Erste Vorschläge für die Villa am Aabach

Nach dem Aus für das Ustermer Kulturhaus beginnt die Suche nach einer neuen Verwendung der ehemaligen Fabrikantenvilla am Aabach. Die ersten Vorschläge: wohnen oder heiraten.

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Fast zwei Drittel der Ustermer Stimmenden sprachen sich am Wochenende gegen eine Kulturhaus in der Villa am Aabach aus. Der für die Kultur zuständige Stadtpräsident Martin Bornhauser (SP) brauchte nicht lange, um sich vom Schock zu erholen. Bereits am Montagmorgen veranlasste er die Kündigung des Mietvertrages mit der städtischen Abteilung Finanzen. «Weil dafür die ordentlichen Kündigungstermine gelten, eilte es», sagte Bornhauser am zweitletzten Septembertag. Sein Ressort Kultur muss – bleibt die Villa im nächsten Halbjahr leer – rund 22’000 Franken Mietzins zahlen.

Was weiter mit der Villa geschieht, steht noch in den Sternen. Klar ist, dass die Villa der früheren Brauerfamilie Bartenstein in der Zone der öffentlichen Bauten und Anlagen liegt. Das beschränkt die künftigen Nutzungsmöglichkeiten. «Entweder sie bekommt wieder einen öffentlichen Verwendungszweck, oder wir müssen umzonen», sagt Finanzvorstand Heinz Wolfensberger (SVP), der für die künftige Vermietung primär zuständig ist.

Ein ideales Haus für Trauungen

Einen konkreten Vorschlag hat SVP-Gemeinderat Werner Egli am Podium des «Tages-Anzeigers» bereits vor der Abstimmung gemacht: Er sähe die Villa im Park als Standesamt in gediegenem Rahmen. Die Stadt Winterthur nutzt ihre Villa Lindengut auf diese Art. Dort könnten Hochzeitsgesellschaften Apéros kredenzen oder gar ganze Hochzeitsfeste feiern. Thomas Wüthrich, Gemeinderat der Grünen, empfand den Vorschlag vor der Abstimmung eher als Witz. Heute ist er bereit, ihn unvoreingenommen zu prüfen: «Jedenfalls scheint mir ein Verwendungszweck durch die Stadtverwaltung naheliegend», sagt er. Er möchte dies ausdrücklich als Zwischennutzung sehen. Denn mittel- bis langfristig werde die Idee eines Kulturhauses an dieser Lage wieder aufkommen, glaubt Wüthrich. Auch Heinz Wolfensberger will die Idee vom Standesamt nicht gleich verwerfen: «Es gibt tatsächlich immer mehr Anfragen wegen Hochzeitsapéros im Stadthaus.» Dort sei man aber sehr zurückhaltend, sagt Wolfensberger. Die Villa böte dafür den passenderen Rahmen. Martin Bornhauser dagegen sieht dafür keinen Bedarf. Das Stadthaus sei für Trauungen würdig genug, und für besondere Gelegenheiten stehe auch noch der Rittersaal im Schloss bereit, findet er.

Landesring wünscht Wohnungen

Keine öffentliche Nutzung für die Villa wünscht sich der Landesring, der sich als Abstimmungssieger sieht (er empfahl zu beiden Geschäften ein Nein). Sein Präsident Paul Stopper fordert in einem Abstimmungskommentar, die Villa solle an Familien vermietet werden. So könne man wenigsten die beträchtlichen Unterhaltskosten des Hauses wieder hereinspielen. Gleichzeitig soll man auch den zugehörigen Tennisplatz in eine Wiese umwandeln und das gewonnene Grün der benachbarten Dorfbadi zuschlagen, findet der LdU. Diesen Vorhaben steht allerdings die Rechtslage gegenüber. Der Tennisplatz steht – zusammen mit der Villa, dem Park und der Brauerei – unter Denkmalschutz, wie Liegenschaftenvorstand Heinz Wolfensberger betont. Und weil gemäss gültiger Planung die Villa am Aabach ein öffentliches Gebäude ist, lässt es sich nach Auskunft von Stadtpräsident Bornhauser nicht einfach als privates Wohnhaus vermieten. «Wohnen ist dort nur in Zusammenhang mit der öffentlichen Nutzung – etwa für einen Hauswart – erlaubt.»

Andere Ustermer Kräfte fordern eine Auslegeordnung, wie die Villa am Aabach künftig genutzt werden soll. Die SP will, dass der Stadtrat «die Gesamtplanung für das Gebiet Dorfbadi/Villa am Aabach entschieden vorantreibt und im Rahmen dieser Planung Vorschläge für die weitere Nutzung der Villa unterbreitet». Die FDP/CVP-Fraktion wiederum spielt den Ball den Nein-Sagern vom Sonntag zu. Sie erwartet «kreative Vorschläge der Gegner, wie dieses historisch interessante Gebäude in der wunderschönen Umgebung sinnvoll genutzt werden könnte». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2008, 08:31 Uhr

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