Ein Klassentreffen wird zum Dorffest

Obermeilen feierte am Samstag die Eröffnung des Schulhauses mit einem rekordverdächtigen Anlass: Mehr als 700 Personen kamen zum Klassentreffen.

Fotoalben und Geschichten von früher sorgten am Klassentreffen im Schulhaus Obermeilen für Erheiterung.

Fotoalben und Geschichten von früher sorgten am Klassentreffen im Schulhaus Obermeilen für Erheiterung. Bild: Daniel Wagner

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Samstagabend, kurz nach 18 Uhr: Die neue Schulanlage Obermeilen, die bereits tagsüber mit zahlreichen Aktivitäten und einem Spielnachmittag für Kinder der Bevölkerung vorgestellt worden ist, gleicht einem regelrechten Bienenhaus. Über 700 ehemalige Schülerinnen und Schüler haben die Turnhalle und das Festzelt für sich in Beschlag genommen. Denn die Wachtvereinigung Obermeilen (Wavo) hatte zu einem Mega-Klassentreffen aufgerufen, das sich an die Schüler der vergangenen 70 Jahre richtete.

Junge Erwachsene, aber auch solche mit grauen Haaren, sind in den Reihen auszumachen. Zum Teil sind sie aus anderen Landesteilen oder gar aus dem Ausland angereist. Zu den Jüngeren gehört der 24-jährige Pascal Merz aus Meilen. Er betritt die Turnhalle und hält sogleich Ausschau. «Ich hoffe natürlich, Kollegen und Freunde meiner Klasse oder meines Jahrgangs wieder zu sehen», sagt er und fügt an: «Nein, ein solches Klassentreffen ist bestimmt keine verstaubte Sache, sondern eine geniale Idee der Veranstalter.»

Alte Zeiten sorgen für Gesprächsstoff

Viele haben sich mittlerweile eingefunden, plaudern, tauschen Neuigkeiten aus, reichen die Fotoalben früherer Zeiten herum, scherzen über das Aussehen von damals und lassen so die «guten alten Zeiten» wieder aufleben. Die Macher haben es verstanden, die Jahrgänge auf originelle Art und Weise zu vereinigen: Die Etiketten der offerierten Weissweinflaschen tragen Jahrgangszahlen.

Sich zu treffen und zu plaudern ist das eine, mehr über den grossen Wandel in der Schulbildung zu erfahren, das andere. Die Führungen durch das neue Schulhaus sind beliebt und stossen auf reges Interesse. In kleinen Gruppen werden die Gäste durch die Räume geschleust. Stilvoll gestaltete, auf zwei Etagen im Maisonette-Stil konstruierte Kindergartenräume beeindrucken genauso wie der Besuch des Computerraums.

Während des Rundgangs kommen auch spannende Diskussionen über die Schule anno dazumal auf. «Obwohl die Schulklassen früher grösser waren, verstand es unser Lehrer, für Ruhe und Ordnung zu sorgen», sagt etwa ein 82-jähriger pensionierter Architekt aus Zürich.

Schule hat sich verändert

Man könne die heutige Zeit nicht mit damals vergleichen, entgegnet die 48-jährige Ruth Meyer-Blattmann. «Früher ist nun mal nicht heute. Zwar sind die Klassen heute kleiner, dafür sind die Schulhäuser viel grösser geworden. Wo mehr Kinder sind, gibt es logischerweise auch mehr Lärm.»

Mitten im Gewühl und Trubel taucht auch wieder Pascal Merz auf. Der junge Mann strahlt über das ganze Gesicht: «Ich habe etwa die Hälfte meiner Klassenkameraden nach langer Zeit wieder getroffen. Das ist doch ein voller Erfolg.» Ebenfalls zufrieden ist Lotti Kriesi-Humbel, posiert sie doch stolz mit den anderen Kameraden des Jahrgangs 1945 für ein Klassenfoto. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2008, 20:09 Uhr

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