben, was für die Nachbarn der Schiessanlagen in Wila und im Baumer Weiler Dillhaus erhebliche Lärmbelastungen bedeutet. Sie dürften über das Aus des Kohltobel-Projekts denn auch wenig erfreut sein, weil nun ein erneuter Aufschub über das Jahr 2008 hinaus notwendig wird, da noch keine Lösungen des Schiessanlage-Problems in Sicht sind. «Unser altes Schützenhaus im Dillhaus ist auch mit grösseren Investitionen praktisch nicht zu sanieren, weil die nächsten Siedlungen so nah sind. Die jetzige Bewilligung läuft bis Ende 2008. Danach werden wir uns um eine Verlängerung bemühen müssen», sagte der Baumer Gemeindeschreiber Bruno Bähler. Die Frage sei, wie lange der Kanton noch bereit sei, solche Ausnahmegenehmigungen zu erteilen.

Der Wilemer Sicherheitsvorstand Willi König (parteilos) bestätigte, dass nun verschiedene Optionen offen seien. Man habe sich in den letzten Jahren bereits mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass das Kohltobel definitiv nicht gebaut werde. Sowohl eine eigene Lösung an einem anderen Bauplatz als auch der Einkauf in eine bestehende Anlage einer anderen Gemeinde seien schon diskutiert worden. Genauere Angaben wollte König mit Hinweis auf das umstrittene Thema aber nicht machen. Auch er hoffe, dass die Ausnahmebewilligungen für die alte Anlage unweit des Dorfes noch lange genug erteilt würden, damit für die Wilemer und Wildberger Schützen eine Alternative gefunden werden könne. Die Wildberger benutzen die Anlage in Wila seit einigen Jahren mit, nachdem das Schützenhaus in Wildberg geschlossen werden musste. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 23:08 Uhr

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