Erhält Wädenswil sein erstes Lichtsignal?

Wer sich auf dem Bahnhofplatz in Wädenswil als Fussgänger bewegt, lebt gefährlich. Die Behörden sehen das anders - und werden jetzt mit einem heiklen Gesuch konfrontiert.

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Schön sieht er noch nicht aus, der umgestaltete Bahnhofplatz. Schliesslich fehlt die durch einen Rekurs blockierte «Wolke». Dafür ist das Areal, auf dem Busse, Postautos, Autos, Velos und Fussgänger verkehren, umso gefährlicher. Vier Beispiele:

  • Wer auf dem Trottoir beim Haus Merkur spaziert oder in der Manu’s Bar draussen ein Bier trinkt, läuft Gefahr, von einem Bus oder Postauto angefahren zu werden. Grund: Die Chauffeure müssen ihren Radius ausdehnen, damit sie mit dem hinteren Teil ihrer Gefährte nicht die Parkplatzbegrenzung touchieren.

  • Wer auf dem Trottoir weitergeht und bei der Apotheke Amavita die Strasse zum Bahnhof queren will, muss Bussen und Autos ausweichen, die neu - nach dem Wegfall des Zebrastreifens - freie Fahrt haben.

  • Wer zu den Stosszeiten das Bahnhofgebäude passiert, muss auf Busbuchten ausweichen, weil wartende Passagiere den schmalen Durchgang versperren.

  • Wer den Bahnhofplatz zu Fuss überquert, wird links und rechts von Bussen, Postautos und Autos überholt.

Lichtsignal für Trottoirkurve?

Stadtingenieur Karl Bachmann redet die offensichtlichen Sicherheitsmängel schön. Die Kurve von der Seestrasse in Richtung Busbuchten sei für die Chauffeure zwar eng. «Doch wer richtig abbiegt, muss nicht auf das Trottoir ausweichen», sagt Bachmann. Es seien Fahrversuche durchgeführt worden. «Da hat sich gezeigt, dass die Kurve zu kriegen ist.» Das heisst: Chauffeure, die das Trottoir mitbenutzen, haben die Kurve nicht im Griff.

Eine Aussage, die Karl Zollinger, Inhaber der AHW Busbetriebe AG in Horgen, nicht bestätigen will. Der enge Radius bereite seinen Angestellten aber schonKopfzerbrechen, sagt der Betreiber der Zimmerberg-Busse. «Es ist zwar nicht so, dass jeder Chauffeur aufs Trottoir fährt. Doch es kommt vor.» Er schlägt vor, ein Lichtsignal zu installieren. «Das Gesuch haben wir bei der Stadt bereits eingereicht», sagt der Chef von 45 Mitarbeitern. Ein Signal würde es seinen Chauffeuren erlauben, die Kurve ganz exakt zu fahren - eben so, dass sie nicht mehr aufs Trottoir ausweichen müssen. Jetzt würden die Busse manchmal etwas zu weit Richtung Richterswil rollen, vor allem dann, wenn sie wegen Gegenverkehr warten müssen, begründet Zollinger das Gesuch.

Planungs- und Bauvorstand Christian J. Huber (SVP) hat das Begehren für eine Lichtsignalanlage - es wäre die erste in Wädenswil - noch nicht erhalten. Es sei aber in der Verkehrskommission darüber diskutiert worden. Klagen über die mangelnde Sicherheit auf dem Bahnhofplatz seien ihm keine zu Ohren gekommen.

Zebrastreifen macht «keinen Sinn»

Kurt Schreiber (EVP), Präsident der Verkehrskommission, befürwortet eine Lichtsignalanlage. Allerdings nur eine, die temporär und ausschliesslich für die Busse eingeschaltet wird. Schreiber argumentiert, die Fahrpläne seien mehr als 20 Jahre lang nicht mehr angepasst worden, der Verkehr habe in dieser Zeitspanne jedoch stark zugenommen, und nicht alle von Richterswil her kommenden Autofahrer würden den Buschauffeuren freiwillig Vortritt gewähren. Der 65-jährige Verkehrsspezialist weiss jedoch, wie delikat es ist, im lichtsignalfreien Wädenswil über eine Ampel - diese für Schreiber «heilige Kuh im negativen Sinn» - zu diskutieren. «Seine» Kommission wolle denn auch nicht als Mutter der ersten Lichtsignalanlage bezeichnet werden - sie stehe dem Gesuch lediglich «positiv gegenüber».

Dass sich Fussgänger bei der Ecke Apotheke/Bahnhof unsicher fühlen, weil der Zebrastreifen fehlt, kann Stadtingenieur Bachmann nicht bestätigen. Es hätte «keinen Sinn mehr gemacht», einen Fussgängerübergang zu markieren. Schliesslich werde der Bahnhofplatz eine Begegnungszone mit Tempo 20 - wenn der Rekurs gegen die «Wolke» erledigt sei. Laut Bachmann dürfte das «in ein paar Wochen» der Fall sein. Auch Christian J. Huber verweist auf die Begegnungszone.

Für Polizei «ein Schwerpunktgebiet»

Ob eine Begegnungszone den Bahnhofplatz sicherer macht, wird die Zukunft zeigen. Weisen wird sich auch, ob die Autofahrer die neuen Regeln dereinst auch befolgen: Denn pro Tag biegen mehrere Lenker von der Seestrasse in Richtung Bahnhofplatz ab - wie die Buschauffeure und trotz Verbotstafel, die allerdings schlecht zu sehen ist.

Karl Bachmann ist dieses Problem «nicht bekannt», dem für polizeiliche Belange verantwortlichen Stadtrat Philipp Kutter (CVP) auch nicht. Kutter hat dafür schon selber beobachtet, wie Autofahrer von der Engelstrasse her kommend das Café Brändli passieren und dann verbotenerweise nach links zu den Parkplätzen abbiegen. Seine Erklärung: «Das war früher erlaubt.» Mehr Polizeikontrollen seien nicht nötig. «Der Bahnhofplatz ist eines unserer Schwerpunktgebiete.» Ständige Polizeipräsenz sei jedoch nicht möglich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2008, 16:18 Uhr

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