Frauen auf der Strasse geschlagen

Ein Mann hat in Thalwil Frauen auf der Strasse unvermittelt angegriffen. Gestern behandelte das Bezirksgericht den Fall.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Attacken passierten ohne ersichtlichen Grund und scheinen völlig absurd. Deshalb stellt sich bei diesem Fall speziell die Frage, wer so etwas macht: Der Täter ist ein 25-jähriger Asylbewerber aus der Türkei. Er ist geständig, die Frauen geschlagen zu haben.

Die erste Tat geschah im letzten Juni, an einem Vormittag. Er schlug eine knapp 40-jährige Frau, die sich vor der Migros in Thalwil aufgehalten hatte, mit der flachen Hand ins Gesicht. Sie erlitt einen Bluterguss. Kurz darauf, nur ein paar Meter weiter, versetzte er einer Studentin einen Faustschlag. Er traf ihre Schläfe, sie fiel auf die Strasse, schlug mit dem Hinterkopf auf und blutete stark. Im Januar, wieder in der Nähe der Migros Thalwil, hob er einen zehn Kilogramm schweren Pflasterstein auf und warf ihn einer Frau nach, die kurz zuvor an ihm vorbeigegangen war.

Die gestrige Gerichtsverhandlung war so ungewöhnlich wie die Taten. Sie dauerte nur gerade rekordverdächtige zehn Minuten. Der Angeklagte nahm nicht teil. Seine amtliche Verteidigerin führte vor dem Einzelrichter aus, dass er psychisch nicht in der Lage sei, vor Gericht zu erscheinen. Sie beantragte, ihn freizusprechen; der Staatsanwalt forderte wegen einfacher Körperverletzung und Tätlichkeiten eine Freiheitsstrafe von 60 Tagen, die zugunsten einer ambulanten Massnahme aufzuschieben sei.

Verfolgungsängste

Das Plädoyer der Rechtsanwältin brachte etwas Licht in die Angelegenheit. Der Mann sei gemäss einem Gutachten des Sanatoriums Kilchberg paranoid-schizophren. Er leide unter Verfolgungsängsten und glaubte, die Frauen schmiedeten ein Komplott gegen seine Familie. Er wollte sich wehren. Die Verteidigerin plädierte auf Freispruch, weil der Mann zur Zeit der Tat nicht fähig gewesen sei, sein Unrecht einzusehen. Der Angeklagte nimmt täglich je drei Valium und Zyprexa-Tabletten zur Behandlung der psychischen Krankheit. Früher konsumierte er ein- bis zweimal täglich Cannabis. Er lebe in einem betreuten Wohnheim am rechten Zürichseeufer und werde dort bis auf weiteres bleiben, sagte die Anwältin.

Das Gericht hat noch kein Urteil gefällt. Es teilt den Entscheid schriftlich mit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.09.2008, 20:12 Uhr

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Nachspielzeit Bratwurst statt Showeinlage

Never Mind the Markets Wie liberal ist die Schweiz?

Werbung

Die Welt in Bildern

Verlockend bunt: Eine Biene landet im Botanischen Garten von München auf der Blüte eines Zitronen-Zylinderputzers. (29. Mai 2017)
(Bild: Sven Hoppe/DPA) Mehr...