Embrach erhält einen offenen Jugendtreff

Der neue Jugendbeauftragte der Gemeinde sprudelt vor Ideen. Das wichtigste Projekt von Roger Schümperli ist ein Raum für Jugendliche ab 16 Jahren.

Roger Schümperli (vorne links) und der reformierte Jugendarbeiter Simon Gerber (Mitte) mit «Dorfjugend». Bild: Daniel Schurter

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Embrach erhält einen offenen Jugendtreff. Noch laufen die Verhandlungen mit den Besitzern verschiedener Liegenschaften, sagt der Präsident der Jugendkommission, Peter Tschudi. Deshalb sei es zu früh, über den genauen Standort zu informieren. Fest steht: Die Gemeinde Embrach will den jungen Leuten einen Raum zur Verfügung stellen, wo sie sich in der Freizeit treffen können. Dabei wird es sich nicht um ein autonomes Jugendhaus handeln, wie die Gemeinde vor Jahrzehnten eines hatte, sondern um einen geführten Treff.

Designierter Leiter ist der neue Jugendbeauftragte der Gemeinde, Roger Schümperli. Der 38-Jährige ist seit vier Monaten in den Strassen und auf den Pausenhöfen unterwegs. Am vergangenen Mittwoch zog er im Rahmen einer Pressekonferenz erste Bilanz und informierte über Projekte und Ideen, die er in den nächsten Monaten realisieren will. Dazu stellt ihm die Gemeinde gemäss Budget jährlich bis zu 20'000 Franken zur Verfügung.

Das wichtigste Projekt ist der erwähnte Jugendtreff. Die Gemeinde verfügt zwar bereits über kirchliche Angebote für junge Leute – so betreibt der reformierte Jugendarbeiter Simon Gerber das Jugendcafe, das für Schüler bis zur zweiten Oberstufe geöffnet ist. Im Untergeschoss des katholischen Kirchgemeindehauses gibt es ebenfalls einen Treff, den die katholische Jugendarbeiterin Kathrin Karban führt. Was in Embrach bislang aber schmerzlich vermisst wurde, ist ein Raum für Jugendliche im Lehrlingsalter.

Roger Schümperli ist zuversichtlich, dass der Treff noch in diesem Jahr eingerichtet werden kann. Dazu zählt er auf die Mithilfe der Jugendlichen. Sie sollen nicht nur beim Gestalten der Räumlichkeiten helfen, sondern später auch das Programm selber gestalten und das Angebot organisieren. Er habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die jungen Leute einzubinden und ihnen Verantwortung zu übertragen, sagt der Jugendbeauftragte.

Roger Schümperli hat einen ungewöhnlichen Werdegang: Den väterlichen Rat, auf keinen Fall Maurer zu werden, habe er in jugendlicher Auflehnung missachtet. Er blieb aber nicht im Baugewerbe, sondern absolvierte die Schule für soziale Begleitung in Zürich. Später arbeitete er als Gassenarbeiter und betreute Arbeitslosenprojekte. Als Jugendarbeiter der reformierten Kirche in Dielsdorf baute er einen Jugendraum auf.

Er habe leider nicht überall erlebt, dass alle am gleichen Strick ziehen. Umso mehr gefalle ihm seine heutige Aufgabe in Embrach. Der Wille zur Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen wie Schule, Kirchen und Politik sei deutlich spürbar. Wichtig sei auch die Vernetzung mit den Midnight-Sports-Organisatoren und den Vereinen im Dorf.

Gemütlicher Raum zum «Hängen»

Seit dem 1. Mai ist Schümperli im Amt und bei den Jugendlichen längst kein Unbekannter mehr. Eine Clique von 14- bis 16-Jährigen war am Medienanlass zugegen und machte lautstark Werbung für «ihren Roger». Er gehe auf sie ein und nehme sie ernst, sagte Wortführer Agon (16). Bis anhin seien sie an verschiedensten Orten in Embrach «herumgehängt», wenn etwa das Jugendcafé geschlossen war. Nun freuten sie sich auf einen gemütlichen Raum, wo sie sich nicht nur am Freitagabend mit Gleichaltrigen treffen können.

Der Präsident der Oberstufenschulpflege Embrach-Oberembrach-Lufingen, Jürg Altenburger, nahms erfreut zur Kenntnis. Vorbei scheinen die Zeiten, als junge Leute aus purer Langeweile Vandalenakte anrichteten und das Littering auf dem Gemeindegebiet unerträglich wurde. Und auch die Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde von Embrach und Oberembrach, Esther Büchi, freute sich. Sie könne sich an das autonome Jugendzentrum erinnern, das später geschlossen werden musste. Es sei Zeit für etwas Neues, «aber unter Aufsicht». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2008, 07:36 Uhr

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