Es brodelt in einer Uetiker Alterssiedlung

In Uetikon soll die Alterssiedlung Stöckli 1 durch einen Neubau ersetzt werden. Die Bewohner wehren sich gegen die Pläne der Genossenschaft. Diese will nun sozialverträglich vorgehen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Ansprüche betagter Mitbürger haben sich im Laufe der letzten Jahre gewandelt. Das belegen die Anpassungen der Alterskonzepte in verschiedenen Gemeinden des Bezirks Meilen. Der Trend geht vermehrt Richtung grössere Wohnungen für ältere Menschen und eine intensivere Betreuung ausserhalb von

Alters- und Pflegeheimen. Der Vorstand der Genossenschaft Alterswohnungen Stöckli in Uetikon hat das erkannt. Er will seine erneuerungsbedürftige Liegenschaft Stöckli 1 an der Kleindorfstrasse, die in den Siebzigerjahren gebaut wurde, nicht nur renovieren. Vielmehr hat die Genossenschaft die Absicht, diese durch einen Neubau zu ersetzen und zu erweitern. Geplant sind grössere, komfortablere Wohnungen. Die Bewohner der Alterssiedlung sind gegen die Pläne der Genossenschaft. Für sie stimmt es so, wie es ist.

An einer Informationsveranstaltung am 12. September begründete der Vorstand seine Absichten damit, «dass es die beste und kostengünstigste Lösung ist». Dabei hob er hervor, kleine 1-Zimmer-Wohnungen seien heutzutage schwer zu vermieten. «Alterswohnungen an der Goldküste verlangen nun mal einen gewissen Standard», sagt Ruedi Bohli, Präsident der Genossenschaft. Die bestehenden Wohnungen seien zu ringhörig, das Gebäude nicht behindertengerecht gebaut und entspreche in keiner Weise heutigen energetischen Anforderungen. Das führe unter anderem zu viel zu hohen Nebenkosten.

«Pläne sind der pure Wahnsinn»

Bei den Betroffenen führen die Pläne zu kritischen Fragen. «Das haben wir erwartet und uns entsprechend darauf vorbereitet», sagt Bohli. Es gebe immer wieder ältere Bewohner, die sich gegen solche bauliche Veränderungen wehrten.

So auch Marcel Strickler. Der 85-jährige Wittwer lebt seit 5 Jahren in einer 2-Zimmer-Wohnung im Stöckli 1. Er tritt vehement gegen die Absichten des Vorstands an. «Diese Pläne sind der pure Wahnsinn», sagt der ehemalige Malermeister. Das sei nicht nur seine Meinung, sondern die der meisten Bewohner. Auch im Dorf und in der Politik gebe es Widerstand gegen das Projekt. Die Bewohner würden sich im bestehenden Gebäude wohl fühlen – man sei wie eine kleine Familie und wolle keine Veränderungen.

Bohli bestätigt, dass die Uetiker Sozialvorsteherin Christine Spoerry (FDP) nicht gerade begeistert sei, «da sie befürchtet, Armengenössige bei den höheren Mietpreisen nicht mehr unterbringen zu können.» Spoerry war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Das Hauswart-Ehepaar Daniela und Antonia Masino bewohnt eine 4½-Zimmer-Wohnung in der Alterssiedlung. Die beiden sind sehr beliebt bei den Bewohnern und tauschen sich regelmässig mit ihnen aus. «Das Bauprojekt ist zurzeit Thema Nummer eins», sagt Daniela Masino, «wir machen uns alle grosse Sorgen.» Die Stimmung sei ausgesprochen schlecht, denn niemand wolle raus. «Viele sind bereits jetzt sehr einsam; was passiert mit ihnen, wenn sie rausmüssen?» fragt Masino.

Langfristige Planung wichtig

Bohli hat Verständnis für die Bedenken der Bewohner. Im Moment stünden sie noch etwas unter Schock. «Mit der Zeit beginnen sie dann vielleicht, sich Gedanken zu machen.» Er sieht ein, dass die Bewohner einen kürzeren Zeithorizont vor Augen hätten. Als Präsident der Genossenschaft sei es aber seine Aufgabe, längerfristig zu planen. «Das Haus ist sicher nicht in einem vergammelten Zustand, dennoch müssen wir jetzt reagieren», sagt Bohli. Irene Arbeiter, Vorstandsmitglied und verantwortlich für die Vermietung der Alterswohnungen, präzisiert:. Den absolut richtigen Zeitpunkt für ein solches Projekt gebe es nie. «Wir haben uns in den letzten Jahren sehr viel Gedanken über die Zukunft der Siedlung gemacht.» Daher habe sich der Vorstand verpflichtet, gewisse Grundsätze gegenüber den Bewohnern und Genossenschaftern einzuhalten.

So sollen etwa Härtefälle vermieden werden, indem finanzielle Engpässe bei Bedürftigen überbrückt würden. Der Vorstand will Mieter bei der Suche nach einer neuen Bleibe unterstützen, oder – falls sie in den Neubau ziehen wollen – zu einer Zwischenlösung Hand bieten. Zudem soll die Bewohnerschaft ständig über die Pläne auf dem Laufenden gehalten werden.

Ein mögliches Szenario sei der Bau von zwei Gebäuden, sagt Bohli. Damit wäre der Wechsel nicht so abrupt. «Würden wir in zwei Etappen bauen, könnten viele Probleme abgefedert werden.» Er sei sich bewusst, dass er das Projekt an der Generalversammlung vom 24. Oktober, an der über den Projektierungskredit entschieden wird, optimal verkaufen müsse. Zudem wisse er auch, dass die 33 Genossenschafter der Siedlung nur einen Bruchteil der insgesamt 250 Mitglieder ausmachten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2008, 07:32 Uhr

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Geldblog Testament ändern, aber richtig

Nachspielzeit Aber natürlich ist das völlig absurd

Abo

Weekend-Abo

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...