Die leise Musik ertrug kein Räuspern

Am Sonntag ist ein alter Wunsch des Konzertveranstalter-Paares Brita Ostertag und Philipp Bachofner in Erfüllung gegangen: Emma Kirkby gab bei ihnen ein Konzert.

Jakob Lindberg und Emma Kirkby.

Jakob Lindberg und Emma Kirkby. Bild: PD

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Die Sopranistin Emma Kirkby singt Lieder aus dem 15. und 16. Jahrhundert und gehört zu den Top Ten der Sopranistinnen. Ihre glasklare Stimme hatte Philipp Bachofner fasziniert, als er «als Flötist vor 20 Jahren die Fühler Richtung Musikwelt ausstreckte». Seit 15 Jahren ist er Konzertveranstalter und erklärt: «Emma Kirkbys schlichte Gesangskunst mit der reichen Ornamentik gefällt mir.» Letztes Jahr erlebte er sie live. Die Konzertkritik im «Tages-Anzeiger» verstärkte seinen Wunsch, die begnadete Sängerin auch seinem Konzertpublikum präsentieren zu können.

Schwerelos singen

Am Sonntag nun durfte er sie ansagen, denn sie hatte auf Anhieb zugesagt. Zusammen mit dem Lautenisten Jakob Lindberg betrat die Sängerin mit den schulterlangen Locken die Bühne der Konzertscheune im Neuguet.

Mit «Sweet, come again» begann die Rückblende in die Zeit, als der englische Dichter William Shakespeare lebte: 1564 bis 1616. Der Komponist des dargebotenen Liebesliedes, Philip Rosseter, war dessen Zeitgenosse. Emma Kirkby holte den damaligen Liebesschmerz singend in die Gegenwart.

Erstaunlicherweise blieb sie dazu auf der Augenhöhe des Lautenisten, sie sang sitzend auf dem Stuhl. Später stand sie auf, was jedoch keinen Klangunterschied ergab. Ihr Körper hatte stets die optimale Spannung, um mühe- und schwerelos zu singen. Mit ruhigen Gesten verdeutlichte sie manche Textpassagen. Energisch etwa beschloss sie William Lawes Lied «Why so pale?» mit der Zeile: «The devil take her!» Das Publikum lachte und genoss die weiteren Melodien aus der Zeit der Renaissance.

Stille für die Fantasia

Jakob Lindberg mit seiner Laute war ein einfühlsamer Begleiter, spielte aber auch solo. Bevor er sein drittes Solo begann, stimmte er sein Instrument aus dem Jahre 1590 und spielte das geheimnisvolle Motiv der «Fantasia – Saraband» von Cuthbert Hely vor. Er hatte auf den zehn Doppelsaiten nur wenige Takte angeschlagen, als er wieder stoppte. Die Geräusche im Saal hatten ihn gestört. Emma Kirkby erteilte darauf dem Publikum eine kurze Alexandertechnik-Lektion. «Lassen Sie ihre Zunge locker», riet sie, um zu erreichen, dass niemand husten oder sich räuspern müsse. Ein Schmunzeln ging durch die Reihen, und es wurde mäuschenstill.

Lindberg liess virtuos die Töne perlen. Der begeisterte Schlussapplaus löste zwei Zugaben aus. Dankbar für den erfüllten Wunschtraum übergaben Brita Ostertag und Philipp Bachofner dem Künstlerpaar Blumen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 22:52 Uhr

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