Ein Prachtbau, der ohne Prunk auskommt

Im Januar war Spatenstich, jetzt ist das neue Bootshaus des Ruderclubs Thalwil fast fertig. Es ist auffallend schön – obschon es vom Architekten bewusst schlicht gehalten wurde.

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Felix Morger spricht nicht gerne über Gebäude. Auch dann nicht, wenn das Gebäude sein nigelnagelneues Clubhaus ist. Der Präsident des Ruderclubs Thalwil (RCT) spricht lieber über Rudern.

Auf dem Clubhausdach, zwei Geschosse über dem Wasser, reicht der Blick Richtung Zürich bis nach Kilchberg in den Schooren. Felix Morger zeigt über den See, schwärmt, wie das traditionelle Langstreckenrennen seines Vereins für die Zuschauer an Attraktivität gewinnen werde, weil man die Boote viel länger beobachten könne. Er sieht bereits, wie die Achter vor Kilchberg ins Blickfeld gleiten, wie die Ruderer mit kräftigen Zügen dem Ziel vor dem Bootshaus entgegenrudern.

Unten kalt, oben warm

Wenns ums neue Bootshaus des RCT geht, lässt Felix Morger lieber den Architekten sprechen. Er selber hört aufmerksam zu, wenn der Thalwiler Architekt und Bauleiter Thomas Schoch das Konzept des massigen, zweigeschossigen Baus neben dem Hotel Alexander erläutert. Unten kalt, oben warm, lautet der Grundsatz: Geheizt ist nur das Obergeschoss mit Garderoben, Club- und Kraftraum; die Bootshalle, die Werkstatt und die Lagerräume im Erdgeschoss bleiben kalt.

Das Projekt des Clubhauses stammt von den Thalwiler Heiko Bachmann Architekten, die 2004 den Projektwettbewerb gewonnen haben. Thomas Schoch, der das Projekt ausgeführt hat, weist darauf hin, dass man beim Bau auf die Umwelt geachtet habe: Das Obergeschoss ist ein Holz-Elementbau, dicke Dämmungen halten die Wärme im Haus. Auf dem Dach stehen zwei Kollektoren, die Wasser mit Sonnenenergie aufheizen, bei der Bodenheizung wird auf eine umweltfreundliche Erdgasheizung gesetzt.

Zwei Ruderhallen, zig Erfolge

In den beiden Bootshallen hängen Ruderboote an den Wänden, Achter über Achter, Vierer über Vierer; mit einem raffinierten System von Seilzügen hängen platzsparend die Einer unter der Decke.

Felix Morger sagt, das neue Bootshaus zeige, was der Ruderclub sei: ein Verein mit Ausstrahlung. 380 Mitglieder, davon mehr als 200 aktive Ruderer. Man habe alles an einem Ort zusammengelegt: So war der Kraftraum früher in einem Container neben dem Bootshaus untergebracht, der Ergometerraum auf der anderen Strassenseite, ein Teil der Boote musste im Freien gelagert werden. «Jetzt ist alles hier, das ist wichtig.»

Mit 2,15 Millionen schlägt das Gebäude beim Ruderclub zu Buche. Die Gemeinde unterstützt den Club mit einem günstigen, langfristigen Darlehen und stellt das Land im Baurecht unentgeltlich für die nächsten Jahrzehnte zur Verfügung. Der grösste Teil der übrigen Mittel sind Spenden von Mitgliedern, Gönnern, Sponsoren und Unternehmen. Das Bootshaus sei grosszügig, meint Morger, man habe aber bewusst auf Luxus verzichtet – «mit Ausnahme der Lage», sagt er.

Es scheint, als habe Morger bereits Vorwürfe in diese Richtung gehört, als habe er sich bereits einige Male rechtfertigen müssen: Was braucht der Verein ein so grosses Bootshaus, wo doch früher ein viel kleineres ausreichte?

Auch Architekt Schoch betont den Verzicht auf Luxus: Rohe Kalksandsteinwände im Untergeschoss, rohe Holzdecken und -wände im Obergeschoss, einfache Zementplatten auf der Terrasse. Der RCT hat Inventar aus dem alten Bootshaus wieder verwendet: Die Einrichtung der Garderoben aus dem alten Bootshaus wurde wieder eingebaut, die alte Sauna ebenso.

Medaillen mit Ausstrahlung

Felix Morger spricht lieber vom Rudern als vom Gebäude. Er spricht von den Möglichkeiten, die das neue Bootshaus dem Verein eröffne. Das Clubleben werde sich verändern, dessen sei er sich sicher, jetzt, wo sich alles an einem Ort abspiele. Morger bleibt vor der Vitrine stehen, in der Pokale und Medaillen und Wimpel und alte Fotografien an die früheren Erfolge der Thalwiler Ruderer erinnern werden. Von der Seestrasse sieht man abends durch ein grosses Fenster direkt auf die Vitrine und die Erfolgsgeschichte von über 80 Schweizer Meistertiteln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 23:16 Uhr

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