Eine Klingel verrät, wo der Ball hinfliegt

Augen zu, Ohren auf: Beim Torball in Adliswil müssen sich die Spieler auf die Geräusche verlassen. Sie schiessen Tore mit einem klingelnden Ball.

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Um absolute Ruhe wird gebeten in der Turnhalle Tüfi in Adliswil. Denn Torball spielt man über das Gehör - Zuschauerpalaver würde empfindlich ablenken. Entscheidende Indizien sind Spielerschritte, die klingelnde Füllung im hopsenden Ball und die Glöckchen an den gespannten Seilen. Bei quietschenden Schuhen gibts einen Rüffel innerhalb des Teams, der Spieler verrät dem Gegner mehr als nötig. Immerhin ging es am internationalen Torball-Turnier letztes Wochenende um den Preis von zwei Madonna-Tickets. Mannschaften aus Italien, Belgien und Österreich waren angereist.

Die Augen der drei Spieler pro Mannschaft sind mit einer Dunkelbrille bedeckt, die Gleichheit unter den Teilnehmern herstellt. Dieser Sport wird nämlich sowohl von Sehenden, Sehbehinderten wie Blinden gespielt. Entsprechend rennt man nicht in der Halle herum, das Spielfeld ist relativ klein - zwischen einem Badminton- und einem Volleyballfeld. Für den Laien sieht Torball auf den ersten Blick wie eine Mischung aus Kugelstossen und Synchronschwimmen aus.

Aufklappen wie Messer

Drei Spieler liegen wie Robben vor einem spielfeldbreiten Goal, der Ball wird den Boden entlang zum Gegner geschleudert. Fliegen darf er kaum, der Ball muss unter den auf 40 Zentimeter Höhe gespannten Fäden durch. Sobald der scheppernde Ball zu hören ist, klappen die Spieler fast gleichzeitig auf wie Messer und decken mit ihren liegenden Körpern die Goalzone ab. Dort, wo Hände und Füsse zweier Spieler eine Lücke lassen, rollt der Ball ins Netz. Nicht zu vergessen, dass die Spieler sich gegenseitig nicht sehen und jederzeit wissen müssen, wo sie sich auf dem Spielfeld befinden.

Die 33-jährige Barbara Bösiger vom Team Heidiland sagt dazu pragmatisch: «Wir lassen lieber mal einen Ball durch und haben dafür eine gute Orientierung.»

Die meisten Spieler reissen sich nach den fünf Minuten Gehörmarathon, die ein Spiel dauert, die Brillen vom Kopf, bewegen sich selbstständig in der Halle oder bilden wo nötig einen kleinen Zug. In der Garderobe warten ein Labrador und ein grosser Pudel geduldig auf ihre Besitzer.

Silvan Spycher vom Favoritenteam Black Flash sagt, das Turnier sei wie eine Klassenzusammenkunft, man kenne sich untereinander. Mit seinen Teamkollegen steht er scherzend vor der Turnhalle, sie haben bereits gemeinsam die Blindenschule in Zollikofen besucht und dort auch schon Torball gespielt. «Als kleine Knöpfe mussten wir viel mehr vor dem Goal herumrutschen, um die sieben Meter Breite abzudecken.» Angetreten ist man nicht mit übermässigem Ehrgeiz. Das Team hat lange nicht mehr zusammengespielt. Am Turnier gewöhnt man sich wieder aneinander und gewinnt ein erstes Spiel gegen die italienischen Titelverteidiger Chiavai.

Danach wird aber nicht gegrölt und gejubelt, die Kollegen amüsieren sich lieber über ihren Mitspieler, der eine vor etwa sieben Jahren festgelegte Regeländerung noch nicht mitgekriegt hat.

Frauen: 1. VBSC Vorarlberg (A), 2. BSC Zürich (CH), 3. Verona (I), 4. Vige Mol (B), 5. TC Zollikofen (CH), 6. Heidiland (CH) 2 Pkt. Herren: 1. Black Flash (CH), 2. Chiavai (I), 3. Tirol (A), 4. BSC Zürich (CH), 5. TG Amriswil (CH), 6. BSC Zürich Land (CH), 7. Wilhelmshaven (D), 8. Gloria Bern (CH). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 07:53 Uhr

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