Fanartikel für Oberländer Lokalpatrioten

Ob Schirme mit Wappen, Weissweingläser oder modisch fragwürdige Krawatten – die meisten Gemeinden im Oberland verkaufen Werbeartikel in eigener Sache.

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Ausgerechnet die Bezirkshauptorte sind zurückhaltend, was Werbeartikel und Souvenirs betrifft. In Hinwil werden lediglich Kugelschreiber und Schlüsselanhänger mit dem Schriftzug der Gemeinde abgegeben. «Im Gemeinderat wurde diskutiert, ob wir noch andere Artikel anbieten sollten», sagt Gemeindeschreiber Daniel Nehmer. «Doch weil offenbar kein Bedürfnis danach besteht, wurde das nicht als dringend erachtet.»

Etwas besser haben es da die Pfäffiker und Pfäffikerinnen, die sich mit Krawatten und Foulards eindecken können. Anders als die «Konkurrenz», welche zuweilen quietschend bunte Modeaccessoires für Herren im Angebot hat, ist das Gemeindewappen dezent in die bordeauxrote Krawatte eingearbeitet. Der Pfäffiker «Dressman» und Gemeinderat Stefan Krebs (SVP) präsentiert das 35 Franken teure Stück auf der Homepage jedenfalls zurecht mit einem breiten Lächeln.

Tasche für Modebewusste

Uster verschenkt weder Kugelschreiber noch Postkarten, sondern positioniert sich mit der CD «Herztöne» als Kulturhauptstadt im Oberland. Das Album, welches ausschliesslich Beiträge von Ustermer Künstlern aufweist, kann für 20 Franken im Stadthaus am Empfang bezogen werden. Wird das Angebot an Souvenirs irgendwann vergrössert? «Wir nehmen die Idee auf», lacht Marianne Meister, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Uster.

Es sind nur wenige Gemeinden, die keine Fanartikel für Lokalpatrioten anbieten. Die meisten haben ein gewisses Grundangebot an Souvenirs. In Lindau gibts eine Ortschronik sowie Postkarten der vier Ortsteile. Nachbar Illnau-Effretikon verkauft grosse Wappenscheiben zum Preis von 40 Franken. Die Nase vorn hat im Bezirk Pfäffikon die Gemeinde Fehraltorf, die ihre Einwohner mit einem Schirm in den Gemeindefarben nicht im Regen stehen lässt. Dazu gibt es eine Uhr, ein Sackmesser sowie für Modebewusste eine trendige Umhängetasche im Freitag-Design und wie in Pfäffikon Foulards und Krawatten. Vor Weihnachten wurden diese Artikel im Mitteilungsblatt der Gemeinde als «ideales Geschenk» angepriesen. Tatsächlich ist der Absatz von Werbeartikeln laut Gemeindeschreiber Marcel Wehrli in der Weihnachtszeit am grössten. Aber auch unter dem Jahr werde im Gemeindehaus nach dem Angebot gefragt. «Ich sehe jedenfalls immer wieder Leute mit einem Fehraltorfer Knirps herumlaufen», sagt Wehrli.

Auf die Gemeinde anstossen

Im Bezirk Hinwil ist Grüningen die Gemeinde mit den meisten Souvenirs. Kein Wunder, schliesslich hat sich die umtriebige örtliche Heimatschutzgesellschaft der Sache angenommen. Das Angebot reicht von Zündholzschachteln über Kaffee- und Teetassen, Essbesteck, Bonbon- und Guetslidosen bis hin zu Weinständern, Kunstkarten und diversen Büchern und Schriften über Grüningen. Zudem denkt die Gemeinde als Einzige an die Jüngsten und verkauft Mikado- und Domino-Spiele mit dem Grüninger Wappen.

Auch in Bubikon wird einiges geboten. Das Gemeindewappen gibts auf Badetüchern, Krawatten, Pins und Trinkgläsern. Eine Besonderheit ist der Ritterhaus- Comic von Frida Bünzli, der über die verschiedenen Onlinebuchhandlungen allerdings günstiger zu erstehen ist als auf der Gemeinde. Echte Bubiker kaufen aber natürlich im Gemeindehaus ein – und kleben sich einen «I Love Bubikon»-Kleber aufs Auto oder Velo.

Aufs Wesentliche beschränkt man sich in Wetzikon und Rüti, wo man mit Weissweingläsern auf das Wohl der Gemeinde anstossen kann. In Gossau wiederum geht die PR-Abteilung wohl davon aus, dass der rote Fischotter am besten auf Baumwolle zur Geltung kommt. Und so gibt es allerhand Textiles wie Badetücher, Küchenschürzen, Küchentücher oder T-Shirts – und für gemütliche Stunden eine Gossau-Kerze mitsamt Halter.

Gemeindehaus als Einkaufszentrum

Im Bezirk Uster scheinen Pins sehr beliebt zu sein. In Maur gibt es sie, Greifensee hat welche, und auch das Fällander Wappen kann man sich ans Revers heften. Die Fällander scheinen dazu sehr belesen zu sein. Nicht weniger als vier Bücher über die Gemeinde gibt es zu kaufen. Und jetzt, wo der Fällander Löwe wieder wie früher Zähne und Krallen zeigen darf, macht er sich bestimmt auch gut auf der grossen Fahne, mit der die Einwohner ihre Heimatliebe demonstrieren können.

Wer auf Shoppingtour ins Dübendorfer Stadthaus pilgert, wird wohl enttäuscht sein: Gerade mal Sackmesser, Kugelschreiber und das jährlich neu erscheinende Heimatbuch kann man dort kaufen. Dagegen ist das Gemeindehaus von Volketswil auch ein kleines Einkaufszentrum. Hier gibts Armbanduhren, Wappenscheiben, ein Kochbuch, Geschichts- und Hörbücher, Badetücher, Regenschirme, Schlüsselanhänger und -etuis, Weissweingläser, Hörbücher, Karten und Aufkleber mit der Aufschrift «Volketswil my Love». Laut Gemeindeschreiber Beat Grob habe man das Angebot aufgebaut, weil immer wieder Leute im Gemeindehaus danach gefragt hätten. Die Artikel verkaufe man «recht gut», besonders beliebt seien sie bei Heimweh-Volketswilern und als Geschenke. Nicht zu verkaufen ist der Volketswiler Wein. Den gibt es nur für besondere Leistungen, als Präsent für «Staatsgäste» oder bei speziellen Besuchen und Empfängen.

Sämtliche Artikel können auf der jeweiligen Gemeindeverwaltung oder zum Teil auch direkt über die Gemeinde-Homepage bestellt werden. In Grüningen ist die örtliche Heimatschutzgesellschaft zuständig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2008, 21:52 Uhr

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