Embrach hat wieder eine eigene Mühle

Am Samstag ist in der Embracher Haumühle die Aufrichte der Getreidemühle gefeiert worden. Bald schon soll es auch Haumühle-Brot geben.

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Es ist laut im Mahlraum der Haumühle in Embrach, die Walzen ächzen unter ihrer Last, die Maschine rattert. Unter Getöse wird das Getreide sortiert, geschrotet, gesiebt und gemahlen; das so produzierte Mehl am Ende von der Kleie getrennt. Die Mühle ist zwar nicht auf dem neusten Stand, aber voll funktionstüchtig, erklärt Kurt Fasnacht, Vorstandsmitglied der Vereinigung Pro Haumüli und als gelernter Müller für die Instandsetzung der alten Mühle verantwortlich. Über 40'000 Stunden freiwillige Arbeit haben die Mitglieder von Pro Haumühli geleistet, bis die Mühle am Samstag das erste Mehl ausspuckte. Die 90'000 Franken, welche die Instandstellung der Mühle verschlang, hat die Vereinigung grösstenteils selber erwirtschaftet.

Nach 80 Jahren wieder Korn gemalen

Herausgekommen ist eine Getreidemühle, wie sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts üblich, in Embrach so aber nie in Betrieb war. Zwar gab es damals unter dem Druck der industrialisierten Konkurrenz Versuche, die Getreidemühle zu modernisieren, wie verrostete Metallteile bezeugen. Einen Walzenstuhl, wie er nun in die Mühle eingebaut wurde, war in Embrach aber wahrscheinlich nicht im Einsatz. Mit ihm wurde der Embracher Grossindustrielle Abraham Ganz geehrt, der Mitte des 19. Jahrhunderts unter anderem mit Eisenbahnteilen zu Weltruhm gekommen war. «Die Mühle ist auch eine Hommage an Abraham Ganz», sagt Fasnacht. Bis zum letzten Wochenende wurde in Embrach seit dem Ende des Ersten Weltkriegs kein Korn mehr gemahlen. Selbst bei der Gründung der Vereinigung Pro Haumüli 1994 war der Lärm einer funktionierenden Mühle noch Zukunftsmusik. Die Gebäude waren gerade erst wieder aufgerichtet worden, nachdem sie bis Ende der 1980er-Jahre praktisch zu Ruinen zerfallen waren.

Um eine Attraktion reicher

Seither hat sich fast alles verändert: Vor zehn Jahren hat die Vereinigung Pro Haumüli eine Gattersäge in Betrieb genommen, fünf Jahre später das zweite Wasserrad. Mit der Wiederbelebung der Getreidemühle nach über 80 Jahren Stillstand hat die Vereinigung nun ihre bisher grösste Herausforderung gemeistert. «Die Haumühle ist jetzt um eine Attraktion reicher», sagt Gustav Ott, Vizepräsident von Pro Haumühli. «Dabei ist sie schon heute ein beliebter Anziehungspunkt im Embrachertal.» Es dürften denn auch weit mehr als die 300 Besucher gewesen sein, die Ott zählte, die der Haumühle am Samstag ihre Aufwartung machten.

Mit der Getreidemühle sind die grossen Bauvorhaben rund um die Haumühle erst einmal abgeschlossen. Visionen gibt es trotzdem: Fasnacht schwärmt von der Idee eines mittelalterlichen Marktes. Und schon bald dürfte es auch echtes Embracher Brot geben.

Das Haumühle-Mehl soll – wenn auch in sehr kleinen Mengen – an die lokale Bäckerei gehen oder an Private verkauft werden. «Die Mühle wird aber sicher nicht kommerziell genutzt», so Ott, «sie ist und bleibt eine Museumsmühle.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2008, 19:01 Uhr

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