Ein Ehepaar, das alles für die Katze tut

Was passiert mit dem Büsi, wenn Frauchen ins Spital muss? Zwei Katzenfans haben SeniorCat gegründet, um in solchen Fällen helfen zu können.

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Virginia und Michael Knaus, die in ihrer Freizeit oft unterernährte Babykatzen aufpäppeln, treffen immer wieder ältere Menschen, die sich sehnlich eine Katze wünschen. «Viele sind den ganzen Tag alleine und hätten viel Zeit und Liebe, die sie einer Katze schenken könnten», erklärt Michael Knaus. Doch getrauten sich die betroffenen Senioren oft nicht, sich eine Katze zuzulegen, weil sie befürchteten, dass sie eines Tages nicht mehr für das Tier sorgen könnten.

Virginia Knaus fährt freiwillig für den Tierrettungsdienst und sieht in Tierheimen viele Katzen, die ein Plätzchen suchen. Es stimmt sie traurig, dass die älteren Vierbeiner unter ihnen oft nur schwer vermittelbar sind, weil die Mehrheit lieber ein «herziges junges Büsi» will. Das brachte die Volketswilerin auf die Idee, Katzensenioren an Senioren zu vermitteln.

Alte Katzen sind verschmuster

Man sagt, dass Katzen ab etwa acht Jahren häufig verschmuster und ruhiger seien. Das wissen ältere Menschen zu schätzen. Da es wichtig ist, dass die Chemie zwischen Mensch und Katze stimmt, bietet Virginia Knaus ihre Unterstützung an, indem sie gemeinsam mit der älteren Person nach einer geeigneten Katze sucht. Dabei werden auch die Wohnverhältnisse berücksichtigt und die Frage, ob eine Samtpfote Freilauf braucht. Ist jemand nicht mehr mobil, fährt Knaus die Dame oder den Herrn ins Tierheim. Diese Dienstleistungen sind kostenlos.

Freiwilligenarbeit für die Katze

Im letzten Sommer gründeten Virginia und Michael Knaus SeniorCat. Die beiden haben unzählige Stunden Freiwilligenarbeit in ihr Projekt investiert, das sich noch im Aufbau befindet. Später soll SeniorCat als Stiftung registriert werden. «Wir erledigen die ganze Arbeit in unserer Freizeit», sagt Michael Knaus, «es geht uns primär um das Wohl der Katzen und darum, etwas für ältere und alleinstehende Menschen zu tun.»

Viele Tierbesitzer beschäftigen sich mit Fragen wie: «Wer kümmert sich um Tigerli, wenn ich plötzlich ins Spital muss? Was passiert mit ihm, wenn ich ins Altersheim muss? Wer schaut nach meinem Tod zu ihm?» Auch in solchen Fällen bietet SeniorCat Unterstützung an. Muss ein Katzenhalter notfallmässig ins Spital, hilft die Organisation, einen Heimtierbetreuer zu finden.

Melden können sich bei SeniorCat alle älteren Katzenbesitzer – sowie alleinstehende Katzenbesitzer aller Altersgruppen. Vorerst wollen sich die Gründer auf die Bezirke Uster, Hinwil und Pfäffikon konzentrieren. «Wir bieten den Leuten eine Absicherung, dass wir uns um ihre Katzen kümmern, wenn ihnen etwas zustösst», erklärt Michael Knaus. Der 39-Jährige plant, eine Datenbank aufzubauen, in der wichtige Infos der registrierten Katzen festgehalten sind. Die Tierbesitzer sollen einen Notfallausweis erhalten, den sie stets auf sich tragen können. Darin steht beispielsweise, dass Frau B. zwei Katzen hat. Aufgeführt sind ausserdem die Telefonnummer des Tierarztes und diejenige von SeniorCat. Wer bei SeniorCat anruft, erfährt dann beispielsweise dank der Datenbank, dass Schneeflöckli ein Nierenleiden hat und ein Spezialfutter benötigt.

Falls ein Tierbesitzer stirbt, kümmert sich das Ehepaar darum, dass die Katze erneut ein Zuhause findet, wo sie artgerecht gehalten wird. Auch für diese Dienstleistungen verlangen Virginia und Michael Knaus, die selbst sieben Stubentiger besitzen und sich als «total katzenverrückt» bezeichnen, kein Geld.

Nur für Katzen, nicht für Hunde

Das Angebot auf Hunde auszuweiten ist für Michael Knaus jedoch kein Thema: «Ich mag Hunde sehr gern. Ich würde mir dies jedoch mangels Erfahrung nicht zutrauen – mit Katzen haben wir schliesslich 20 Jahre Erfahrung.» Der Katzenfan kann sich aber durchaus vorstellen, später mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der sich seinerseits sehr gut mit Hunden auskennt.

Da es vielen älteren Menschen Mühe bereitet, schwere Säcke mit Katzenstreu sowie Katzen- und Hundefutter zu schleppen, bietet das Ehepaar Knaus auch einen Heimlieferservice an. «Das ist der kommerzielle Teil unseres Projekts», erklärt Michael Knaus. «Wir hoffen, dass wir viele Bestellungen erhalten, und dass der Futterservice früher oder später Gewinn abwirft. Unser Ziel ist es, mit dem Überschuss einen Teil der Unkosten von SeniorCat zu decken – zum Beispiel die Benzin- und Telefonspesen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2008, 07:23 Uhr

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