Feucht, feuchtfröhlich und gesittet

Freunde des Schwingsports brauchen nicht viel zum Glück: Schlamm und Alkohol genügen.

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Um 5.30 Uhr prasselt der Regen. Keine Anzeichen des Grossanlasses Kilchberger Schwinget. Am Haupteingang prüfen die Sicherheitsleute die Eintrittkarten mit der Stirnlampe. Beim Kuhstall ist um diese Zeit mehr los. Menschen in Wanderschuhen, mit Jägerhut und Armeepelerine bewegen sich Richtung Hauptfestzelt, zum Schwingerzmorge. Im warmen Kuhstall machen sich derweil die ersten Schwinger bereit.

Langsam wird sichtbar, wie sehr der Regen dem Festplatz zugesetzt hat. Die Wiesen sind mehr braun als grün. Um die beiden Sägemehlringe haben sich grosse Wasserlachen gebildet. Die Sitzplätze sind noch nicht besetzt, bis auf die Bank, auf der sich eine Schar für eine Fernsehaufnahme gruppiert hat.

Gegen Ende des ersten Gangs sind alle Plätze besetzt. Die jungen Männer, die aus Metalltornistern «Kafischnaps» ausschenken, haben alle Hände voll zu tun. «Nach zehn Minuten müssen wir den 10-Liter-Tank wieder nachfüllen», sagt einer der Ausschenker. Die Stimmung ist verhalten. Einzig wenn Hanspeter Pellet in den Ring tritt, johlen die 12'000 Zuschauer. Manchmal juchzt einer.

Der Taucher ist der Lacher

Richtig laut wird es über Mittag im grossen Festzelt. 4000 Besucher verzehren das Bankettmenü: Schweinsrauchbraten, mit Speck umwickelte Bohnen, Kartoffelgratin und ein Caramelköpfli. Es ist feuchtwarm, die Luft stickig. Einige jassen. Auf den Grossleinwänden wird die Fernsehaufzeichnung des Morgens gezeigt. Dann kommt der Lacher: Roger Brügger wird von Ady Tschümperlin in den Schlamm geworfen. Die Menge johlt.

Die Rössli-Stumpen laufen gut

Zum Schlussgang hin zeigt der Alkohol auf und neben den Tribünen seine Wirkung. Es bleibt aber alles gesittet. Sobald Christian Stucki seine Hand zum Sieg hebt, stehen die Besucher auf. Bald darauf schliessen die ersten Händler ihre Stände. Und es wird Bilanz gezogen. Die Rössli-Stumpen verkauften sich besser als nach dem Eidgenössischen.

Während sich die Besucher mit dem Schlauch den Dreck von den Schuhen spritzen, gehen die Schwinger in der schwarzen Tracht zur Siegerehrung. Ihre Stimmen sind noch bis spät in die Nacht zu hören. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 23:43 Uhr

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