Frankreich reagiert auf Proteste in China

Präsident Nicolas Sarkozy schickt seinen Sicherheitsberater nach China, um den Schaden der anti-französischen Demonstrationen zu begrenzen.

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Die Beziehungen zwischen Frankreich und der Volksrepublik China sind so angespannt wie nie seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1964. Nach den anti-französischen Kundgebungen vom Wochenende werden der Sicherheitsberater des französischen Staatspräsidenten, Jean-David Levitte, und der ehemalige Premierminister Jean-Pierre Raffarin in den kommenden Tagen zu Gesprächen nach Peking reisen. Raffarin, der sich seit vielen Jahren für China interessiert, fliegt am Mittwoch, der gelernte Sinologe Levitte am Wochenende.

Finanziert Carrefour den Dalai Lama?

Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte am vergangenen Freitag einen Sondergesandten seines chinesischen Amtskollegen Hu Jintao in Paris empfangen. Im Anschluss war aus dem Elysée zu erfahren, Frankreich dränge weiterhin «auf eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen den Vertretern des Dalai Lama und den chinesischen Machtinstanzen».

Am Samstag und am Sonntag hatten sich die Demonstranten in mehreren chinesischen Grossstädten wiederum vor Supermärkten der Carrefour-Kette versammelt. Die Organisatoren der antifranzösischen Kundgebungen behaupten, dass ein Aktionär von Carrefour den Dalai-Lama und tibetische Separatisten finanziere. Die Proteste und Boykottaufrufe richten sich vor allem gegen Carrefour, zweitgrösstes Supermarktunternehmen der Welt, und gegen die Luxusgüterholding von Nicolas Sarkozys engem Freund Bernard Arnault, LVMH. Beide Unternehmen sind seit dem vergangenen Freitag unter dem Dach der Finanzholding Blue Capital verschränkt. Dritter französischer Konzern im Visier der Demonstranten ist die Kosmetikgruppe L’Oréal. Ihr wird vorgeworfen, dass sich ihre Tochterfirma Body Shop im Juni 2007 an einer Reise des Dalai Lama nach Australien beteiligt habe.

Unternehmen wurden überrascht

Die betroffenen Unternehmen versuchen, die Proteste und ihre möglichen Folgen für die Muttergesellschaften möglichst herunterzuspielen. In einer Pressemitteilung bestritt Carrefour ausdrücklich, dass es sich finanziell für die Freiheitsrechte der Tibeter einsetze : «Informationen im Internet, die Carrefour irgendwelche politischen Absichten in China zuschreiben, sind falsch und unbegründet.» Bei Carrefour trägt China etwa neun Prozent zum Umsatz bei. Der Konzern betreibt 122 Grossmärkte in der Volksrepublik, mit denen er zwei Millionen Kunden erreicht. Ein Sprecher unterstrich dieser Tage, dass ein eventueller Boykott Carrefours vor allem der chinesischen Seite schaden werde. 98 Prozent seiner 40 000 Angestellten in der Volksrepublik seien Chinesen und 80 Prozent der Waren stammten von den 22 300 chinesischen Lieferanten. Der Vorstandsvorsitzende erinnerte bei der Aktionärsversammlung vergangene Woche daran, dass «der Konzern sich nie zu politischen Fragen äussert».

Ähnliches war vom Luxuskonzern LVMH zu vernehmen: Die Boykottaufrufe seien vollkommen unbegründet, hiess es. Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis distanzierte sich ausdrücklich von jeglicher Kritik am Regime. Andere französische Unternehmen wollten sich vorsichtshalber gar nicht erst zu den Protesten äussern. Die Wirtschaftsvertreter wissen sichtlich nicht, wie ihnen geschieht, seitdem der olympische Fackellauf weltweit westliche Kritik an Menschenrechtsverletzungen in China kristallisiert hat. Die chinesische Regierung hat vor allem auf den chaotischen Ablauf des Fackellaufs in Paris verärgert reagiert.

Erstellt: 11.07.2008, 15:44 Uhr

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