Ein Stück Landi-Romantik verschwindet aus Goldbach

In Küsnacht wird ein Haus der Landesausstellung abgerissen. Vermutlich ist es nicht das letzte am See, das weichen muss.

Endstation Küsnacht Goldbach: Das frühere Restaurant der Landesausstellung 1939, einst nach Küsnacht transportiert und neu aufgebaut, wird abgerissen.

Esther Michel

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Nur noch eine Hälfte des Hauses steht, auf der anderen Seite liegen Bretter und Balken am Boden. Das Riegelhaus am Bahnhof Küsnacht Goldbach, einstiges Schauobjekt an der Landesausstellung 1939 in Zürich, mutet mit seinen dünnen Holzwänden und Böden wie ein riesiges Puppenhaus an: Der Schnitt quer durchs Haus eröffnet dem Betrachter Einblick in jedes Zimmer. Das Relikt aus der Zeit der geistigen Landesverteidigung wird abgerissen. Eine Sanierung lohne sich nicht, sagt Besitzerin Heidi Grob aus Nürensdorf, die selber im Haus aufgewachsen ist. Der Bau sei schlecht isoliert, die Fenster seien nicht mehr dicht. An der gleichen Stelle entsteht nun ein Wohn- und Geschäftshaus.

«Natürlich ist es schade, solche Bauten abzureissen», findet Heidi Grob, «aber das Haus war nur für die Landesausstellung gebaut, und nicht für die Ewigkeit.» Der Vater habe es nach der Landi gekauft und nach Küsnacht gebracht, erzählt ihre Schwester Vreni Stucki aus Erlenbach.

Nummeriert und dann zerlegt

Für den Transport nach Küsnacht musste das Haus zerlegt werden. Jeder einzelne Balken wurde deshalb nummeriert. Die Zahlen habe man auch nach dem Wiederaufbau noch sehen können, erinnert sich Vreni Stucki aus ihrer Kindheit. «Es war speziell, in solch einem Haus zu leben», sagt sie. Über einer Tür habe man sogar noch die Aufschrift «Küche» lesen können. Denn das Landihaus war an der Ausstellung 1939 ein Restaurant. Es stand im sogenannten Dörfli – einer Art Suisse Miniature, in dem typische Schweizer Architekturstile die landwirtschaftlichen Werte und die kulturelle Eigenständigkeit des Landes betonen sollten.

Trotz seiner historischen Vergangenheit ist das Landihaus nicht im Inventar schützenswerter Bauten – ebenso wenig wie die Landihalle auf dem Areal der Chemie Uetikon, der ebenfalls der Abbruch droht. Auch für den Zürcher Heimatschutz hat der Erhalt beiderGebäude keine Priorität. Man müsse sich auf bestimmte Bauten konzentrieren, sagt Heimatschützer Ulrich Ruoff auf Anfrage. Deshalb habe man beim Landihaus in Goldbach auch nicht interveniert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2008, 22:04 Uhr

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