Eine Gruppe um Esther Holm will «Monaco am See» verhindern

Eine politisch unabhängige Gruppierung um Esther Holm will verhindern, dass Horgen zum zubetonierten und dafür steuergünstigen Fürstentum am Zürichsee wird.

Den «Seeriegel» konnten sie in Horgen verhindern, zufrieden mit der Bautätigkeit sind sie noch immer nicht:
Michel Schmuki, Esther Holm und Ugo Kappenberger (v.l.) am neuen Busbahnhof.

Den «Seeriegel» konnten sie in Horgen verhindern, zufrieden mit der Bautätigkeit sind sie noch immer nicht: Michel Schmuki, Esther Holm und Ugo Kappenberger (v.l.) am neuen Busbahnhof. Bild: Patrick Gutenberg

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Mit einem offenen Brief holte die Interessengemeinschaft (IG) Neudorf im Frühling zum Rundumschlag gegen den Gemeinderat und die Horgner Ortsparteien aus. Die Exekutive liesse sich für Bauvorhaben einspannen, statt die Interessen der Bevölkerung zu vertreten. Die Parteien hielten ihren Behördenmitgliedern dabei den Steigbügel. Esther Holm – ehemalige grüne Kantonsratspräsidentin und Herausforderin des Gemeindepräsidenten – entgegnete in einem Leserbrief, die IGs aus den verschiedenen Quartieren sollten sich vernetzen und ihre Kräfte bündeln.

Einen ersten Schritt dazu hat die inzwischen parteilose Esther Holm nun selbst getan. Gestern präsentierte sie den lokalen Medien zusammen mit den ebenfalls Parteilosen Ugo Kappenberger und Michel Schmuki eine neu gegründete Gruppierung namens «LebensQualität Horgen».

Keine vollendeten Tatsachen

Wie es der Name sagt, geht es der politisch unabhängigen Interessengemeinschaft um die Lebensqualität in Horgen. Um diese zu verbessern, will die Gruppe aktuelle und zukünftige Bauprojekte kritisch hinterfragen. «Wir sind nicht generell gegen das Bauen», betonte Kappenberger. Sie fragten sich nur, wie viele Grossprojekte es in Horgen brauche. Ihre Gemeinde dürfe nicht zu einem «Monaco am See» verkommen, einer zubetonierten, aber steuergünstigen Oase.

Sie wollten zudem die gemeindeeigene Bautätigkeit thematisieren. «Wir akzeptieren keine vollendeten Tatsachen mehr wie bei der Doppelvorlage Hüenerbüel», sagte Schmuki, der als Anwohner betroffen ist. Die Gemeindeversammlung vom Juni genehmigte knapp, vergünstigtes Gemeindeland an eine Baugenossenschaft im Baurecht abzugeben. Der daran gekoppelte Verkauf von Gemeindeland für eine private Terrassensiedlung wurde ebenso knapp angenommen. Die beiden Vorlagen kommen nun voraussichtlich Ende November an die Urne. Kritiker warfen der Gemeinde unter anderem vor, ohne erkennbares Entwicklungskonzept voreilig Landreserven preiszugeben.

Esther Holm sprach von einer etwas «verrückten Idee», die sie aber ernsthaft prüfen wolle: nämlich, ob der Mehrwert, der Privaten durch Umzonungen erwächst, abgeschöpft werden kann, um ihn der Bevölkerung wieder zuzuführen; der Gewinn etwa, den Firmen machen, wenn sie auf ihrem ehemaligen Industrieland Wohnungen bauen und vermieten.

Die Gruppe «LebensQualität Horgen» versteht sich als eine Art «Über-IG», die nach dem Solidaritätsprinzip die Anliegen verschiedener Interessengruppen vertritt. Das verschaffe den einzelnen IGs mehr Durchsetzungskraft an den Gemeindeversammlungen, sagte Kappenberger.

Gegen Bergriegel

Konkret plant die Gruppe Aktivitäten im Hinblick auf die Hüenerbüel-Abstimmung vom November. Vom Gemeinderat wird sie in einer Anfrage ein Inventar der gemeindeeigenen Landreserven inklusive Zoneneinordnung, geplanter Verwendungszweck sowie Auflagen fordern. Weiter will man sich für die Redimensionierung der geplanten Überbauung auf dem Schweiter-Areal einsetzen, gegen einen «Bergriegel», so Holm.

Jenseits der Bautätigkeit will sich die Gruppe «LebensQualität Horgen» zum Beispiel frühzeitig der revidierten Gemeindeordnung widmen, «und nicht erst vier Wochen vor der Abstimmung». Die Vernehmlassung ging letztes Jahr zu Ende. Im Juni 2009 wird die Gemeindeversammlung voraussichtlich über das neue Werk befinden. Holm möchte darin eine Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren für alle Exekutivmitglieder verankern und wieder einmal über die Einführung eines Parlaments diskutieren.

Man verstehe sich als eine Art «gutes oder schlechtes Gewissen» des Gemeinderates, sagte Holm. Die Gruppe werde den Leistungsausweis der einzelnen Gemeinderatsmitglieder überprüfen und Wahlempfehlungen abgeben. Selbst wollen die drei 2010 nicht für den Gemeinderat kandidieren – «eher nicht», präzisierte Esther Holm. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2008, 21:56 Uhr

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