Ein Verein im Kampf gegen das Vergessen

Die Interessengemeinschaft Übermittlung (IG Uem) sorgt dafür, dass die Anfänge der Telekommunikation nicht in Vergessenheit geraten. Ihre Sammlung steht in Uster.

Godi Schmid (links) und Moritz Bickel von der IG Uem bereiten im Ustermer Zeughaus Geräte für die Leistungsschau Comm 08 in Frauenfeld vor. (Bild Christoph Kaminski)

Godi Schmid (links) und Moritz Bickel von der IG Uem bereiten im Ustermer Zeughaus Geräte für die Leistungsschau Comm 08 in Frauenfeld vor. (Bild Christoph Kaminski)

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Generationen von Soldaten haben sie geliebt oder gehasst - und mit Sicherheit herumgeschleppt: Geräte mit geheimnisvollen Namen wie SE 125, F Tf 50, Nema oder SE 222. Dabei ist an diesen Geräten oft wenig Geheimnisvolles, sie alle sind schlicht Vertreter schweizerischer Militär-kommunikation. Leider ergeht es diesen Geräten im schnelllebigen Kommunikationszeitalter kaum besser als dem veralteten Handy, das rasch einmal entsorgt wird. Gegen diese Art des Umgangs mit alten Übermittlungsgeräten kämpft die IG Uem. Derzeit beträgt das Inventar des Vereins rund 5000 Objekte, die vor allem im alten Zeughaus von Uster sowie einem Aussenstandort im Bernbiet gelagert werden. Bis Ende 2010 muss die Gruppe Uster allerdings verlassen. Dann erhält sie in einer Halle des Flugplatzes Dübendorf Gastrecht. Öffentlich zugänglich wird das historische Material aber auch dort nicht sein.

Das Material, welches die Interessengemeinschaft betreut, gehört der Eidgenossenschaft. «Es ist ein Glücksfall, dass der Bund gleich nach dem Zweiten Weltkrieg anfing, systematisch Ausrüstungsgegenstände der Armee zu sammeln. Darum hat erstaunlich viel Material bis heute überlebt», sagt der Präsident der IG Uem, Hugo Berger. Mit den Jahren sei aber der Überblick etwas verloren gegangen. Erst kürzlich habe Bundesrat Samuel Schmid darum entschieden, dass man Ordnung in die Sammlungen bringen müsse. Die IG Uem übernehme diese Aufgabe als Kompetenzzentrum im Bereich Übermittlung.

Industriegeschichte sichern

«Als ich die IG gründete, wollte ich vor allem verhindern, dass wir mit Zeugen der Telekommunikations-Entwicklung zu sorglos umgehen. Wir leben im Kommunikationszeitalter, und die Entwicklung ist rasant. Wenn wir ausgediente Geräte immer gleich entsorgen, wird man irgendwann vergessen, wie sich die Technologie überhaupt entwickelte», erzählt Berger. «Meist sind Technologien betroffen, die heute überholt sind. Wenn die Entwickler und Techniker sterben, geht ihr Wissen für immer verloren», meint Berger.

Heute dokumentiere die Sammlung der IG Uem auch einen wichtigen Abschnitt schweizerischer Industriegeschichte. Die einstigen Hersteller wie BBC, Zellweger, Albiswerk oder Ascom hätten kaum Produkte aus früheren Zeiten aufbewahrt. Oft führe dann kein Weg an der IG Uem vorbei, wenn sich Leute für frühere technische Lösungen interessieren würden.

«Wir haben ein vitales Interesse daran, unser Wissen weiterzugeben. Wir sind immer auf der Suche nach Mitgliedern - besonders junge, denen wir das Wissen weitergeben können», betont Berger. Es seien längst nicht nur Techniker gefragt, sondern Leute, die Freude an der Materie hätten, sagt der pensionierte Personalentwickler. Sonderlich optimistisch sei er allerdings nicht, räumt er etwas resigniert ein: «Ich fürchte, dass die Geräte irgendwann noch vorhanden sein werden, aber niemand mehr weiss, wie sie funktionierten.»

Grossanlass in Frauenfeld

Aus diesem Grund nutzt die IG Gelegenheiten, das historische Material zu präsentieren, sehr gerne. Eine grosse Plattform hierfür bietet sich an der Leistungsschau Comm 08, an welcher die Armee in Frauenfeld vom 10. bis zum 14. September vor allem ihr Übermittlungs- und Führungsunterstützungsmaterial präsentiert. Die IG Uem wird am Grossanlass, der am Wochenende vom 13. und 14. September für die Bevölkerung öffentlich zugänglich ist, an fünf Stationen die Entwicklung der Telekommunikation von 1905 bis ins Jahr 2000 aufzeigen. Schon jetzt sind die Mitglieder dabei, in Uster Ausstellungsobjekte bereitzustellen. Für den Verein bedeute die Ausstellung einen grossen Aufwand. Andererseits seien es solche Anlässe, die besonders viel Freude machten - schliesslich würden die alten Apparate nicht nur ausgestellt, sondern in Funktion gezeigt, sagt Berger. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.08.2008, 07:11 Uhr

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