Es gibt je länger je weniger Abfallpaten

Heidi Weilenmann aus Illnau ist seit zweieinhalb Jahren Abfallpatin. Doch eine Bilanz zeigt, dass solche Patenschaften nicht mehr in allen Gemeinden aktuell sind.

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Heidi Weilenmann aus Illnau sammelt ein- bis zweimal pro Woche den gesamten Abfall ein, der entlang der Kempttalstrasse aus dem Autofenster geworfen oder beim Spazieren fallen gelassen wird. Pro Woche füllt sie rund einen halben 35-Liter-Sack.

Im Frühling 2006 lancierte die Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo) gemeinsam mit den Gemeinden Bubikon, Illnau-Effretikon, Kyburg, Maur und Rüti die Pilotkampagne «Triffsch...?». Ziel war, dass im Zürcher Oberland immer mehr abfallfreie Zonen entstehen sollten, für welche Vertreter des Gewerbes oder Anwohner eine Patenschaft übernommen hätten. Damit sollten sie Verantwortung für die Sauberkeit übernehmen und als Vorbilder dienen. So kam auch Heidi Weilenmann zu ihrer Aufgabe. «Als ich mit meinem Hund spazieren ging, sah ich jeweils viel Abfall herumliegen, was mich sehr störte», sagt sie. Sie habe die Ausschreibung bei der Gemeinde gesehen und sich angemeldet. Von der Gemeinde erhält Weilenmann Abfallsäcke, kontrolliert wird sie nicht. An einem Anlass wurde ihr einmal ein Imbiss spendiert, ansonsten ist ihr Job ehrenamtlich.

19 Zonen in Illnau-Effretikon

Heute, zweieinhalb Jahre später, sieht die Lage in den Pilotgemeinden völlig unterschiedlich aus: In Illnau-Effretikon sind die 17 Mitglieder in 19 Zonen immer noch aktiv. Es machen Vereine, Parteien, Lehrer, Familien und Einzelpersonen mit. Entschädigung gibt es keine, als Gegenleistung werden die Paten an Veranstaltungen erwähnt. In Rüti wirkt die Kampagne ebenfalls noch nachhaltig, auch wenn von drei Zonen nur noch in einer Abfallpaten aktiv sind. Weil trotz den Bemühungen die Zone immer wieder verschmutzt war, machte es keinen Sinn mehr, Abfallpaten zu haben. In allen drei Zonen sind Tafeln platziert, welche die Bevölkerung auf die abfallfreien Zonen hinweisen.

In Kyburg sieht das Ganze komplett anders aus, die Kampagne ist dort nicht mehr aktuell. Als Abfallpaten nahmen zwei Gruppen teil: Von den Schülern wurde das Schulareal gesäubert, und der Lions Club unterstützte die Gemeinde mit 1000 Franken, damit sie Plakate drucken konnte. Wie Gemeinderat Thomas Frei (parteilos) sagt, sei das Problem aber anders als in den anderen Pilotgemeinden: «Kyburg hat 400 Einwohner, diese haben wir unter Kontrolle. Das Problem sind all die Besucher, die kommen. Wie können wir sie dazu bringen, den Müll nicht auf der Strasse zu entsorgen?»

Wieder anders sieht es in Bubikon aus: Dort haben beispielsweise der Bahnhofvorstand und der Bademeister mitgemacht, jedoch keine Privatpersonen. Die Kampagne ist schon halbwegs vergessen. In Maur ist die Situation ähnlich: Dort waren einzig ein Arbeitsloser und das Restaurant Schifflände dabei. Ihre Aufgabe war es, die Leute auf das Abfallproblem aufmerksam zu machen. «Die Aktion ist nicht mehr aktuell, sie war nicht nachhaltig», sagt Rolf Fürst, stellvertretender Leiter der Sozial- und Sicherheitsabteilung.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2008, 22:01 Uhr

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