Drei Ziegen bringen Leben ins Altersheim

Bald in jedem zweiten Heim in der Schweiz leben auch Tiere. Mit einer Studie will der Heimverband die Zahl noch steigern. Denn Hunde, Katzen und Ziegen tun den Betagten gut.

Die Ziegen liefern den Heimbewohnerinnen in Erlenbach Gesprächsstoff und lösen Emotionen und Erinnerungen aus.

Die Ziegen liefern den Heimbewohnerinnen in Erlenbach Gesprächsstoff und lösen Emotionen und Erinnerungen aus. Bild: Dominique Meienberg

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Im Alterswohnheim Gehren in Erlenbach leben seit Ende Mai auch drei Walliser Zwergziegen in einer Aussenanlage. Vor dem Mittagessen gehen oder rollen zehn Bewohnerinnen und Bewohner in ihr Revier und strecken ihnen Holunderzweige entgegen. Die Ziegen traben herbei, knabbern an den Ästen und steigen auf den einen oder anderen Rollstuhl oder Rollator. Ihre Glöcklein bimmeln, und die alten Menschen lächeln, lachen oder schwatzen. «Ich wuchs als Bauernkind im Berner Oberland auf und bin froh, haben wir hier jetzt Tiere, das bringt Leben ins Heim», sagt die über 90-jährige Klara Plüss.

Stephen Luchsinger, der Heimleiter im Gehren, beurteilt die ersten Erfahrungen mit den Zwergziegen positiv: «Sie regen den sozialen Kontakt zwischen Bewohnerinnen, Mitarbeiterinnen und Besuchern an, bringen Abwechslung, bieten emotionale Erlebnisse und liefern Gesprächsstoff.» Auch Markus Leser, der Autor der eben erschienenen Publikation «Mensch-Tier-Beziehungen: Tiereinsätze im Heimbereich», ist überzeugt: «Die positive Wirkung von Tieren ist unumstritten; sie gehören, wenn immer möglich, in eine Institution.»

Angst vor Dreck und Arbeit unnötig

Leser ist Leiter des Fachbereichs Alter von Curaviva, dem Verband Heime und Institutionen Schweiz, und er hat sich für seine Publikation mit allen Facetten der Mensch-Tier-Beziehung beschäftigt. Die oft gehörten Gegenargumente lässt er nicht gelten: die Angst vor mangelnder Hygiene und einer Mehrbelastung. Mit einfachen Regeln lasse sich Hygiene sicherstellen, und mit einer guten konzeptionellen Einbettung müsse das Personal keine zusätzliche Arbeitsbelastung befürchten.

Zum Gebimmel der Ziegen erläutert Leser vier verschiedene Möglichkeiten, Tiere in Heimen einzusetzen. Nebst heimeigenen Tieren wie den Zwergziegen nennt er auch Tiere von Mitarbeitenden, die regelmässig vorbeikommen, Besuchstiere wie speziell ausgebildete Therapiehunde und Haustiere von Heimbewohnern. Vor allem bei Letzteren sei es wichtig, die Details in einem Vertrag zu regeln. Nur in wenigen Heimen bestünde ein generelles Verbot, Tiere mitzubringen, und es lohne sich immer anzufragen. Auch im Altersheim Gehren wird jeder Fall individuell beurteilt.

Luchsinger erzählt von einer unkomplizierten Hauskatze, die sich nach dem Umzug ins Heim zu einer abenteuerlichen Fassadenklettererin entwickelte und die ihrer Besitzerin und den anderen Heimbewohnern so viel Stress bescherte, dass sie schliesslich doch wieder ausziehen musste. «Auch das kommt vor.»

«Balzo ist ein Schöner und Lieber»

Durchwegs positive Erfahrungen sammelte Luchsinger mit dem Therapiehund Balzo, der alle zwei Wochen mit seiner Besitzerin zu Besuch kommt und auch bei der Demonstration für den TA eine gute Figur macht. Der Grosspudel haart nicht, knurrt nicht und befolgt die Anweisungen genau. Er geht von einem alten Menschen zum nächsten, schaut fragend auf, lässt sich streicheln und rückt etwas näher. «Balzo ist ein Schöner, Lieber und Aufmerksamer», sagt Hermine Bächi, «ich freue mich immer, ihn wiederzusehen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 22:58 Uhr

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