Ein Slow-up bis Horgen bringt neue Sorgen

Der Slow-up auch am linken Zürichseeufer? Wegen des Nein aus Herrliberg überlegen sich die Organisatoren, neue Wege zu beschreiten. Doch das bedeutet neue Schwierigkeiten.

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30 Kilometer – so lange ist die Strecke Meilen–Schmerikon, die am kommenden Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr für Velofahrer und Skater entlang des Zürichsees gesperrt wird. Der Anlass, an dem vergangenes Jahr 55'000 Personen teilnahmen, findet zum fünften Mal statt. Und die Organisatoren überlegen sich, ihn künftig um 15 weitere Kilometer zu verlängern. So viel misst etwa die Strecke zwischen Pfäffikon SZ und Horgen. Eine Strecke, auf welcher der Slow-up bisher noch nie stattgefunden hat.

Das könnte sich ändern. «Wenn wir den Anlass bis nach Horgen ausdehnen könnten, wäre das zweifellos eine zusätzliche Attraktion», sagt Hans Länzlinger, OK-Präsident und Rapperswiler Stadtrat (SP). Die Strecke Schmerikon–Meilen solle aber auf jeden Fall auch in Zukunft bestehen bleiben. «Dort sind wir schon fix im Programmkalender.»

Länzlinger reagiert mit der möglichen Ausdehnung auf das linke Seeufer auf eine Idee von Herrlibergs Gemeindepräsident Rolf Jenny (SVP). Dieser hatte vorgeschlagen, den Slow-up jährlich alternierend einmal am linken und einmal am rechten Zürichseeufer durchzuführen. Dann könne sich auch Herrliberg vorstellen, die Seestrasse für diesen Anlass sperren zu lassen. Als einzige verbliebene Gemeinde im Bezirk Meilen lehnt sie sich gegen den Slow-up auf.

Es würden Busse ausfallen

Am linken Ufer jedoch teilen einige Herrlibergs Haltung. In einer früheren Anfrage der Veranstalter, den Slow-up ergänzend zwischen Kilchberg und Horgen durchzuführen, zeigten sich alle Gemeinden bis auf Horgen skeptisch. Es gebe schon genügend Anlässe, und man habe keine Lust, die Strasse erneut zu sperren, lautete der Tenor. Zudem sei das mit mehr Administrationsaufwand verbunden.

An dieser Haltung, sagt Kilchbergs Gemeindeschreiber Bernhard Bürgisser, hat sich nichts geändert. «Durch die vielen Veranstaltungen in der Stadt gibt es immer wieder Rückstau bis zu uns.» Zudem habe man mit dem Ironman bereits eine Veranstaltung, an der während zweier Tage Teile der Seestrasse gesperrt werden. «Beim Slow-up würde die ganze Seestrasse benötigt, wodurch zwei wichtige Buslinien nicht passieren könnten.» Das wolle man verhindern. «Schliesslich können wir die Leute nicht von der Aussenwelt abschneiden.» In eine ähnliche Richtung zielt die Kritik von Ernst Stocker (SVP), Kantonsrat und Stadtpräsident von Wädenswil. «Alle sechs Buslinien wären durch eine Sperrung unterbrochen», sagt er. Wädenswil sei nicht grundsätzlich gegen den Slow-up. «Ich gönne den Leuten diesen Anlass, aber wir haben unsere Vorbehalte.»

Diese hat man auch in der Gemeinde Richterswil. Allerdings weniger wegen des öffentlichen Verkehrs als wegen der Koordination des Anlasses. «Wenn wir den Slow-up zum Thema machen, dann sollten wir das an der Konferenz der Gemeindepräsidenten besprechen», sagt Ruedi Hatt (FDP), Gemeindepräsident in Richterswil. «Sonst macht jeder ein bisschen etwas, aber niemand macht es richtig.» Hatt hat während der Ölkrise in den Siebzigerjahren autofreie Sonntage erlebt und findet, dass diese «keine Blockade sind, die den Rest des Lebens stilllegen». Er sieht sie eher als Bereicherung.

Eine Sperrung des Seedamms?

Vorbehaltlos offen ist man in Freienbach SZ. Die Grenzgemeinde zwischen Rapperswil (mit dem Ortsteil Pfäffikon) und Richterswil wollte 2009 am Slow-up teilnehmen und hat deshalb Anfang Jahr mit den Veranstaltern Kontakt aufgenommen. Allerdings, so sagt die zuständige Gemeinderätin Gabriela Fuchs-Birchmeier (CVP), sei der Zeit- und Personalaufwand zu hoch gewesen, sodass man den Organisatoren vor drei Wochen absagen musste. Einer der Gründe: Zwischen Rapperswil und Pfäffikon liegt das Nadelöhr Seedamm. Eine Sperrung desselben bedingt langwierige Vorbereitungsarbeit.

In Horgen kämpft Gemeindepräsident Walter Bosshard (FDP) seit Jahren für den Slow-up. «Heute ist es wahrscheinlicher, dass wir ihn mit den oberen und nicht mit den unteren Seegemeinden durchführen», sagt er. Wichtig sei, dass man die Sache koordiniere. «Wir sollten das gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden auch in den anderen Kantonen besprechen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2008, 08:39 Uhr

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