Dietlikon: Gemeinderat kontert Coop-Kritik

Der Dietliker Gemeinderat weist massive Vorwürfe von Coop zur Planung in Dietlikon-Süd entschieden zurück. Von einer Enteignung könne keine Rede sein.

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«Der mehrfach geäusserte Vorwurf seitens Coop, es seien Vorschriften ohne Rücksicht auf die Betroffenen erlassen worden, ist unhaltbar», sagt Verena Albrecht. Die Dietliker Bauvorsteherin wehrt sich in einer schriftlichen Stellungnahme gegen die von Coop am vergangenen Freitag öffentlich gemachte Kritik an den behördlichen Plänen für das Einkaufsgebiet Dietlikon-Süd.

Den von den beiden Coop-Vertretern Theo Frei (Coop Direktion Immobilien) und Theo Jost (Leiter Verkaufsregion Zentralschweiz-Zürich) auf zwei A4-Seiten aufgeführten Kritikpunkten widerspricht Albrecht vehement. Nicht statthaft sei etwa die von Coop aufgestellte Behauptung, dass man den Planungsvorschlag und deren Vorschriften im stillen Kämmerlein ausgearbeitet habe. Vielmehr habe man mit den betroffenen Grundeigentümern im Laufe der Planung «zahlreiche, auch bilaterale Gespräche geführt, ihre Anregungen entgegengenommen und wenn möglich in die Planung einfliessen lassen». Auch mit Coop hätten mehrere Gespräche stattgefunden, laut Albrecht letztmals am 9. Juni.

Keine Entschädigungsforderungen

Dass zwei Coop-Mitarbeiter, die an den bisherigen Gesprächen nicht teilgenommen haben und der Bauvorsteherin bisher unbekannt waren, nun «nachträglich, öffentlich und teilweise sachlich falsch» die Vorlage als gänzlich untauglich hinstellen, sei «höflich gesagt irritierend», sagt Albrecht. Mit deutlichen Worten drückt die Dietliker Bauvorsteherin aber auch inhaltlich ihr Befremden über die Stellungnahme von Coop aus.

Wichtigster Kritikpunkt seitens Coop sind die finanziellen Folgen der Planungsvorlage. Einerseits seien die darin vorgesehenen Ausgaben von 19 Millionen Franken nur sehr ungenau und für die Gemeinde als gebundene Ausgaben «ein grosses Risiko», andererseits würden Grundbesitzer in besagtem Gebiet ohne angemessene Vergütung «faktisch enteignet».

Albrecht verweist nun darauf, dass es im Kanton üblich sei, solche Ausgaben als gebunden zu genehmigen. Andernfalls würden sie als spätere Kreditvorlagen torpediert. Weiter habe der Kanton seine Beteiligung zugesichert, und auch vom Bund rechne man mit einem Zustupf.

Was etwelche juristisch einklagbare Entschädigungszahlungen anbelangt, verweist die Bauvorsteherin auf Folgendes: Zwar müsse die Gemeinde an einzelnen Stellen Land von den Betroffenen Eigentümern beschaffen, doch bleibe die mögliche Ausnutzung der Flächen beim Eigentümer.

Ebenfalls als Wertminderung angeprangert wird von Coop die Reduktion der Baumassenziffer von 10 auf 8 Kubikmeter pro Quadratmeter. Laut Albrecht habe der Gemeinderat abgeklärt, ob diese Massnahmen zu einem einklagbaren Minderwert der betroffenen Grundstücke führt. «Gemäss gefestigter Rechtsprechung bedeuten die im Gestaltungsplan verankerten Bestimmungen keine materielle Enteignung; es sind somit keine Entschädigungsforderungen zu erwarten», sagt Albrecht.

Auch die arg kritisierte Platzgestaltung vor dem Coop-Megastore (Platz West) und vor dem Coop-City (Platz Ost) mit Kostenbeteiligung des Grossverteilers lässt Albrecht nicht gelten. Der Westplatz würde erst realisiert, wenn Coop einen Um- oder Neubau der Liegenschaft vornehme. Zudem sei die ursprünglich vorgesehene Freifläche im Gestaltungsplan bereits in Absprache mit Coop reduziert worden.

In ihrer Stellungnahme zu den Vorwürfen von Coop lässt Albrecht durchblicken, dass der Gemeinderat für das Mammutprojekt kämpfen werde. Man wolle die Fakten richtigstellen und sei zuversichtlich, «dass die Stimmberechtigten sich durch solche Interventionen nicht den Blick auf die grundlegenden Ziele und Instrumente der Planung für Dietlikon-Süd vernebeln lassen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.09.2008, 07:24 Uhr

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