Einzige dreieckige Kirche in Europa

Erbaut wurde die reformierte Kirche Greifensee in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die dreieckige Form bekam das Gotteshaus, weil es entlang der Stadtmauer errichtet wurde.

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Dieses Wochenende herrscht in der reformierten Kirche im Städtli wieder Hochbetrieb. Das gotische Gotteshaus ist bei Hochzeitspaaren überaus beliebt. Nur die wenigsten wissen, dass sie auch aus bautechnischer Sicht etwas ganz Besonderes ist. Es ist nämlich die einzige gotische Kirche mit dreieckigem Grundriss in ganz Europa.

Gestiftet worden war die Kirche von Marschall Hermann von Landenberg und seiner Gattin Elisabeth von Landenberg-Schellenberg. Dem Ehepaar gehörte auch das Schloss Greifensee. Die Kapelle wurde dem damals oft gewählten Schutzpatron der Landenberger, dem heiligen Gallus geweiht. Erstmals erwähnt wird die Gallus-Kapelle im Jahr 1353 in einem Verzeichnis über die Besteuerung der kirchlichen Stiftungen im Bistum Konstanz, zu dem auch Greifensee gehörte.

Filialkapelle von Uster

Die Kapelle war von Anfang an nur eine Filiale von Uster und besass keine Rechte für Trauungen, Beichte, Taufe oder Abdankungen. Nur das Recht auf Ablass wurde ihr zugestanden. Errichtet worden war sie in der Ecke der Stadtmauer. Darum auch der dreieckige Grundriss. Die gebogene Langseite war ein Teil der Stadtbefestigung und hatte deshalb in ihren Anfängen nur ein Fenster nach Osten. Interessant ist auch, dass der gotische Innenraum mit seinem Sternengewölbe kaum mehr als ein Drittel der Gesamthöhe des Baus einnimmt. Darüber lag nämlich der Wehrgang, wovon noch zwei Schiessscharten zeugen. Erwähnenswert ist auch die immer noch vorhandene Holzempore, die 1638 eingebaut und beschriftet wurde.

Näniker wollte sich anschliessen

Während der Belagerung von Greifensee 1444 wurde vermutlich das Dach der Kirche beschädigt, der Innenraum blieb glücklicherweise unversehrt. Während der Reformation löste sich die Religionsgemeinschaft Greifensee von Uster und bildete 1523 eine eigene reformierte Kirchgemeinde. Laut Pfarrbuch kam 1544 das Tauf-, Abendmahl-, Copulations- (Trauungen) und das Begräbnisrecht hinzu.

Nach der französischen Revolution wollten sich die Näniker Greifensee anschliessen. Die Greifenseer knüpften dieses Unterfangen aber an Bedingungen. So sollten die Näniker die Kirche auf eigene Kosten erweitern und zusätzlich noch ein neues Schulhaus und einen richtigen Kirchturm finanzieren. Das war für die Näniker zu viel des Guten. Auch die Kirchenpflege lehnte den Zusammenschluss ab. «Es ist eigenartig, dass gerade die Masslosigkeit der Greifenseer dazu beitrug, dass dieses hübsche gotische Baudenkmal mehr oder weniger unversehrt in die Neuzeit hinübergerettet wurde», schreibt dazu Annelies Luther in der Broschüre «Das historische Greifensee» aus dem Jahr 1975.

Als es 1861 im Städtli brannte, blieb die Kirche unversehrt. Renoviert wurde das Gotteshaus 1977/78 durch den Architekten Peter Germann. Sie steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.08.2008, 09:50 Uhr

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