Dignitas: Asche von Toten im Zürichsee entsorgt

Zwei Mitarbeiter der Sterbehilfeorganisation Dignitas wollten in Stäfa die Asche von Toten in den Zürichsee schütten.

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Zeuge der Entsorgungsaktion war ein Hausbesitzer, dessen Grundstück sich in Ufernähe befindet. Er will anonym bleiben. Der Mann beobachtete, wie ein Unbekannter mit schwarzem Mantel und eine korpulente Frau in der Nähe des Seeufers damit beschäftigt waren, Graburnen aus Styroporschachteln auszupacken. «Die wollten Asche in den See schütten», sagte der Hausbesitzer gegenüber der «Zürichsee-Zeitung». Als er die beiden fragte, ob sie von Dignitas seien, bejahten sie dies. Ob sie die Entsorgung wirklich vollzogen, ist unklar. Im Lieferwagen hätten sich rund 20 Urnen befunden. Die Sterbehilfeorganisation antwortete nicht auf eine Anfrage. Exit, eine andere Sterbehilfeorganisation, verneint, etwas mit der Aktion zu tun zu haben. «Exit hat keinen Einfluss auf die Bestattungsart und bietet auch keinerlei solche Dienstleistungen an», sagt Vorstandsmitglied Bernhard Sutter.

Seebestattungen nicht geregelt

Diese Art der Entsorgung der Asche von Verstorbenen sei gängige Praxis gewesen, sagte Soraya Wernli, ehemalige stellvertretende Geschäftsführerin von Dignitas, gegenüber Radio 24. Geschäftsführer Ludwig A. Minelli habe im Kartoffelkeller die Urnen gesammelt. Sobald mehrere Behälter beisammen waren, wurde die Asche im See entsorgt. Den Angehörigen der Verstorbenen versprach die Organisation eine Seebestattung.

Rechtlich sind Seebestattungen nicht klar geregelt. Das Gewässerschutzgesetz schreibt lediglich vor, dass wasserverunreinigende Stoffe nicht eingelassen werden dürfen. Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) erteilt einzelne Bewilligungen für Bestattungen im See. Gewerbsmässige Bestattungen will das Awel aber verbieten. Das Amt wird deshalb Dignitas einen Brief schreiben mit der Bitte, Seebestattungen künftig zu unterlassen. Zahlen über diese Bestattungsart sind keine erhältlich. Der Betreiber eines Seetaxis sagt, dass er höchstens einmal jährlich einen solchen Auftrag erhalte. Nur ganz vereinzelte Bestattungsunternehmer bieten diesen Service an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2008, 06:44 Uhr

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