Ein Spielmobil als Farbtupfer im Quartier

Die Mojuga feierte am Samstag mit Kindern und Eltern zwei Jahre Spielmobil im Ueriker Obere-Matt-Quartier. Alle sind von der Einrichtung begeistert.

Ein von der Pro Juventute gestiftetes begehbares Leiterlispiel wird von begeisterten Kindern in Beschlag genommen.

Ein von der Pro Juventute gestiftetes begehbares Leiterlispiel wird von begeisterten Kindern in Beschlag genommen. Bild: Gesa Lüchinger

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Das Spielmobil zieht alle zwei Wochen durchs Ueriker Quartier Obere Matt. Am Nachmittag treffen sich jeweils die ersten Kinder beim bunt angemalten ehemaligen Postwagen. Die Betreuer der Mobilen Jugendarbeit, Mojuga, beladen den Zweiachser mit Spielmaterial, und kurz darauf gehts los Richtung Schützenhaus. Die Kinder – die meisten zwischen drei und neun Jahre alt – sitzen auf dem Anhänger oder helfen mit, das Gefährt zu ziehen oder zu stossen. Unterwegs sammelt der farbige Tross fleissig weitere Kids aus dem Quartier ein. «Spielmobil, Spielmobil!», rufen sie – ihre Stimmen hallen durch die Strassen des Ueriker Arbeiterquartiers. Fenster öffnen sich in den Wohnblöcken, Eltern winken und schicken ihre Sprösslinge auf die Strasse hinunter, um sich der bunten und lauten Truppe anzuschliessen.

Seit Frühling 2007 ist das Spielmobil der Mojuga ein fester Bestandteil des Quartierlebens in der Oberen Matt. Vergangenen Samstag nun feierten die Leiter der Mojuga zusammen mit den Familien aus dem Quartier ein gemeinsames Fest. Etwa 50 Kinder nutzten bei prächtigem Herbstwetter die Gelegenheit, sich an den meist selber gefertigten Spielsachen auszutoben. Eltern brachten feine Speisen mit, auf einem Grill brutzelten Würste, und die Kids hielten Schlangenbrot ins offene Feuer.

Niederschwelliges Angebot

Das Quartier Obere Matt ist ein Arbeiterquartier. Wohnblock reiht sich dort an Wohnblock. Der Ausländeranteil ist hoch, und den Kindern bietet sich wenig Freiraum, um sich spielerisch auszutoben.

Romi Widmer ist einer von vier Mojuga-Betreuern. Er beobachtet gerade die Kinder beim Spielen. «Noch vor einem Jahr wäre so etwas nicht möglich gewesen», ist er überzeugt. «Keine Pöbeleien, keine Tränen, alle spielen friedlich miteinander.» Er kennt die meisten der Kinder, sie kommen regelmässig zum Spielmobil. Die Tatsache, dass so viele – auch ganz kleine Kinder – an diesem Nachmittag ohne ihre Eltern gekommen sind, wertet Widmer als grossen Vertrauensbeweis. Was man hier sehe, seien die Früchte ihrer Arbeit der vergangenen zwei Jahre, sagt Widmer. Die Kinder hätten gelernt, zu teilen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. «Unser Konzept eines niederschwelligen Angebots scheint sich zu bewähren», sagt Marco Bezjak von der Mojuga. Das Spielmobil sei aber kein Kinderhütedienst, betont er. Alles beruhe auf Freiwilligkeit. «Sonst würde es nicht funktionieren», ist Bezjak überzeugt. Zwar würde jedem Kind ein Pass ausgestellt, der von den Eltern unterschrieben werden müsse – so lerne man auch die Eltern kennen –, doch die Kids könnten kommen und gehen, wann sie wollten. So wüssten die Betreuer nie genau, was auf sie zukomme, was viel Flexibilität bei der Betreuung voraussetze, sagt Bezjak. «Nur eines gilt immer: Die Anstandsregeln müssen eingehalten werden.»

Satnasivam Kemalatna, Mutter zweier Buben, ist vom Spielmobil begeistert: «Meine Kinder lernen unglaublich viel», sagt die Tamilin, die seit zehn Jahren im Quartier lebt. Andrea Mezger wohnt zwar im angrenzenden Mockenwies-Quartier, das vornehmlich von Schweizern bewohnt ist, doch auch sie schickt ihre beiden Töchter regelmässig zum Spielmobil. «Es ist mir wichtig, dass sie mit Ausländerkindern in Kontakt kommen», sagt sie.

«Die Kinder sind in guten Händen»

Der zehnjährige Santiago ist immer dabei, wenn das Spielmobil kommt. Seine Mutter, die Bolivianerin Rebeca Vargas, ist begeistert. «Mein Junge lernt, dass man auch gewaltfrei spielen kann», sagt sie. Auch schätzt sie den regelmässigen Kontakt mit den Leuten der Mojuga. Die Kosovarin Ana Celijiz: «Wenn die Kinder mit dem Spielmobil unterwegs sind, bin ich beruhigt, denn ich weiss, dass sie in guten Händen sind und etwas Nützliches machen.» Sie wäre überglücklich, wenn es viel öfter vorbeikäme. Der Schulleiter des Schulhauses Moritzberg, Thomas Buess, glaubt, dass man die Leistungen der Mojuga nicht hoch genug einschätzen könne. Das Obere-Matt-Quartier müsse im Auge behalten werden. Die Kinder hier bräuchten kreative Anstösse, und genau das mache die Mojuga mit ihrem Spielmobil. «Es darf nicht mehr passieren, dass die Gemeinde Stäfa zögert, den Kredit für das Spielmobil zu erneuern», sagt Buess.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2008, 19:10 Uhr

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